Simon Strübin, wie fühlt man sich, wenn man als Olympia-Held aus Vancouver zurückkehrt und von jubelnden Fans am Flughafen empfangen wird? Olympia-Held ist vielleicht etwas übertrieben. (schmunzelt) Die meisten Leute waren ja wegen Dario Cologna da, der Gold mit nach Hause brachte. Nicht so bescheiden, Curling-Fans waren auch viele vor Ort. Klar, es war ein tolles Gefühl, als die Schiebetür aufging und wir gemeinsam in die Ankunftshalle schritten. Die Stimmung war genial, unbeschreiblich. Und unsere Medaille ist sicher wichtig fürs Schweizer Curling, vor allem nachdem die Frauen Edelmetall verpassten (seit Curling 1998 wieder olympisch wurde, holte die Schweiz stets mindestens eine Medaille; Red.). Wen haben Sie in der Fan-Masse zuerst wahrgenommen? Ihre Frau Mirjam und Töchterchen Alisha? Nein, denen war der Trubel wohl zu gross. Und meine Eltern und Schwiegereltern, die mich in Vancouver unterstützten, flogen direkt weiter in die Ferien. Zuvorderst waren einige bekannte Gesichter aus Curling-Kreisen und einige lautstarke Kollegen von Jan Hauser. Cologna durfte in der Business-Klasse heimreisen. Zeigte sich Swiss Olympic bei Bronze-Gewinnern gleich grosszügig? Ja, und es war super. Wir konnten uns so richtig entspannen und lange schlafen. Das war nach der Medaillenfeier sicher auch nötig. Am Samstag erlebten wir einen gediegenen Abend im House of Switzerland. Zuerst dinierten wir mit Vertretern von Swiss Olympic und einigen Bekannten im oberen Stock (es gab Züri-Gschnätzlets; Red.), danach wurde unten gefeiert. So richtig die Post ging dann am Sonntag ab, nachdem die kanadischen Eishockey-Stars ins Athletendorf zurückgekehrt waren. Denen schlossen wir uns an. Gab es noch andere solche Begegnungen mit Sportgrössen? Während das Curling-Turnier lief, war kein Raum dazu. Wir waren ja nicht als «Touristen» dort, sondern Athleten mit Gold-Ambitionen. Der Sport verlangte die volle Konzentration. An besagtem Abend konnte ich mirs aber nicht verkneifen, ein Erinnerungsfoto mit Sidney Crosby zu schiessen. Haben Sie auch mit ihm gesprochen? Nur kurz? der war ziemlich in Fahrt. Unglaublich, welcher Rummel um ihn herum herrscht. Er ist Kanadas Hockey-Gott und Nationalheld. Es wimmelt geradezu von Crosby-Shirts, -Statuen etc. Bei Ihnen wird sich sicher auch noch einiges tun. Sind schon Feste geplant? Nicht sofort, soviel ich weiss. Ende März wird im Rahmen eines Plauschturniers unseres Klubs Basel Regio ein Fest steigen. Zudem wird sicher auch im Kreise der Familie noch gefeiert. Welches war für Sie der emotionalste Moment an diesen Olympischen Spielen? Da fallen mir spontan zwei ein: einerseits, als ich am Flughafen erstmals nach fast einem Monat meine Tochter, die einen Tag vor unserem Bronze-Spiel zweijährig wurde, und meine hochschwangere Frau wieder in die Arme schliessen konnte; anderseits eine Szene während eines Vorrundenspiels, als urplötzlich die ganze Halle die kanadische Nationalhymne anstimmte. Das war unglaublich. Ich hatte echt Gänsehaut. Und wie war die Medaillenzeremonie? Die war auch unbeschreiblich schön. In der Zeit zwischen unserem Sieg und der Medaillenübergabe, die nach dem Final stattfand, hatte ich stets Angst, alles nur zu träumen und plötzlich aufzuwachen. Als wir dann die Medaillen umgehängt bekamen, wurde der Erfolg greifbar. Gab es einen Moment, in dem Sie enttäuscht waren, nicht ganz zuoberst zu stehen? Klar reist man mit dem Ziel zu den Spielen, Gold zu gewinnen. Nun fühle ich mich eigentlich auch als Sieger. Bronze zu gewinnen, ist vielleicht fast spezieller als Silber, weil man das Turnier mit einem Sieg beenden kann - und die letzten Erinnerungen sind meist jene, die bleiben. Wie schwierig war es, nach dem verlorenen Halbfinal (5:7 gegen Norwegen; Red.) wieder den richtigen Fokus für den kleinen Final zu finden? Es war nicht einfach. Aber weniger wegen der Halbfinal-Niederlage. Denn dort hatten wir sehr gut gespielt und konnten uns somit nichts vorwerfen. Es war mehr die Kehrausstimmung im olympischen Dorf, die es schwierig machte, wieder die nötige Spannung aufzubauen. Während der zwei Wochen den richtigen Mix zu finden zwischen Spannung, Entspannung und Erholung, ist sowieso die grösste Herausforderung. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Leistung über das ganze Turnier gesehen? Spielerisch hatte ich Hochs und Tiefs. Ich fing gut an, hatte dann einen Durchhänger und spielte zuletzt am besten. Sehr stolz macht mich meine körperliche Leistung. Der gesteigerte Aufwand im Bereich Fitness hat sich ganz klar bezahlt gemacht. Vor Olympia sagten Sie, in Zukunft etwas kürzertreten zu wollen. Wie sehen nun Ihre Pläne aus? Während vier Jahren so hart weiterzuarbeiten, geht nicht. Jetzt hat die Familie Vorrang. Da das Qualifikations-Prozedere für Sotschi in frühestens zwei Jahren beginnt, ist vieles möglich. Das Team wird in einiger Zeit zusammensitzen und diskutieren, wie es weitergeht. Aber zuerst will ich den Erfolg setzen lassen. (schmunzelt) Dazu gabs im Flugzeug eine lustige Szene: Als der Pilot uns via Bordfunk gratulierte und schon alles Gute für 2014 wünschte, blickten Dario Cologna und ich uns erstaunt an - so nach dem Motto: «Hey, lass uns doch erst einmal das Hier und Jetzt geniessen!» |