Horgen

Ausgewandert in die Heimat

Vor sechs Monaten ist Pablo Carballo aus Mexiko in die Schweiz gekommen. Der 23-jährige Rückraumspieler aus dem Schwimmclub Horgen wandelt auf den Spuren von Mutter und Grossmutter.

Hat Schweizer Wurzeln: Pablo Carballos Grossmutter wanderte einst von Bremgarten nach Mexiko aus, seine Mutter lebte 12 Jahre in Fribourg.

Hat Schweizer Wurzeln: Pablo Carballos Grossmutter wanderte einst von Bremgarten nach Mexiko aus, seine Mutter lebte 12 Jahre in Fribourg. Bild: André Springer

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«In Mexiko könnte ich nicht leben», sagt Pablo Carballo. Zuletzt merkte er das nach dem Studium. Nach sechs Jahren in Kalifornien kehrte er nach Mexiko-Stadt zurück. Seine Eltern freuten sich sehr, waren doch alle vier Kinder für die Ausbildung ins Ausland gezogen. Carballo arbeitete für den Immobilien-Berater CBRE. «Mit dem Auto brauchte ich zwei Stunden ins Büro – für 15 Kilometer.» Und der Lohn reichte nirgends hin. «In Mexiko ist alles schnell und doch langsam. Auf eine e-Mail-Antwort wartest du einen Monat.»

Geballte Kraft: Pablo Carballo setzt zum Wurf an. Bild: André Springer

Seit vergangenem Herbst wohnt der 23-Jährige in der Schweiz. Und verstärkt im Rückraum die NLA-Mannschaft des SC Horgen. Warum er Horgen wählte? «Ich habe alles einbezogen: Ob ich mir vorstellen kann, in dem Land zu leben, und ob ich dort studieren und arbeiten kann. Horgen ist eine gute Kombination. Und die Mitspieler sind intelligent.»

Auf den Spuren der Ahnen

Es ist eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Pablo Carballos Grossmutter wuchs in Bremgarten auf. Mit 24 verliebte sie sich und wanderte aus. Die Mutter, in Mexiko geboren, verbrachte zwölf Jahre in Fribourg. Pablo Carballo besuchte deshalb das Colegio Suizo de México – und spricht fliessend Deutsch. «In der Schule gab es auch ein Schwimmbad. Wie alle Kinder in Mexiko spielte ich aber zuerst Fussball.» Im Club Espana.

Dann kam der Tag, an dem das Training ausfiel, weil das Fussballfeld als Parkplatz gebraucht wurde. «Ich hatte einen Freund in der Mannschaft, der auch Wasserball spielte. Also gingen wir da hin.» Fortan war Wasserball Pablo Carballos Leidenschaft. «Auch in der Schule dachte ich nur an Wasserball.» Am Ende ging er an die University of California Irvine, um Ausbildung und Sport zu kombinieren: Drei Stunden Training am Morgen, drei Stunden Training am Abend, dazwischen Studium und Arbeit.

«Das war hart», erinnert sich Carballo. «Aber es war das ganze Jahr 25 Grad warm. So kalt wie in der Schweiz hatte ich es nie mehr als zwei Tage», schmunzelt er. Schnee sah er vor der Ankunft in der Schweiz nur ein Mal. Nach einem Monat bei einer Tante in Zufikon und einigen Wochen in Horgen wohnt Carballo inzwischen mit einem ETH-Studenten und Teamkollege Stefan Velikov in einer WG in Zürich.

Weinen in Bremgarten

Der Mexiko-Schweizer ist voller Tatendrang. Ende Januar machte er an der Fespo Werbung für Mexiko. Er hat eine Ausbildung an der Swiss Academy of Fitness & Sports absolviert. Im September wird er in Bern ein Masterstudium in Climate Science beginnen. Und er will einen Handel mit Fairtrade-Produkten aus Mexiko aufziehen. «Es ist unglaublich, was du in der Schweiz alles machen kannst», sagt Pablo Carballo. Okay, die Schweiz sei kompliziert. «Aber effizient. Und die Leute helfen dir. In Mexiko ist alles kompliziert, und niemand hilft dir.»

«Ich liebe Mexiko», sagt der Neo-Horgner trotzdem. In seinem Gesicht ist immer ein Lachen. «Wir Mexikaner sind so freundlich, weil wir das brauchen, weil wir so viel Stress haben mit Geld», erklärt er. Mexiko steckt in einer Wirtschaftskrise. Und Bremgarten? «Da war ich auch schon», schmunzelt Pablo Carballo. «Es war speziell. Weil ich von der Grossmutter so viel über den Ort gehört habe. Ich habe geweint, es war wie im Traum.» Und bald ist Carballo auch Nationalspieler: Mitte März wird er mit der Schweiz die EM-Qualifikation bestreiten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.02.2017, 15:09 Uhr

Meisterschaftsbeginn

«Nichts ist besser als gewinnen»

Am 25. und 26. Februar starten die Wasserballer aus Horgen in Genf mit Spielen gegen Basel und Genève Natation in die NLA-Meisterschaft. Pablo Carballo hat hohe Erwartungen. «Mein Ziel ist es immer zu gewinnen, denn nichts ist schöner als gewinnen.» In der Swiss Trophy hat es, trotz 14 Toren des neuen Rückraumschützen in vier Partien, noch nicht geklappt: Die Horgner scheiterten im Halbfinal an Lugano. «Aber sechs gegen sechs Spieler, das ist wie ein anderer Sport», erklärt Carballo. «Im Oktober haben die Mannschaften noch nicht trainiert, und uns fehlten wichtige Spieler. Die Swiss Trophy kannst du nicht zählen.» Richtig los geht es jetzt. (skl)

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