Gestern gab die SVP Adliswil ihre Nominationen für die kommunalen Wahlen am 31. Januar 2010 bekannt. Erwartet wurde, dass die stärkste bürgerliche Partei Adliswils ihren Anspruch auf zwei statt des bisherigen einen Stadtratssitzes geltend machen würde. Doch die SVP entschied anders: Sie schickt nur den bisherigen Werkvorstand Patrick Stutz ins Rennen - vorerst. «Es ist ein Vernunftentscheid», sagt Parteipräsident Renato Günthardt.
Zwar sei für die SVP klar, dass sie Anspruch auf zwei Sitze hätte. «Doch mit der Reduktion des Stadtrats von neun auf sieben Mitglieder halten wir es zu diesem Zeitpunkt nicht für angezeigt, unsere Sitzzahl auszubauen», erklärt Günthardt, schiebt aber gleich nach, dass die Partei ihren Anspruch auf einen zusätzlichen Sitz bei der nächsten Vakanz oder spätestens 2014 geltend machen werde. Und auch für 2010 ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: «Wir verzichten nicht explizit auf einen zweiten Sitz, sondern warten die Nominationen der anderen Parteien ab und werden danach unter Umständen auf unseren Entscheid zurückkommen», führt Günthardt aus. Im Klartext: Falls die noch ausstehenden Parteien SP, CVP und Freie Wähler deutlich mehr Kandidaten nominieren als Sitze zur Verfügung stehen, wird auch die SVP einen zweiten Vertreter ins Rennen schicken. «Die anderen Parteien werden sich überlegen müssen, welchen Anspruch sie bei sieben Stadträten noch geltend machen können», sagt Günthardt. Fronten nur bei FDP klar
Ein zweiter SVP-Kandidat stehe gegebenenfalls in den Startlöchern, sagt Günthardt und betont, die Partei verfüge über mehrere fähige Kandidaten. Namen will er jedoch noch keine nennen. Den Vorwurf, dass die SVP, die gleichzeitig ihre Sitzzahl im Gemeinderat ausbauen und stärkste Fraktion werden will, sich vor der Exekutivverantwortung drücke, lässt er nicht gelten: «Wir stellen bereits einen Stadtrat und stehen damit in der Verantwortung - und sind grundsätzlich bereit, diese mit einem zweiten Vertreter auszubauen.»
Die Ausgangslage für die kommenden Wahlen bleibt damit weiterhin unklar. Die Fronten geklärt hat bisher einzig die FDP. Sie hat den bisherigen Stadtpräsidenten Harald Huber und die Gemeinderätin und Präsidentin der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission Susy Senn an Stelle des zurücktretenden Heinz Spälti nominiert und damit klargemacht, dass sie weiterhin mit zwei Sitzen im Stadtrat vertreten sein will - obwohl sie bei den Gemeinderatswahlen 2006 deutlich hinter SP (bisher drei Exekutivsitze) und SVP zurückblieb und nur wenig mehr Stimmen erzielte als CVP (zwei Sitze) und Freie Wähler (ein Sitz). Warten bis Mitte Monat
FDP und SVP erheben damit Anspruch auf drei der sieben zu besetzenden Stadtratssitze. Wie SP, CVP und Freie Wähler, die bisher zusammen sechs Sitze halten, sich positionieren, geben diese erst nach ihren Mitgliederversammlungen Mitte September bekannt. Erst dann wird klar sein, wie viele Kandidaten um einen Sitz in der verkleinerten Exekutive kämpfen - und ob die SVP doch noch einen zweiten Vertreter nominiert. |