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Dienstag, 13. Oktober 2009
Kein Platz für Schwein ohne Gott
Hombrechtikon Bibliothek weist mit gemeinderätlicher Unterstützung religionskritisches Buch zurück
Ein Freidenker wirft der Gemeinde Hombrechtikon «religiöse Zensur» vor, weil die Bibliothek ein religions- kritisches Kinderbuch nicht aufnehmen will. Der Gemeinderat sieht das anders.
Lucien Scherrer
 
Mit Gott nichts am Hut: Ferkel und Igel von Michael Schmidt-Salomon. (zvg)
 

Ausgerechnet in Hombrechtikon - jener Gemeinde, das den grössten Schweinebestand im Kanton Zürich aufweist - sorgt ein Ferkel für Aufruhr. Das Schweinchen tummelt sich im Kinderbuch «Wo bitte geht?s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel», mit dem der säku- lare Philosoph und Humanist Michael Schmidt-Salomon vor zwei Jahren in Deutschland eine hitzige Debatte über Religion und religiöse Gefühle ausgelöst hat (siehe Kasten). Eine Debatte, die nun in Hombrechtikon neu entfacht worden ist. Dies, weil der Hombrechtiker Bürger Andreas Koch der Gemeindebibliothek das «Ferkelbuch» schenken wollte. Das Team der Gemeinde- und Schulbibliothek lehnte die Gabe jedoch ab, wie der «Tages-Anzeiger» gestern berichtete.

«Man sagte mir, dass das Buch die Kunden nicht interessiere», sagt Koch gegenüber der «ZSZ». Der Hombrechtiker, der sich wie Autor Schmidt-Salomon in der Giordano-Bruno-Stiftung engagiert, war über die Haltung der Bibliothek empört. Und schickte einen geharnischten Brief («Modernes Hombi mit Taliban-Bibli?») an die Gemeindepostille «Ährenpost», in dem er eine klare Begründung verlangte, warum das Buch verschmäht worden sei. Die schriftliche Antwort von Gemeindepräsident Max Baur und Gemeindeschreiber Jürgen Sulger war deutlich: «Wir verstehen und unterstützen die Reaktion der Mitarbeiterinnen unserer Gemeindebibliothek vollumfänglich», heisst es da. Man betrachte das «sogenannte Kinderbuch» als «pädagogisches Pamphlet», das eine «unglaubliche Beleidigung der darin aufgeführten Religionsgemeinschaften» darstelle.

Tatsächlich ist das «Ferkelbuch» starker Tobak für gläubige Christen, Juden und Muslime: Autor Schmidt-Salomon, der in Deutschland auch schon als «militanter Atheist» bezeichnet worden ist, schickt das Ferkel zusammen mit einem Igel auf die Suche nach Gott. Doch statt spiritueller Erleuchtung erleben die beiden nur schlechte Komödien, als sie der Reihe nach einen Rabbi, einen Bischof und einen Mufti besuchen. Die drei Würdeträger entpuppen sich als rechthaberische, intolerante Zeitgenossen, die abstruse Heilslehren verkünden und sich am Ende wegen der Frage, wessen Hölle die schlimmste sei, gegenseitig auf den Deckel geben. Das Schweinchen und sein stachliger Kumpan ziehen daraus folgende Lehre: Wer an Gott glaubt, dem fehlt etwas - und zwar im Kopf. «Der Gottesglaube auf dem Globus», heisst es im Schlusswort, «ist fauler Zauber: Hokuspokus.»

Eine Frage des Stils

Für Andreas Koch ist klar: Eltern mit säkularer Weltanschauung müssen in Kinderzimmern und Bibliotheken mit Schriften wie dem «Ferkelbuch» ein «Gegengewicht» aufbauen zu religiös gefärbter Kinderliteratur. Dass das «Ferkelbuch» im Gegensatz zu Kinderbibeln keinen Platz in der Hombrechtiker Bibliothek findet, betrachtet er deshalb als «religiös motivierte Zensur». Man wolle es sich bloss nicht mit den zahlreichen religiösen Christen in der Gemeinde verderben. Gemeindepräsident Max Baur weist den Vorwurf, dass man unliebsame Meinungen unterdrücke, zurück: «Gegen die Weltanschauung, die das Buch vertritt, haben wir gar nichts - es geht einzig um die Respektlosigkeit, mit der Andersdenkende dargestellt werden.» Gerade Kinder sollten nach Baurs Ansicht dazu erzogen werden, anderen Meinungen kritisch, aber auch respektvoll zu begegnen. Das «Ferkelbuch» bewirke jedoch das Gegenteil. Deshalb habe es als Kinderbuch in der Gemeinde- und Schulbibliothek auch nichts verloren.

Ob es «das frechste Kinderbuch aller Zeiten» doch noch in die Hombrechtiker Bibliothek schafft - zum Beispiel als Erwachsenenbuch -, bleibt offen. Andreas Koch jedenfalls will «sehen, was sich machen lässt». Eines hat der Freidenker bereits erreicht: Das Buch seines Gesinnungsgenossen Michael Schmidt-Salomon erhält durch den Bibliothek-Streit ungeahnte Publizität. Gestern war es von Rapperswil bis Zürich kaum möglich, ein Exemplar aufzutreiben.


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