Das Haus Wäckerling nimmt einen neuen Anlauf, Alterswohnungen in unmittelbarer Nähe ihres Pflegeheims zu bauen. Im März war die neue Besitzerin der «Wäck», die Gruppe Di Gallo, am neuen Uetiker Richtplan gescheitert. In den Weinbergen südwestlich des Hauses Wäckerling sollten 50 Alterswohnungen mit Service entstehen. Die Stimmbürger waren von der Idee, die Weinreben für neue Häuser zu opfern, aber nicht begeistert und verhinderten den Bau. Für eine Parzelle südöstlich der «Wäck», wo heute die alte Scheune steht, liessen sie eine Möglichkeit offen. Davon haben der Gemeinderat und die Di-Gallo-Gruppe Gebrauch gemacht und sich zusammengesetzt. Die Frucht ihrer Arbeit wurde am Mittwochabend 50 interessierten Uetikern von Gemeindepräsident Kurt Hänggi präsentiert. Zustande gekommen ist ein elaborierter Kaufvertrag. Im Zentrum steht der Verkauf einer Parzelle von 2124 Quadratmetern der Gemeinde an die Eigentümerin des Hauses Wäckerling für 910 000 Franken. Dieser Preis wurde schon vor zwei Jahren festgelegt, als die «Wäck» vom Zweckverband in die Hände der Di-Gallo-Gruppe überging. Eine Preiserhöhung kam für Kurt Hänggi nicht in Frage: «Die Gemeinde darf nicht als Immobilienspekulantin auftreten.» Mehr zu verlangen, hätte auch finanziell nicht Sinn gemacht. Über 80 Prozent der Einnahmen wären den übrigen Gemeinden des alten Zweckverbands zugestanden. Uetiker haben Priorität
An den Landverkauf sind allerdings verschiedene Bedingungen geknüpft. Die Parzelle befindet sich in einer Zone öffentlicher Bauten. Die neue Eigentümerin darf also keine Luxuswohnungen hinstellen. Die Gruppe Di Gallo verpflichtet sich vielmehr, Alterswohnungen mit Service zu einer Miete anzubieten, welche die günstigen Kauf- bedingungen gebührend berücksichtigt. Konkret bedeutet dies: 21?2- und 31?2-Zimmer-Wohnungen mit 70 bis 95 Quadratmetern Fläche für 1950 bis 2650 Franken. Weiterhin haben Uetiker, welche sich für eine der Wohnungen interessieren, bei der Auswahl Priorität. Daneben werden im Vertrag noch «ein paar Problemchen gelöst», wie Gemeindepräsident Hänggi sagte: Unter anderem werden zwei kleinere Landparzellen abgetauscht, ein alter Fussweg wieder eingerichtet und die ganze Fläche südlich des Hauses Wäckerling zur Freihaltezone gemacht.
Unter den Zuhörern stiessen die Pläne mehrheitlich auf Wohlwollen. Ernst Meier, selber Pensionär in Uetikon, glaubt, mit den neuen Wohnungen werde ein vorhandenes Bedürfnis befriedigt: «Das find ich eifach guet.» Den Abriss der Scheune bei der «Wäck» könne er gut verkraften. In der Gemeinde stünden noch über 30 andere. Dieser Meinung war auch Gemeinderätin Christine Spoerry. Gemäss der Sozialvorsteherin haben Studien in Uetikon gezeigt, dass eine Nachfrage für eine Erhöhung der Vielfalt von Wohnformen im Alter bestehe. Dem Gemeinderat sei es ein Anliegen, diesen Trend zu unterstützen. «Mit diesem Projekt beim Haus Wäckerling kommen wir dem Ziel näher.» Entscheid am Volk vorbei
Widerstand regte sich einzig von Seiten der SP. Markus Brandenberger kritisierte nicht den Vertrag selbst, sondern das Vorgehen des Gemeinderats. Dieser will nämlich eigenständig über das weitere Vorgehen entscheiden, was ihm auch zusteht. «Es liegt in der Finanzkompetenz des Gemeinderats, über Landverkäufe bis zu einem Wert von 1,5 Millionen Franken selbst zu bestimmen», erklärte Kurt Hänggi. Brandenberger bestreitet dies nicht, aber: «Ein Entscheid von solcher Tragweite und mit solch langfristigen Konsequenzen sollte vors Volk kommen.» Der Gemeindepräsident entgegnete, dass bei der letzten Gemeindeversammlung schon ein Einverständnis gegeben worden sei. Ein Bau am jetzt geplanten Standort sei damals ganz bewusst offen gelassen worden. Der Gemeinderat wird an seiner nächsten Sitzung (in alter Zusammensetzung) definitiv über den Vertrag entscheiden. Falls alles nach Plan läuft, sollten die ersten Bewohner in drei Jahren einziehen können. |