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Gerichtsprozess in Nigeria13-Jähriger wegen Gotteslästerung zu 10 Jahren Haft verurteilt

Ein Gerichtsentscheid eines Gerichts in Nigeria sorgt für Kritik. Das Kinderhilfswerk Unicef fordert die Regierung auf, das Urteil rückgängig zu machen.

Nigeria unterscheidet grob zwischen einer säkularen und einer islamischen Rechtssprechung: Ein Mann sitzt in einem Scharia-Gericht im Norden Nigerias und wartet auf den Richter.
Nigeria unterscheidet grob zwischen einer säkularen und einer islamischen Rechtssprechung: Ein Mann sitzt in einem Scharia-Gericht im Norden Nigerias und wartet auf den Richter.
Foto: Aminu Abubakar (AFP) 

Nach dem Ende seiner Haftstrafe ist seine Jugend vorbei: Der 13-jährige Omar F. muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Darüber hinaus wurde ihm «belanglose Arbeit» während der Haftzeit auferlegt. Der Grund: Bei einem Streit mit einem Freund soll er Allah beleidigt haben. Das zuständige Scharia-Gericht im nigerianischen Bundesstaat Kano hat den Jungen Anfang August deshalb der Blasphemie für schuldig befunden.

Gegen den Entscheid hat der Anwalt des 13-jährigen Jungen, Kola Alapinni, inzwischen Berufung eingelegt, wie er auf Twitter mitteilte. Die Verurteilung bezeichnet er als «Verletzung der Afrikanischen Charta für die Rechte und das Wohlergehen eines Kindes (sowie) der Verfassung der Bundesrepublik Nigeria». «Die Staatsregierung von Kano wird ihren Tag vor Gericht haben», drohte Alapinni.

Mit «tiefer Besorgnis» meldete sich das Kinderhilfswerk Unicef am Mittwoch zu Wort. «Die Verurteilung dieses Kindes (...) zu zehn Jahren Haft und belangloser Arbeit ist falsch», schrieb der Unicef-Abgeordnete für Nigeria, Peter Hawkins, in einer Stellungnahme. «Es verstösst auch gegen alle grundlegenden Prinzipien der Kinderrechte und der Kindergerechtigkeit, die Nigeria und damit implizit auch der Bundesstaat Kano unterzeichnet hat.» Unicef habe die Regierung aufgefordert, den Fall auf eine Aufhebung des Urteils hin zu überprüfen, so Hawkins.

Nigeria kennt unterschiedliche Rechtssysteme. Grundsätzlich lassen sich jedoch eine säkulare sowie eine islamische Rechtssprechung nach dem Scharia-Gesetz unterscheiden. Letzteres kommt insbesondere im muslimischen Norden des Landes zur Anwendung. Zu den von den Scharia-Gerichten verhängten Urteilen gehören Auspeitschungen, Amputationen und die Todesstrafe.

Auf den Fall des 13-jährigen Omar F. sei er durch einen anderen Mandanten, einen 22-jährigen Mann, aufmerksam geworden, erklärte der Rechtsanwalt Alapinni gegenüber dem Nachrichtensender CNN. Der Sänger soll den muslimischen Propheten Mohammed in einem Song beleidigt haben, weshalb er letztendlich zum Tod durch Erhängen verurteilt worden war. «Wir fanden heraus, dass beide am gleichen Tag, vom gleichen Richter, im gleichen Gericht wegen Blasphemie verurteilt worden waren», so Alapinni.

sho

11 Kommentare
    Verena Plüss

    Und die Welt schweigt! Es ist im Grunde auch nicht Gotteslästerung, nein wenn schon ist es Allah Lästerung! Der 13Järige hatte doch keine Ahnung auf was er sich da einliess.