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SPORT / Freitag, 17. Juli 2009
Vorfreude auf Hawaii entwickelt
Triathlon Horgner Paarprojekt blieb am Ironman Switzerland ohne Erfolg - Hoffnung bleibt
Das Horgner Sportlerpaar Simone Benz (29) und Reto Brändli (35) hatte sich am Ironman Switzerland die Qualifikation für den Ironman auf Hawaii vorgenommen. Das Ziel erreicht hat nur sie.
Jörg Greb
 
Akten studieren und Bücher konsultieren ? Simone Benz hat ein volles Pensum an ihrem Arbeitsplatz. An eine Triathlon-Profikarriere denkt sie trotz vielversprechender Resultate nicht. (André Springer)
 

Sie zögerte, er zitterte. Mit gemischten Gefühlen reisten Simone Benz und Reto Brändli am Montag zum Awards Banquet des Ironman Switzerland im Zürcher Albisgüetli. Am Vortag war sie nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen nach 9:32:57 Stunden ins Ziel gekommen, er gar 5:42 Minuten früher. Doch während sie als Siegerin der Altersklasse W25-29 feststand und den «Hawaii-Slot» damit auf sicher hatte, belegte er in seiner Kategorie Platz 22 - bei 13 Plätzen, die zu vergeben waren. «Mit meiner Zeit hatte es in früheren Jahren locker gereicht. Doch jetzt wirds eng, da müssen viele verzichten», war er sich bewusst. Und schob nach: «Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.»

«Soll ich nun den Hawaii-Startplatz annehmen und die 620 Franken auf den Tisch blättern, auch wenn unser Paarprojekt scheitern sollte?», fragte sich Simone Benz. Sie musste sich entscheiden, sie war zuerst an der Reihe. Und sie entschied sich für Hawaii, nachdem sie letztes Jahr noch verzichtet hatte - und stattdessen an der Weltmeisterschaft des Ironman 70.3 in Clearwater an den Start ging und die Silbermedaille gewann.

Von Enttäuschung zu Vorfreude

Reto Brändli ging leer aus. «Diese Enttäuschung überwog vorerst schier die eigene Freude», sagt Simone Benz. Doch die Gefühlswelt änderte sich rasch. Eine riesige (Vor-)Freude hat begonnen sich zu entwickeln. Zumal die Hawaii-Teilnahme zu zweit noch nicht ganz abzuschreiben ist. Als weitere Qualifikationsmöglichkeit für Brändli bietet sich der Ironman 70.3 in Monaco an, der Anfang September zur Austragung kommt. «Ich klammere mich an diesen Strohhalm», sagt Simone Benz. Da entscheidet sich, ob er als Betreuer oder als Starter nach Hawaii mitreisen wird, wo am 10. Oktober der ironman ausgetragen wird..

Das Zürcher Ergebnis von Simone Benz ist herausragend. Es überrascht aber wenig. Ihr Aufstieg und ihre Fortschritte auf den langen Distanzen dieser Multisportart sind frappant. Die einstige Schwimmerin hatte jahrelang auf die Ausbildung (zur Juristin und Staatsanwältin) gesetzt. Leistungssport wurde erst vor zwei Jahren zum Thema. Ein Leistungstest beim früheren Top-Langdistanz-Triathleten Olivier Bernhard zeigte erstaunliche Möglichkeiten auf. Simone Benz begann berufsbegleitend gezielt zu trainieren. Rasch folgten die starken Resultate. Bereits letztes Jahr gewann sie in Zürich in einer Zeit von 10:04:08 Stunden ihre Altersklasse.

Aufsehen erregte sie Anfang des vergangenen Juni, als sie in Rapperswil beim Ironman 70.3 als Altersklassensiegerin schneller war als die Profi-Dritte Karin Thürig. Trotz der Möglichkeit, im Profifeld mitzutun, entschied sie sich erneut für die Altersklasse - wegen dem Hawaii-Startplatz. Als Sechste wäre sie so erneut preisgeldberechtigt (1500 Dollar) gewesen. Doch nach Hawaii wäre sie nicht gelangt.

Kaffeetrinken statt Aktenstudium

Amateurin ist Simone Benz im wahrsten Sinn. Als Staatsanwältin geht sie einer anspruchsvollen Vollzeit-Beschäftigung nach. Das zeitintensive Training geht nebenher. Zu kurz kommt vor allem die Erholung. Vor dem Ironman Switzerland allerdings ergab sich die Möglichkeit, während eines Monats an zwei Nachmittagen pro Woche frei zu nehmen. «Das hat enorm viel gebracht», sagt sie. An eine Profikarriere denkt sie nicht. Und dennoch huschte ihr die Frage durch den Kopf, was das für Vorteile bringen würde. «Kaffee trinken statt Aktenstudium. Zeit haben, damit sich das Ganze setzen kann», war ihre Antwort.

In den ersten Tagen nach diesem Ironman verspürt Simone Benz eine «sehr tiefe Dankbarkeit». Dankbarkeit gegenüber den Eltern, den Eltern von Reto Brändli, gegenüber dem Bruder, den Freundinnen oder gegenüber Coach Olivier Bernhard. Ohne deren Unterstützung hätte sie nicht reüssiert, sagt sie. Ihre Anfeuerungen habe sie alle wahrgenommen unterwegs und habe sich damit «von Kilometer zu Kilometer, von Verpflegungsposten zu Verpflegungsposten und von einem Standort meiner Freunde zum nächsten gekämpft».

Und am Schluss erfolgte das emotionalste Erlebnis des ganzen langen Rennens: der Zieleinlauf. «Dieser entschädigt für alles, und wenn du wie ich in die Arme des Freundes laufen kannst, ist dies umso schöner.» Sie konnte dies tun.

 
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