Am 7. April wird es keine demokratischen Entscheide über die Zukunft der Zumiker Schulanlagen geben: Die Vorberatung des Baukredits für das Schulzentrum Farlifang sowie der Baurechtsvertrag für das Schulhaus Juch sind von der Traktandenliste der Gemeindeversammlung gestrichen worden. Grund für das lokalpolitische Erdbeben ist das sogenannte «Milchhüttli», ein Bau aus dem letzten Jahrhundert. Der Verschönerungsverein Zumikon (VVZ) hatte Ende November dem Gemeinderat beantragt, dessen Schutzwürdigkeit zu prüfen. Seit wenigen Tagen liegt nun ein Gutachten der kantonalen Denkmalpflegekommission vor. Es kommt zum Schluss, dass die Milchhütte als «wichtiger Zeuge einer vergangenen wirtschaftsgeschichtlichen Epoche» unter Schutz zu stellen sei.
«Dieser Befund liess uns keine Wahl», sagte Gemeindepräsident Hermann Zangger gestern Abend an einer kurzfristig einberufenen Medienorientierung. Ebenfalls keine Wahl blieb damit der Schulpflege: Ihre Pläne für ein Schulzentrum Farlifang sahen den Abbruch der Milchhütte am westlichen Ende des Schulareals vor. Bislang war das Gebäude, wo einst die Milch von über 50 Zumiker Höfen auf die Forchbahn verladen wurde, nicht im Inventar aufgeführt. Mit der Unterschutzstellung ist das Projekt der Schulpflege aber nicht mehr bewilligungsfähig; ein Volksentscheid darüber wird müssig. Ebenfalls abgesetzt wird die «Zwillingsvorlage», der Baurechtsvertrag mit der privaten Lakeside School, welche ins Schulhaus Juch hätte einziehen wollen.
Die Wendung kommt überraschend, dürfte jedoch die Gegner der umstrittenen Schulvorlagen freuen. Denn aufgrund der veränderten baurechtlichen Rahmenbedingungen auf dem Farlifang-Areal will die Schule nach den Worten von Präsident Martin Kessler «in den nächsten Planungsschritten alles zur Diskussion stellen». Man wolle auch prüfen, ob nochmals eine Planungsgruppe «inklusive der kritischen Stimmen» eingesetzt werden soll. Kessler forderte jedoch auch weniger Gehässigkeit in der politischen Debatte.
Rund 80 Zumiker erschienen gestern im Gemeindesaal zum geplanten Info-Abend über die beiden Vorlagen und wurden aus erster Hand über die Ereignisse orientiert. Die Reaktionen blieben verhalten. Michael Biro vom gegnerischen Komitee «Zumikon mit Zukunft» sagte, man wolle das Angebot zum Dialog «selbstverständlich» annehmen. Anfechtung nicht opportun
Als Grundeigentümerin der Milchhütte hätte die Schule Zumikon das Recht, den Beschluss zur Unterschutzstellung anzufechten. Kessler liess jedoch keine Zweifel daran aufkommen, dass dies «aus politischer Perspektive» völlig unangemessen wäre. Brisant ist hingegen: Der Entscheid, den Schutz des «Milchhüttli» zu verlangen, fiel im Vorstand des Verschönerungsvereins nicht einstimmig. Für eine Stellungnahme war vom VVZ gestern Abend niemand mehr erreichbar. |