Zwei Bauprojekte haben das Fass bei Ruedi Schellenberg, dem Präsidenten der Unternehmervereinigung des Bezirks Horgen (UVH), zum Überlaufen gebracht: die unterirdische Turnhalle Gulliver in Rüschlikon sowie das Hallenbad Kilchberg, wo das regionale Gewerbe grösstenteils das Nachsehen hatte. «So kann es nicht weitergehen», sagt der Rüeschliker Unternehmer Schellenberg. Er will über die Gemeindepräsidentenkonferenz die Exekutive sensibiliseren, künftig vermehrt Unternehmungen aus der Region zu berücksichtigen. Entsprechende Gespräche zwischen den beiden Parteien haben bereits stattgefunden. Im Laufe dieses Jahres sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden.
Für Schellenberg ist klar: Die Gemeinden hätten es durchaus in der Hand, das regionale Gewerbe vermehrt in ihre Bauvorhaben zu integrieren - besonders wenn die Vergaben freihändig oder im Einladungsverfahren möglich sind (siehe Kasten). Im öffentlichen Ausschreibungsverfahren können auch die Vergabekriterien anders ausgelegt werden. Etwa, wenn nicht nur der Preis stark gewichtet wird, dafür vermehrt Faktoren wie Ökologie oder ob die Firmen in genügendem Mass Ausbildungsplätze für Lehrlinge anbieten. «Dann schneiden die Unternehmen aus der Region sehr gut ab», ist Schellenberg überzeugt, «dazu ist es paradox, wenn Handwerker von ausserhalb des Kantons oder dem Ausland involviert sind, wenn qualifizierte Fachkräfte in der Region vorhanden sind.» Mehr Initiative der Gemeinden
Ein weiterer Dorn im Auge ist dem Präsidenten der Unternehmervereinigung die Tendenz der Gemeinden, grössere Bauprojekte an einen Generalunternehmer (GU) abzutreten, wie es beispielsweise beim Bau der neuen Horgner Turnhalle Berghalden der Fall ist. Schellenberg weiss aus Erfahrung, dass diese GU praktisch ausschliesslich aufgrund des Preises die Handwerker auswählen. «Hier sollten die Gemeinden wieder vermehrt das Ruder in die Hand nehmen», wünscht sich Schellenberg.
Bereits überlegt sich die Unternehmervereinigung, die Vergabe an GU auf politischem Weg zu unterbinden. Konkret geht es um das geplante neue Oberstufenschulhaus Moos des Zweckverbandes Rüschlikon-Kilchberg. Der Projektierungskredit wurde vom Souverän der beiden Kommunen an der Gemeindeversammlung bewilligt. Schellenberg kann sich eine Initiative vorstellen, welche die Erstellung des Bauwerks durch einen GU verhindern soll. 250 Unterschriften wären dafür nötig. Eine Zahl, die gemäss Schellenberg «keine Probleme bereitet.»
Vorerst haben Gespräche zwischen den Gewerbetreibenden und Behördenvertretern von Kilchberg und Rüschlikon stattgefunden. Die Planungsarbeiten sollen den Vergabeentscheid nicht präjudizieren. Ein Entscheid pro oder kontra GU soll gemäss dem Rüeschliker Gemeindepräsidenten Bernhard Elsener früh genug kommuniziert werden. So dass die GU-Gegner genügend Zeit hätten, ihre Initiative aufzugleisen. Denn weder Behörden noch Unternehmer wollen den Baukredit für das neue Schulhaus gefährden. «Ökologie wichtiges Kriterium»
Dass die Gemeinden durchaus das lokale Gewerbe berücksichtigen, zeigen die Beispiele von Thalwil und Rüschlikon: «Wir vergeben bei kleinen Volumen direkt Aufträge», sagt Liegenschaftenvorstand Andreas Federer (CVP), «zudem sind Ökologie und die Lehrlingsausbildung wichtige Kriterien bei der Submission.» Bislang hat Thalwil keinen GU eingesetzt. Was sich aber bei der rund 13 Millionen Franken teuren Sanierung der Schulanlage Sonnenberg ändern wird.
«Hier sind nicht nur technisches, sondern auch organisatorisches Know-how und grosse Kapazitäten erforderlich», begründet Federer die Wahl eines GU, «dies schliesst jedoch die Vergabe von Aufträgen an das lokale Gewerbe nicht aus, wenn die Gemeinde sich das Mitspracherecht bei der Vergabe der Aufträge durch den GU an die Handwerker ausbedingt.» Auch in Rüschlikon wird der Preis in den Submissionen für Tiefbauten nur etwa zur Hälfte gewichtet. «Genauso wichtig sind Qualität, Personal und Lehrlingsausbildung», sagt Bernhard Elsener. |