Luzern ist im Moment wieder einmal Ruderstadt. Zum Weltcup am Rotsee trifft sich nahezu alles, was in der Ruderwelt Rang und Namen hat. Am Wasser hats fast keine Parkplätze, und wenn dann ein Männer-Achter der Weltklasse mit dem öffentlichen Verkehr zwischen See und Hotel unterwegs ist, dann hats soviel Oberkörpermuskeln im Bus wie sonst nie. «Da kommen wir uns als kleine ‹Würmli› vor», sagt die 18-jährige Katja Hauser vom SC Wädenswil, die in den letzten Tagen genau wie die Stars der Szene auf dem «Göttersee» trainiert hat. Nicht für den Weltcup allerdings, sondern als Vorbereitung auf die Junioren-WM in Peking. Vom 7. bis 11. August wird der Nachwuchs dort die olympische Ruderanlage einweihen, die Boote der Schweizer Delegation sind schon seit einem Monat unterwegs Richtung China. Katja Hauser, am letzten Wochenende auf dem Rotsee erneut Schweizer Junioren-Meisterin im Skiff geworden, wird in Peking im Doppelzweier fahren, zusammen mit Lea Schläppi (18) vom Seeclub Biel. Die beiden sind, wie alle Schweizer Junioren-WM-Teilnehmer, seit Montag im Trainingslager, das bis Ende Monat dauert. Diese drei Wochen werden intensiv genutzt: Der Juniorinnen-Doppelzweier Hauser/Schläppi hat derzeit jeweils zwei Tage mit drei Trainings und dann zwei Tage mit zwei Einheiten im Programm. Wichtigstes Ziel ist, dass die Bootsbesatzung zu einem möglichst einheitlichen Ruderschlag zusammenfindet. Denn nur so kann das Boot je optimal laufen. Dazu müssen Schläppi wie Hauser beide ihre persönliche Technik ein wenig einander anpassen.Ziel A-Final Sie erhielten dabei in den letzten Tagen Unterstützung von Lea Schläppis Klubtrainerin Annemarie Howald, die das Boot beobachtet, auf Video aufnimmt und den Juniorinnen Tipps gibt. Howald betreut auch Athleten, die am Weltcup teilnehmen, und war darum in diesen Tagen am Rotsee anzutreffen. Schläppi und Hauser pendelten mit dem Zug vom Junioren-Trainingslager in Sarnen nach Luzern. Nicht ideal - aber so viele der grossteils ehrenamtlichen Trainer gibts gar nicht, dass jedes Boot ständig einen eigenen Betreuer haben könnte, wenn der Weltcup in Luzern bevorsteht und gleichzeitig der Nachwuchs im Trainingslager ist. Ziel des Juniorinnen-Doppelzweiers ist es, Hausers WM-Resultat vom letzten Jahr zu übertreffen. Das heisst A-Final, denn 2006 gewann die Wädenswilerin den B-Final zusammen mit Tamara Urech, die inzwischen dem Juniorenalter entwachsen ist. Nach den Leistungen an der SM ist man im aktuellen Doppelzweier zuversichtlich, obwohl Katja Hauser erst seit zwei Wochen wieder im Training ist. Drei Wochen musste sie pausieren nach einem Unfall auf dem Rennvelo. Ein betagter Autofahrer hatte ihr den Weg abgeschnitten. Glück im Unglück: Die Folgen des Schleudertraumas sind am Abklingen. «Wenn ich zu viel mache, bekomme ich manchmal noch Kopfschmerzen», sagt Hauser. Das Pendeln sparen konnte sich Raffael Römer vom SC Küsnacht. Er ist im Doppelzweier zusammen mit Elias Farhan (Lausanne Sports) für die Junioren-WM aufgeboten und trainiert mit dem Romand seit Montag in Sarnen, dem Leistungszentrum des Schweizerischen Ruderverbandes. Vor fünf Jahren hat er mit Rudern angefangen - «so zweimal in der Woche war ich halt auf dem Wasser. Richtig begonnen habe ich vor drei Jahren», erzählt er. Jetzt in Sarnen wird manchmal pro Tag dreimal trainiert. Harter Weg Schon der Weg zum WM-Aufgebot war hart: «Ergometertests, Langstreckentest», erwähnt Römer, «und dann die Seat Races, das konnte zehn Mal 1250 m an einem Tag bedeuten.» Bei den Seat Races lassen die Selektionäre die Athleten in verschiedenen Kombinationen zusammen rudern, um die beste Besetzung eines Boots herauszufinden - aus den zwei Besten im Einer gibts nicht zwingend den schnellsten Zweier. Die physische Basis ist vorhanden. Da sind sich Römer und Farhan sicher. Jetzt geht es um «das Feeling im Boot», erklärt Christian Stofer, der Teammanager der Schweizer Junioren-WM-Mannschaft. Erst im Verlauf des Frühlings ist der Doppelzweier Römer/Farhan formiert worden. Vor dem Trainingslager waren die beiden nur ein paar wenige Male zusammen im Boot. Drei Wochen Trainingslager haben sie jetzt Zeit, sich aufeinander abzustimmen. |