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Dienstag, 09. März 2010
Die Ex-Pächter schiessen zurück
Stäfa Wirtepaar Heinz und Iris Homberger wehrt sich gegen Vorwürfe der Behörden
Wer ist dafür verantwortlich, dass der «Frohberg» schliessen musste? Die ehemaligen Pächter beschuldigen die Gemeinde Stäfa, einen «völlig überrissenen Mietzins» für das Lokal verlangt zu haben.
Jacqueline Surer
 
Der ehemalige «Frohberg»-Wirt Heinz Homberger zeigt sich enttäuscht über die gescheiterte Zusammenarbeit mit der Gemeinde Stäfa. (Reto Schneider)
 

Das Restaurant Frohberg wird seinem Namen dieser Tage alles andere als gerecht. Ganz im Gegenteil: Froh über die Zustände auf dem Stäfner Hausberg ist derzeit niemand. Bereits seit einiger Zeit schwelt hinter den Kulissen des Ausflugslokals ein Konflikt, der am 31. Januar in der überraschenden Schliessung der Beiz gipfelte. Letzte Woche musste das bisherige Wirtepaar Iris und Heinz Homberger die Schlüssel des «Frohbergs» an die Eigentümerin, die Gemeinde Stäfa, zurückgeben. Das Restaurant, das seit August 2009 der Gemeinde gehört, steht somit bis auf weiteres ohne Pächter da.

Bei der Schlüsselübergabe erlebten die Gemeindebehörden eine böse Überraschung: das Objekt sei in einem «lausigen Zustand» gewesen, kritisierten sie; die Pächter hätten den Gasthof «vergammeln lassen» («ZSZ» vom 2. März). Diesen Vorwurf wollen Heinz und Iris Homberger nicht auf sich sitzen lassen. Das Wirtepaar wirft der Gemeinde nun ihrerseits vor, das Ausflugslokal mit dem «völlig überrissenen» Mietzins von 8000 Franken in den Ruin getrieben zu haben.

Löcher im Parkplatz

«Der ?Frohberg? war schon sanierungsbedürftig, als wir ihn im Jahr 2004 übernommen haben», sagt Iris Homberger. Trotz des teuren Mietzinses - der schon damals 8000 Franken betrug - und hohen Eigeninvestitionen gelang es dem Wirtepaar über die Jahre, das Ausflugslokal rentabel zu betreiben. Doch dann kam die Wirtschaftskrise - und der Besitzerwechsel. Die Gemeindeversammlung Stäfa beschloss im Juni 2009, das Restaurant Frohberg mitsamt dem umliegenden Gelände für 3,2 Millionen Franken zu kaufen. Der Vertrag des bisherigen Pächterpaars wurde für eine Übergangsfrist von zwei Jahren verlängert. Zu den gleichen Konditionen wie bisher. Gleichzeitig verpflichtete sich die Gemeinde Stäfa, das Lokal für knapp 100 000 Franken zu sanieren. «Ein viel zu kleiner Betrag», winkt Heinz Homberger heute ab. «Ausserdem hat man mit uns gar nie über die anstehenden Renovationen gesprochen.» Entsprechend hätten die Behörden bei den Arbeiten gespart und geschlampt. Die Löcher im Parkplatz seien heute noch da, und die Sanierungen in der Küche und der Gästetoilette seien eine Zumutung gewesen, beklagt sich Iris Homberger. «Das sahen auch viele unserer Gäste so.»

4000 Franken zu viel verlangt?

Gleichzeitig setzte die Rezession dem Wirtepaar immer mehr zu: «Wir konnten uns kein Personal mehr leisten und die Heizkosten nicht mehr bezahlen», sagt die Wirtin. Heinz und Iris Homberger holten in ihrer Not ein unabhängiges Mietzins-Gutachten des Branchenverbands Gastro Suisse ein. Dieses besagte, dass der angemessene Mietzins für das Lokal 4000 Franken betrage. «Ich war mir sicher, dass die Gemeinde uns mit diesem Gutachten die Hand reichen würde, um das Lokal zu retten», sagt Iris Homberger. Stattdessen hätten die Behörden aber auf stur gestellt. «Deshalb haben wir aufgegeben.»

«Gespräche sind eingefroren»

Dass die Infrastruktur im Restaurant Frohberg nicht optimal war, räumt auch die Gemeinde Stäfa ein. Deshalb sei ja auch der Sanierungskredit bewilligt worden, sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Dieter Suter. Einen Teil dieses Betrags habe man bereits investiert, wobei sämtliche Arbeiten mit dem Pächtern abgesprochen gewesen seien, wie Suter festhält. Was die geforderte Mietzinsreduktion betreffe, habe es sich nicht mehr ergeben, mit dem Pächterpaar darüber zu diskutieren. «Aufgrund der laufenden Sanierungsarbeiten sind die Gespräche eingefroren, und dann war das Lokal bereits geschlossen.» Über die weitere Zukunft des «Frohbergs» mag Dieter Suter nicht spekulieren: «Wir müssen zuerst abklären, welche Sanierungsmassnahmen für eine Wiedereröffnung erforderlich wären, bevor wir die Zukunft planen können.»

Die Zukunft von Iris und Heinz Homberger hingegen ist gesichert. Beide haben bereits eine neue Stelle in einem anderen Gastro-Betrieb. Weit weg von Stäfa. «Nach dieser Enttäuschung konnten wir uns nicht mehr vorstellen, hier zu bleiben», sagt Iris Homberger. Eine Lehre hat das Wirtepaar aus dem Debakel jedenfalls gezogen: Statt selbständig zu wirten, arbeiten die beiden künftig im Angestelltenverhältnis.


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