Adliswil: Adrian Brennwald triumphierte am Austria-Double-Triathlon
452 Kilometer schwimmen, trampen und rennen am Stück ? unbestritten, der Austria-Double-Triathlon geht an die Substanz: Ein Adliswiler ging mit an den Start. Und Adrian Brennwald erreichte mehr als «nur» die Ziellinie, was an sich schon einiges heisst.
Marco Rüegg
Mit eisernem Willen hielt Adrian Brennwald durch ? und nahm dem Zweiten am Doppel-Triathlon gleich hundert Minuten ab. Marco Rüegg
Samstag, 28. Mai, gegen 5 Uhr morgens. Basler Leckerli und dazu noch synthetische Kohlenhydrate ? das ist das Einzige, was Adrian Brennwald in den letzten Stunden «gefuttert» hat. Kilometer 80 im abschliessenden Doppelmarathon, der Magen rebelliert, der Körper droht zu streiken. «Da wollte ich am liebsten aufhören, mich einfach auf den Boden setzen», gesteht Adrian Brennwald. Er biss aber auf die Zähne, lief den Austria-Double-Triathlon weiter und beendete ihn in Neulengbach völlig überraschend als Sieger. Nach 7,6 geschwommenen, 360 geradelten und 84,4 gerannten Kilometern ist das ein doppelter Ironman.
Duschhilfe nach Strapazen
Nach 21 Stunden und 23 Minuten lief Brennwald im Ziel ein, über 100 Minuten vor dem Zweiten. Dass er den Sieg im ersten Moment weder realisiert noch geniessen kann, lässt sich nachvollziehen. Erst einmal braucht der Gewinner sogar Hilfe beim Duschen und Treppensteigen. Freitags um 8 Uhr war der Startschuss gefallen, am Nachmittag stieg das Quecksilber auf über 30 Grad. Temperaturen, bei denen der Durchschnittsbürger unter dem Sonnenschirm ein Glace vernascht. Die Hitze trug ihren Teil dazu bei, dass ein Drittel der Gestarteten gezwungen war, aufzugeben. Als Austragungsort für den Double-Triathlon musste ausgerechnet das Erholungszentrum Neulengbach herhalten. Aus Gründen der Infrastruktur fand der Wettkampf auf engstem Raum statt, der Doppelmarathon etwa auf einer 1-Kilometer-Strecke, das heisst 84 Runden im Kreis. Der Wille entscheide in solchen Extremsituationen über Aufgeben oder Durchhalten, und genau im Willen sieht Adrian Brennwald seine Stärke. Auf dem Fahrrad erreichte er einen Schnitt von 33 km/h. Gerechnet hatte er mit 30. «Weh tuts sowieso», habe er sich gesagt, und das Tempo gehalten. Als Siebter startete er auf die Radstrecke, danach führte er mit 50 Minuten Vorsprung. Die Rangliste verkommt in so extremen Rennen zur Nebensache. Die Priorität gilt dem Einteilen der Kräfte, damit die Energie bis zum Ziel reicht. «Ein enormer Zusammenhalt entsteht unter den Athleten. Jeder motiviert den anderen, ohne Rücksicht auf Kultur- und Altersunterschiede», schwärmt Brennwald. Der 30-jährige Adliswiler war der Zweitjüngste im Teilnehmerfeld und der einzige Schweizer.
Ein Mann, ein Ziel
Muss jemand ein Masochist sein, um seinen Körper solchen Strapazen auszusetzen? «Im Training habe ich mich oft selbst verflucht», gibt Adrian Brennwald zu. Teilweise rackerte er sich bis zu neun Stunden am Tag ab ? meist allein, nur mit einem Ziel vor Augen: durchhalten. Einmal in der Woche trainiert der Adliswiler mit dem SSC Langnau. Er profitiere viel vom Austausch mit anderen Sportlern. Während der intensiven Vorbereitungszeit für den Double-Triathlon mussten Familie und vor allem die Freundin zurückstecken. «Würde mein Umfeld nicht hinter mir stehen», meint Brennwald, «wäre das Ganze unmöglich.» Besonders erwähnt der Athlet seine beiden Betreuer, die astronomische Distanzen zurücklegten, um ihn mit Getränken und Kraftfutter zu versorgen. Die zwei seien am Ende fast müder gewesen als er selbst. Knapp 4000 Franken kostete die Mission Österreich. Zustüpfe erhielt Brennwald einzig aus dem Bekanntenkreis. Sein Sport findet wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, deshalb interessieren sich Sponsoren kaum für ihn. Brennwald enttäuscht: «Der Schweizer Triathlonverband weigerte sich sogar, mein Resultat im Internet zu publizieren. Die Disziplin erschien ihnen als zu exotisch.»
Startschuss am Oktoberfest
Eine Bieridee war sein Umsteigen auf Triathlon vor rund drei Jahren. Im wahrsten Sinne des Wortes: «Am Oktoberfest in Zürich erzählte mir ein Freund, er habe den Inferno-Triathlon absolviert.» Das animierte ihn, den bis anhin reinen Velofahrer, schon am nächsten Tag mit dem Training anzufangen. Der Knackpunkt dabei: das Schwimmen. Erst musste er einen Crawlkurs belegen, um sich ? mehr oder weniger ? mit dem Wasser anzufreunden. Immer noch ist der Adliswiler lieber auf dem Rad oder zu Fuss unterwegs als im Wasser. Immer hin und her schwimmen sei schon etwas eintönig. Doch dieser Sport hats ihm definitiv angetan. Kaum zurück vom Mammut-Rennen in Österreich sucht Brennwald schon die nächste Herausforderung. «Mal schauen, ob ich mich zum Ironman Switzerland regeneriert habe.» Nun, wenn der gelernte Schreiner in der Werkstatt einen ähnlichen Ehrgeiz und ein solch forsches Tempo an den Tag legt, dann fliegen da wohl die Späne.
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