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SPORT / Dienstag, 02. März 2010
Erinnerungen besser als Resultate
Ski alpin Andrea Dettling zieht nach ihrer ersten Olympia-Teilnahme Bilanz
Ein Diplom oder gar eine Medaille hat Andrea Dettling an ihren ersten Olympischen Spielen in Kanada nicht gewonnen. Dafür hat die 23-jährige Schwyzerin wertvolle Erfahrungen gesammelt.
David Bruderer
 
Als eine von fünf Schweizer Skifahrerinnen stand Andrea Dettling vom SC Alten-dorf in Whistler erstmals an Olympischen Spielen im Einsatz. (key)
 

In der Ankunftshalle 2 in Kloten standen andere im Scheinwerferlicht. Andrea Dettling kehrte am vergangenen Freitag durch die Hintertür aus Vancouver zurück. Die 23-jährige Altendörflerin sass zwar im selben Flieger wie Simon Ammann und Mike Schmid - allerdings nicht wie die Olympiasieger in der Business, sondern in der Economy Class. «Aber das haben sich die beiden auch redlich verdient», sagt die Skifahrerin ohne Neid.

Mit Platz 23 in der Super-Kombination, Rang 12 im Super-G und dem Ausfall im 1. Lauf des Riesenslaloms fiel Dettlings Olympia-Debüt resultatmässig nicht so aus, wie es sich die Aufsteigerin des Vorwinters vorgestellt hatte. «Es war trotzdem ein sehr schönes Erlebnis», bilanziert die Swiss-Ski-Fahrerin. Für sie ist an Kanadas Pazifikküste ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. «Ein Teil der olympischen Familie zu sein, war unglaublich schön. Die vergangenen zwei Wochen haben meine Erwartungen sogar noch übertroffen», berichtet der Olympia-Neuling begeistert.

Ammanns Siegerehrung

Mit den weltbesten Athleten Tür an Tür zu wohnen, sei schon sehr speziell gewesen, berichtet Andrea Dettling. Im olympischen Dorf stand ein grosses Essenszelt, in welchem man automatisch miteinander in Kontakt gekommen sei. «Auch wenn die ausgeübten Sportarten völlig verschieden sind, so war das Verständnis füreinander doch sehr gross», sagt das Mitglied des SC Altendorf. Denn Krisen seien bei einer Skifahrerin genauso hart wie bei einem Biathleten.

Einen Bewerb der langlaufenden Schützen verfolgte Dettling denn auch live vor Ort. Der zweite Wettkampf, dem die 23-Jährige einen Besuch abstattete, war das Zweierbob-Rennen. «Dort hatten wir mit Anschieber Christian Aebli einen fachkundigen Führer, was sehr interessant war.» Tief beeindruckt zeigte sich die Schwyzerin von der Eröffnungsfeier. Dieses Erlebnis sei nur noch von der Siegerehrung, an der Simon Ammanns seine zweite Goldmedaille erhielt, übertroffen worden. «Mit Simi habe ich richtig mitgefiebert. 2014 in Sotschi will ich diese Zeremonie unbedingt nochmals erleben - dann allerdings selbst als Medaillengewinnerin», schwärmt Dettling, die im Sommer in Einsiedeln im selben Kraftraum trainierte wie Skispringer Ammann.

Blaue Flecken

In Whistler war Andrea Dettling noch weit von einem Podestplatz entfernt. In der Abfahrt zur Super-Kombination büsste sie über zwei Sekunden auf die nachmalige Olympiasiegerin Maria Riesch (De) ein. «Die Piste war sehr anforderungsreich. Es gab kaum ein Flachstück, auf dem man sich hätte erholen können. Zudem war die Vorbereitung mit nur einem und erst noch zweigeteilten Training alles andere als optimal.»

In ihrer Paradedisziplin, dem Super-G, blieb ein Exploit aus. Weil der Schnee am Nachmittag auftaute und in der Nacht gefror, war die Piste enorm schnell. «Bei einigen Toren musste man die Linie halten, bei anderen hätte man angreifen müssen - bei mir gings leider nicht auf», bilanziert die Zwölfte, die 1,15 Sekunden auf Lindsey Vonn (USA), die Gewinnerin der Bronzemedaille, einbüsste. «Die blauen Flecken an Hand und Knie schmerzen nicht so sehr, die Enttäuschung über das Ausscheiden ist grösser», kommentiert Dettling ihren Ausfall im Riesenslalom. Der 4. Platz von Fabienne Suter habe ihr immerhin gezeigt, «dass wir Schweizerinnen nicht so weit von der Spitze weg sind, wie immer geschrieben wird». Sich in den Trainings an der Olympia-Vierten messen zu können, bezeichnet die Altendörflerin als motivierend.

Hymne für Dettling

Heute Dienstag reist Andrea Dettling ins Wallis. Crans-Montana ist die zweitletzte Station im Weltcup. Von Freitag bis Sonntag stehen je eine Super-Kombination, eine Abfahrt und ein Super-G auf dem Programm. «In der Schweiz zu fahren, ist immer megaschön», sagt die Schwyzerin, deren Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft noch nicht gesichert ist. Dafür müsste sie Platz 10, den sie momentan in der Weltcup-Startliste im Super-G innehat, verteidigen. «Unter Druck fühle ich mich deswegen jedoch nicht», sagt Dettling, «meine Gedanken gehen schon weiter.»

Das Mitglied des SC Altendorf meint damit allerdings nicht die Schweizer Meisterschaften, die Mitte März auf dem Stoos und im Hoch-Ybrig ausgetragen werden. Auch wenn sie zugibt: «Auf meiner Heimpiste im Ybrig eine Medaille zu gewinnen, wäre schon schön.» Der Blick der 23-Jährigen schweift weiter in die Ferne: «Ich habe aus Kanada viele schöne Erinnerungen in meinem Herzen mitgenommen, die mich motivieren, noch härter zu trainieren.» In Sotschi 2014 soll die Schweizer Nationalhymne für Andrea Dettling erklingen - «am liebsten nach dem Riesenslalom».

 
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