Winterthur

Homosexuelle Paare warten auf Pflegekinder

2014 lancierte Zürich eine Werbekampagne, mit der man homosexuelle Paare für die Pflegeelternschaft sensibilisieren wollte. Aus Sicht der Stadt Zürich ist die Kampagne «ein Erfolg».

Die sexuelle Orientierung spielt bei der Vermittlung von potentiellen Pflegeeltern eine untergeordnete Rolle. (Symbolbild mad)

Die sexuelle Orientierung spielt bei der Vermittlung von potentiellen Pflegeeltern eine untergeordnete Rolle. (Symbolbild mad)

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Dass die Pflegeelternschaft – im Gegensatz zur Adoption – auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich ist, wissen die wenigsten. Die eidgenössische Pflegekinder-Verordnung besagt, dass grundsätzlich alle erwachsenen Personen Kinder in Pflege aufnehmen können.

Auch homosexuelle Paare haben deshalb realistische Chancen, ein Kind zu betreuen, um das sich die leiblichen Eltern zum Beispiel aufgrund von Misshandlung, Haft oder Drogensucht nicht selbst kümmern können oder dürfen.

Vor drei Jahren wandten sich die Sozialen Dienste der Stadt Zürich, die, wie die Region Winterthur an einem grossen Spektrum an Pflegeeltern interessiert ist, mit einer Kampagne explizit an lesbische und schwule Paare. In einigen Zürcher Kinos lief ein entsprechender Werbespot. Offenbar trug die Kampagne inzwischen erste Früchte.

Mehrere Paare im «Pool»

Denn drei Jahre später erklärt nun Beatrice Henes, Leiterin Kommunikation bei den Sozialen Diensten: «Aus unserer Sicht ist die Kampagne ein Erfolg.» Man habe derzeit gleich mehrere gleichgeschlechtliche Paare im «Pool», sprich, die Plätze sind abgeklärt und stehen grundsätzlich zur Verfügung.

«Zu einer Vermittlung in eine dieser Familien ist es bislang einmal gekommen», sagt Henes. Dass bis heute nicht mehr Kinder an homosexuelle Paare vermittelt werden konnten, erklärt sie sich damit, dass für eine Platzierung immer eine Vielzahl von übereinstimmenden Punkten nötig seien.

«Die sexuelle Orientierung ist für die Übernahme einer Pflegeelternschaft nicht zentral»

Letztlich bleibe auch immer die Frage offen, «ob die Herkunftsfamilien sich verschiedenste Familienformen für ihre Kinder vorstellen können». Unter den Fachleuten dominiere allerdings die Haltung, dass die Familienform bei der Platzierung eines Pflegekindes nicht entscheidend sein sollte, weiss Henes.

Das sieht auch Christoph Heck so, Vizepräsident der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Bezirke Winterthur und Andelfingen. «Die sexuelle Orientierung ist für die Übernahme einer Pflegeelternschaft nicht zentral», meint er. Am wichtigsten sei, dass Pflegeeltern verlässliche primäre Bezugspersonen für das Kind seien. «Das können sowohl heterosexuelle wie auch homosexuelle Paare sein.»

Heck begrüsst deshalb die Stadtzürcher Initiative. Denn sie trage dem Umstand Rechnung, «dass Kinder heute auch in anderen als der klassischen Familienkonstellation – Vater, Mutter, verheiratet – gesund heranwachsen können». Ungeachtet dessen hätten aber bisher noch keine gleichgeschlechtlichen Paare bei der Kesb Winterthur-Andelfingen die Erteilung einer Pflegeplatzbewilligung beantragt, sagt Heck.

Religion gibt eher zu reden

Genauer hingeschaut wird bei den Pflegeeltern heute ohnehin mehr wegen ihrer religiösen als wegen ihrer sexuellen Orientierung. Die private Familienplatzierungsorganisation Espoir macht in ihren Richtlinien denn auch klar: «Obwohl eine Religionszugehörigkeit nicht per se ein Ausschlusskriterium ist, können Sektenmitglieder keine Pflegekinder von Espoir aufnehmen.» Die Organisation achtet insbesondere darauf, «dass kein Pflegekind gezwungen wird, an religiösen Ritualen teilzunehmen».

(Der Landbote)

Erstellt: 18.05.2017, 13:55 Uhr

Zahlen und Fakten

«Wir wissen in der Schweiz, wie viele Kühe auf den hiesigen Wiesen grasen, aber wir wissen noch immer nicht genau, wie viele Pflege- und Heimkinder in der Schweiz leben», schrieb vor wenigen Tagen die Organisation Pflege- und Adoptivkinder Schweiz (Pach) in einer Medienmitteilung. In einer aktuellen Studie kann Pach nun zumindest eine Hochrechnung vorweisen. Laut dieser waren 2015 in der Schweiz grob geschätzt 18 000 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 18 Jahren in Kinder- und Jugendheimen oder Pflegefamilien untergebracht; ungefähr 13 000 davon in Heimen und zirka 5000 in Pflegefamilien. Die Gesamtzahl von 18 000 entspricht gut einem Prozent der gleichaltrigen Wohnbevöllkerung.

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