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SCHLAGZEILEN
Zürichsee-Zeitung Rechtes Ufer / Dienstag, 09. Februar 2010
 
Erneutes Gerede scheint garantiert
Erlenbach 150 000 Franken fliessen dank Versteigerung aufs Konto des Verkehrsvereins
 
VVE-Präsidentin Christiane Brasseur hat die Ausnützung der vereinseigenen Wiese gekauft. Ihr Vize findet das gänzlich unproblematisch.
Anna Moser
 
Auktionator Ueli Eberhart, flankiert von einer Mitarbeiterin und dem VVE-Rechtsberater Jürg Müller, hatte gestern im «Erlibacherhof» leichtes Spiel: Die Ausnützung einer Aussichtswiese war nach wenigen Minuten weg. (Reto Schneider)
 


Nach vollbrachtem Coup strahlte Christiane Brasseur gestern übers ganze Gesicht. Für 150 000 Franken hatte sie sich soeben das Recht auf eine grössere Ausnützung ihres Grundstücks an der Pflugsteinstrasse in Erlenbach ersteigert. Zum Verkauf stand die bauliche Ausnützung einer 120 Quadratmeter grossen Wiese in der Wohnzone W2/25 - was umgerechnet 30 Quadratmetern Wohnfläche entspricht. Diese wird nun auf Brasseurs benachbartes Grundstück übertragen.


Das Pikante daran: Die Wiese gehört seit langem und auch weiterhin dem Verkehrs- und Verschönerungsverein Erlenbach (VVE), und Brasseur ist dessen Präsidentin. Vor gut einem Jahr sorgte die Absicht des VVE-Vorstands, die Ausnützung des Aussichtsplätzchens als Einnahmequelle für den Verein zu verkaufen, für Aufruhr in Erlenbach. Kaufinteressentin war nämlich ausgerechnet Christiane Brasseur, die bereits einen Umbau ihres Hauses inklusive der fraglichen Ausnützung plante. Der Verein begünstige seine eigene Präsidentin, lautete damals der Vorwurf im Dorf.

Ein Nachbar hätte gern gebaut


Nun ist es anders gekommen - und doch wieder gleich. Nachdem die Sache monatelang auf Eis gelegen hatte, beschloss die Generalversammlung Ende September, die Ausnützung anlässlich einer öffentlichen Auktion an den Mann (oder eben die Frau, wie man eigentlich schon damals hätte wissen können) zu bringen. Die Auktion war auf gestern Nachmittag im «Erlibacherhof» angesetzt - und dauerte keine Viertelstunde. Das Mindestgebot betrug 120 000 Franken. Einen einzigen Konkurrenten hatte Christiane Brasseur, und der hörte bei 149 000 Franken mit Bieten auf. «Ab einer bestimmten Grenze muss man sich fragen, ob es noch Sinn macht», meinte Dieter Grob, seeseitiger Nachbar der VVE-Wiese. Er habe mit seinem Ersteigerungsversuch niemandem eins auswischen wollen, sagte er - «die Aussicht auf einen möglichen Raumgewinn stand im Vordergrund».


Abgesehen vom Lächeln für den Fotografen hielt sich Siegerin Christiane Brasseur mit Informationen gegenüber der «ZSZ» zurück. Sie habe die Ausnützung als Privatperson ersteigert; als VVE-Präsidentin sei sie in dieser Sache weiterhin im Ausstand. Welche Ausbaupläne sie derzeit verfolgt, wollte die selbständige Architektin nicht verraten: «Das wird man dann sehen, wenn ich das Projekt eingebe.» Schon vor Monaten hatte Brasseur eine Vorabklärung beantragt, ob eine Übertragung der Wiesenausnützung auf ihr Grundstück grundsätzlich zulässig wäre. Gegen den positiven Befund der Baukommission haben Nachbarn rekurriert; das Verfahren ist hängig. Auf die Frage, ob sie diesbezüglich zuversichtlich sei, sagte Brasseur gestern nur: «Sonst würde ich kaum so viel Geld in die Hand nehmen.» Wie viel sie maximal geboten hätte, behielt sie für sich.

«Korrekter geht es nicht»


Böses Blut im Dorf scheint nach diesem Ausgang der Auktion garantiert - schliesslich ist man (fast) wieder da, wo man vor einem Jahr war. Das sieht der Vizepräsident des Verkehrsvereins, Franz Lötscher, jedoch ganz anders. «Wir haben niemanden bevorteilt», betonte er, «im Gegenteil: Korrekter kann man es nicht machen.» An der Generalversammlung im letzten Herbst habe niemand gesagt, die Präsidentin dürfe selber nicht steigern. Und für den Verein sei es positiv, 150 000 Franken in die Kasse gespült zu erhalten. Von wem dieses Geld komme, spiele keine Rolle, findet Lötscher. Dass das Thema im Dorf noch eine Weile lang zu reden geben wird, schliesst der Vizepräsident nicht aus. «Wichtig ist, dass wir dafür absolut geradestehen können.» Und wer weiss, vielleicht sind die Erlenbacher ja bald besänftigt - denn der Verein will laut Lötscher «das Kapital fürs Dorf nutzbringend einsetzen».

 
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