Ein obskurer Guru in wallendem Gewand, behängt mit protzigem Goldschmuck, ist Erich Engler definitiv nicht. Wer dem Prediger in seinem unscheinbaren Reihenhaus begegnet, kommt nicht auf die Idee, dass er mit einem Rolls-Royce unterwegs ist und irgendwo auf einem Nummernkonto die gespendeten Millionen hortet. Aber auch wenn das Leben des Hombrechtikers auf den ersten Blick bieder scheint, sein Beruf - oder besser seine Berufung - ist es nicht. Seit Ende Jahr predigt der freikirchliche Pastor täglich über das Internet. Mit beachtlichem Erfolg. Eigentlich wollte der heute 38-Jährige das TV-Geschäft seiner Eltern in Bülach übernehmen. Mit Religion hatte er als junger Mensch nichts am Hut. «Moralvorstellungen und Gebete haben mich eher abgestossen», sagt er. Bevor er zum «Gwerbler» werden sollte, zog es den 21-Jährigen für ein halbes Jahr für einen Sprachaufenthalt nach Kanada. Dort stellte ein Erlebnis kurz vor einem Eishockeyspiel am Canada-Cup sein Leben völlig auf den Kopf: «Gott hat in mir einen Schalter angeklickt», sagt der Prediger. Diesen «Klick» habe er in Körper, Geist und Seele gespürt. «Ich habe sofort gewusst, dass ich mein Leben Jesus Christus übergeben muss.» Seine Berufung stand für den jungen Mann fest: Er wollte Prediger werden. Warnung Gottes Obwohl seine Eltern die plötzliche Religiosität für einen Spleen hielten, ging der junge Mann drei Jahre später in die USA, wo er eine Bibelschule besuchte. Zwischen 1995 und 1997 liess er sich dort zum Pastor ausbilden. Nach seiner Zeit als Assistenzpastor in einer Freikirche in Zürich gründete Erich Engler Ende 1999 die Familienkirche in Rapperswil. «13 Leute nahmen am ersten Gottesdienst teil», erinnert er sich. Heute lauschen regelmässig 150 Gläubige seinen Predigten.Von der einfachen Website über die Internetkirche war es nur noch ein kurzer Schritt zur täglichen Live-Predigt. Die Aufforderung an seine Zuschauer ist eindringlich und klar: «Habt Glauben an den Erlöser, und das Himmelreich ist euch sicher.» Nicht nur das Paradies verspricht Engler, sondern auch ein Leben in Gesundheit und finanziellem Wohlstand. «Gott ist ein guter Gott», betont er. «Er will, dass es uns gut geht.» Wie erklärt er seinen Gläubigen dann die täglichen Tragödien des Lebens? Er könne nicht alle Fragen beantworten, schränkt der Pastor ein. «Man muss jedoch lernen, die Warnungen Gottes zu hören und die unguten Gefühle zu deuten.» Keine Chance auf das Paradies sieht Engler für diejenigen, die nicht «durch Jesus Christus den Weg suchen». Ob Buddhisten, Moslems oder Hindus - ihnen bleibt das Himmelreich verwehrt. «Aber», fügt er hinzu, «auch sie können durch Jesus Christus errettet werden - wenn sie sich ihm zuwenden.» Für das Ticket in die Herrlichkeit genügt es aber nicht, ein gutes Leben zu führen: «Ohne Glaube an den Retter sind auch diese Seelen verloren.» Ist das nicht eine arrogante Überzeugung? «Die christliche Religion ist die einzige, bei der ein liebender Vater vorhanden ist», sagt Engler. Darum versucht er, die Menschen zum richtigen Glauben zu bekehren. «Weil ich will, dass sie alle gerettet werden.» Gesundheit und Wohlstand Das Wort Gottes online kommt gut an: Knapp 30 000 Gläubige aus aller Welt laden sich monatlich die Predigten herunter. Auch die Spendengelder fliessen reichlich: Eine halbe Million war es im 2007; für das vergangene Jahr rechnet der Pastor mit noch mehr. Also doch irgendwo ein Nummernkonto? «Ich beziehe einen durchschnittlichen Lohn», wehrt der zweifache Vater ab. Ausserdem sind sämtliche CDs - die übrigens für jede Lebenslage erhältlich sind - und diverse Kurse kostenlos. Erich Engler ist nicht nur ein Predi-ger, er betätigt sich ebenfalls als erfolgreicher Heiler. Voraussetzung dabei sei jedoch immer der Glaube der Hilfesuchenden an die Heilkraft Gottes. Zum Beweis zeigt er einen ganzen Ordner mit überschwänglichen Dankesschreiben. Egal, ob Depression, Osteoporose oder Krebs: Wer glaubt, darf mit Heilung rechnen. Ein Meilemer schreibt, wie gut seine Geschäfte nun florieren, und eine Deutsche, dass ihr Bandscheibenvorfall sich auf wundersame Weise von selbst erledigt habe. Wie steht Erich Engler zur Sterbehilfe? «Es kann nicht Gottes Wille sein, jemanden jahrelang leiden zu sehen», sagt er überzeugt, «es ist eher sein Wille, zu erlösen.» Welche Ziele verfolgt der eifrige Prediger in der Zukunft? «Wir wollen die Botschaft vom guten Gott im ganzen deutschsprachigen Raum verbreiten», sagt der Hombrechtiker. Denn es sei abgrundtief falsch, dass die traditionelle Meinung von einem strafenden, richtenden Gott vorherrsche. |