Wer an diesem Samstagmorgen das Fest- und Barzelt des «Queerfeldein» ob Meilen betrat, erlebte die übliche morgendlich verkaterte Stimmung, wie man sie derzeit mancherorts in der sommerlichen Festivalschweiz vorfindet. Während die Pferde auf der angrenzenden Weide bereits keck übers Feld rannten, dösten die meisten Besucher noch in den gut drei Dutzend reihum postierten Zelten etwas abseits des Geländes. Nur vereinzelt liessen sie sich von Kaffee und Gipfeli über die vom Regen matschig gewordene Wiese locken. Unter den wenigen verschlafenen, aber zufriedenen Gesichtern und im Stimmenwirrwar aus Basel-, Bern-, Luzerner- und Zürichdeutsch war bloss die Vielzahl an Frauen auffallend. Ansonsten wurde der Kaffee nicht wärmer serviert als anderswo, und selbst im vielfältigen Musikprogramm liess sich nichts Ungewöhnliches entdecken. Lediglich der Name der Veranstaltung liess erahnen, dass es sich hierbei um ein Festival der besonderen Art handelt. Wenig «gwundrige» Meilemer «‹Queerfeldein› ist ein Wortspiel aus dem englischen Wort ‹queer› als Selbstbezeichnung für Homosexuelle und dem deutschen Ausdruck querfeldein», erklärte Mediensprecherin Sarah Hammami die neue Namensgebung des einzigen Festivals für Homosexuelle in Europa. Nach dem erfolgreichen «L-Open-Air» im vergangenen Jahr wollte man das Festival heuer ausweiten und vermehrt auch homosexuelle Männer ansprechen. «Das hat aber offensichtlich noch nicht richtig Wirkung gezeigt», meinte Hammami lachend.Ebenfalls wenig Wirkung zeigte die Einladung an Anwohner und Interessierte aus der Region, zum Brunch hereinzuschauen und sich selbst ein Bild des Anlasses zu machen. Die Scheu vor dem schlechten Wetter überwog offensichtlich die Neugier: Während sich im letzten Jahr etliche Spontanbesucher zu den Feiernden gesellt hatten, wagte sich an diesem verregneten Morgen lediglich eine «gwundrige» Männedörflerin ins Zelt - sie blieb allerdings umso länger gesellig diskutierend am Tisch der Organisatorinnen sitzen. Schönwettermusik im Regen Jene hartgesottenen Festivalbesucher, die den Wetterbedingungen trotzten, kamen allerdings sowohl in atmosphärischer als auch in musikalischer Hinsicht voll auf ihre Kosten. Zwar dominierte zwischen den Konzerten die Festzelt- über die Open-Air-Stimmung, doch für die Konzerte unter freiem Himmel liessen sie sich, ausgerüstet mit Gummistiefeln und Pelerinen, von Petrus nicht die gute Feierlaune verderben. Damit wurde einmal mehr der Beweis erbracht, dass Regen und Schlamm oftmals gerade das Tüpfelchen auf dem i eines jeden guten Open Airs sind. Gleichermassen flexibel reagierten die auftretenden Künstler auf die herrschenden Bedingungen. So verlegte die deutsche Sängerin Steffi List ihr Konzert am Freitagabend kurzerhand von der Konzertbühne ins Festzelt und verzückte die Zuhörer mit einem Unplugged-Konzert. Seven wiederum, der mit Spannung erwartete Hauptact des Samstagabends, tröstete sein Publikum mit den Worten: «Wir machen trotzdem Schönwettermusik.» Die Besucher dankten es dem Schweizer Musiker mit tat- und tanzkräftigem Engagement zu seinen Soul- und Funk-Klängen - und sei es auch nur, um sich warmzuhalten. Kein Schlangestehen Doch selbst die beste Stimmung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich weit weniger Festivalbesucher eingefunden hatten als erwartet. Was eine Teilnehmerin augenzwinkernd mit «Ist doch super - kein Schlangestehen» kommentierte, ist für die Organisatorinnen ein herber Rückschlag. Statt der 1500 für eine Kostendeckung erforderlichen Besucher fanden sich schätzungsweise wohl nur gut die Hälfte ein. «Das Wetter hat uns schon einen Strich durch die Rechnung gemacht», resümierte eine sichtlich enttäuschte Sarah Hammami. Wohl fiel das Festival selbst dank professioneller Organisation nicht ins Wasser - ob es sich allerdings über Wasser halten wird, bleibt damit offen. |