Rapperswil-Jona

Wenn das Handy zum Gegner wird

Letztlich gab es ein Happy End: In neuer persönlicher Bestzeit lief Armin Flückiger beim Zürich Marathon als Sechster und bester Nicht-Afrikaner ins Ziel. Der Sonntag hätte für den 26-Jährigen aus Rapperswil-Jona aber auch zum Albtraum werden können – wegen eines leeren Handy-Akkus.

Armin Flückiger beim Zieleinlauf am diesjährige Zürich Marathon. In 2:24:36 drückte er seine persönliche Bestzeit um knapp zwei Minuten.

Armin Flückiger beim Zieleinlauf am diesjährige Zürich Marathon. In 2:24:36 drückte er seine persönliche Bestzeit um knapp zwei Minuten. Bild: Keystone

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Es fehlte wenig und Armin Flückiger hätte den Wettkampf am Sonntag verpasst. Statt wie geplant um 4 Uhr wachte der für den SC Diemberg und TV Oerlikon startende Langstreckenspezialist erst um 6:40 Uhr auf – geweckt durch die ersten Sonnenstrahlen statt dem Klingeln des Weckers. Offenbar hatte sich der Akku schneller als erwartet entladen. «Zum Glück hatte ich mich entschieden, bei einem Kollegen in Zollikon zu übernachten», berichtet der 26-Jährige.

Ein Weggli im Tram

Von zuhause aus hätte es der Rapperswil-Joner nämlich nicht mehr geschafft, seine Rennverpflegung rechtzeitig bis 7.30 Uhr abzugeben. Und dann hätte er sich gleich wieder ins Bett legen können. So schaffte er es gerade noch. Das Ernährungskonzept geriet – wie generell die Rennvorbereitung – jedoch komplett durcheinander. Ein Weggli im Tram musste als Frühstück reichen. Ein Glück, hatte der Detailhandelsspezialist, der als Projektleiter bei Koch Group in Wallisellen arbeitet, zwei Reservebidons mit Gel präpariert. «Mit vier statt zwei solchen kam ich dann gerade so über die Runden.»

Die Wecker-Panne war der negative Höhepunkt einer schon zuvor suboptimalen Vorbereitung auf Zürich. Zwei Testwettkämpfe waren durchzogen verlaufen. Anlässlich eines Leistungstest wurde danach bei Flückiger ein tiefer Eisenwert festgestellt. Dieser konnte mittels Infusion korrigiert werden, doch blieben Zweifel beim in Rüeterswil oberhalb von Eschenbach aufgewachsenen Athleten bezüglich seines momentanen Leistungsvermögens.

Starke zweite Rennhälfte

Umso höher ist Flückigers Auftritt vom Sonntag einzustufen. In 2:24:36 drückte er seine persönliche Bestzeit über die 42,195 km, aufgestellt im Oktober 2016 an der Militärsport-WM in Turin, um knapp zwei Minuten. Auch in seinem vierten Marathon seit seinem Debüt 2015 in Zürich (2:32:14) gelang ihm damit eine Steigerung.

«Im Vordergrund steht für mich die Freude am Laufen.»Armin Flückiger

Einen wichtigen Beitrag zur Bestzeit leistete Tempomacher Christopher Gmür, wie Flückiger verrät. Sein ehemaliger Klubkollege im LC Rapperswil-Jona, der im Herbst seinen ersten Marathon laufen will, spendete ihm nicht nur während 26 km Windschatten, sondern «zog» ihn auch dem Fahrplan getreu (1:12:23 für die erste Hälfte) über die Strecke.

«Zu Beginn hatte ich echt Mühe. Mein Körper fühlte sich – welch Wunder – nicht richtig wach an», sagt Flückiger. Am besten habe er sich zwischen Kilometer 20 und 30 gefühlt. «Dann wurde es richtig hart, zumal ich alleine laufen musste.» Als er rund 10 km vor dem Ziel den einzigen vor ihm liegenden Schweizer Stefan Trummer überholte, gab ihm dies nochmals einen «Kick». Letztlich absolvierte einzig der Kenianer Vincent Tonui, der in 2:12:57 vor vier Landsmännern gewann, das letzte Streckenviertel schneller (34:31 gegenüber 35:53). «Ich erreichte einen so genannten Negativsplit, sprich wurde von Streckenviertel zu Streckenviertel schneller», freut sich Flückiger. Dies gelte als optimal, werde aber selten geschafft.

Vielleicht einmal eine EM

Viel Zeit zur Erholung bleibt Armin Flückiger nach den Strapazen in Zürich nicht. Nach zwei Wochen Pause rückt er nach Tenero ins Trainingscamp im Hinblick auf die diesjährige Militärsport-WM ein. Diese findet Ende Mai in Kanadas Hauptstadt Ottawa statt. Neben Flückiger werden dort mit Christoph Rüthemann, seinem Trainingskollegen im TV Oerlikon, dem Kilchberger Michael Ott sowie Patrik Wägeli drei weitere Schweizer am Start sein.

Im Herbst will Flückiger einen weiteren Marathon laufen. Am liebsten am 24. September in Berlin, auf einer der schnellsten Strecken überhaupt, oder sonst am 29. Oktober in Frankfurt. «Ich mache es davon abhängig, wie gut die Vorbereitung läuft», sagt der 26-Jährige. Im Normalfall benötigt der Aufbau auf einen Marathon hin 14 Wochen. Da er sein Saisonziel (unter 2:25:00 laufen) schon erreicht hat, peilt er für den Herbst eine Zeit unter 2:24:00 an.

Noch ein Küken im Marathon

Wohin ihn sein Potenzial künftig tragen wird, sei schwierig abzuschätzen, erklärt Flückiger. Fakt ist, dass er mit seinen 26 Jahren noch sehr jung für die Marathonstrecke ist – die besten Jahre stehen dort für gewöhnlich erst ab Dreissig an. Ein Christian Kreienbühl, mit einer Bestzeit von 2:13:57 aktuell die Nummer 2 der Schweiz im Marathon hinter dem eingebürgerten Rekordhalter Tadesse Abraham (2:06:40), sei im gleichen Alter weniger schnell gewesen, zieht Flückiger einen Vergleich. Aber das müsse nichts heissen. Und sowieso: Er sei sicher kein Wunderläufer, aber doch immer weitergekommen, in kleinen Schritten. «Ich backe kleinere Brötchen», sagt er schmunzelnd und ergänzt: «Einmal unter 2:20:00 zu laufen wäre schön. Mit der Qualifikation für eine EM (aktuell liegt die Limite bei 2:19:00; Red.) würde ein Traum in Erfüllung gehen.»

Aber er nehme es, wie es komme. «Im Vordergrund steht für mich die Freude am Laufen», betont Flückiger, der im Schnitt rund 90 Minuten pro Tag trainiert (reine Laufzeit), wobei der Umfang je nach Trainingsphase sehr unterschiedlich sein kann. Voll auf die Karte Spitzensport zu setzen, komme für ihn nicht in Frage. «Aber vielleicht reduziere ich das Arbeitspensum einmal auf 80 Prozent – wer weiss?» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.04.2017, 17:21 Uhr

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