Fussball

Zwischen Enttäuschung und Stolz

Die Weesner trauern ihrem verpassten Aufstieg in die 2. Liga interregional nach. Deshalb kann Klubpräsident Hansjörg Gutknecht mit der Saison nicht ganz zufrieden sein. Auch Mefail Emini, der Rapperswil-Jonas Reserven durch die OFV-Zweitliga-Meisterschaft führte, erwartete etwas mehr von seinem Team.

In Jona verlor Jakub Vojta (links) mit Weesen, da Dardan Morina für die FCRJ-Reserven ausglich und in der 92. Minute nachdoppelte.

In Jona verlor Jakub Vojta (links) mit Weesen, da Dardan Morina für die FCRJ-Reserven ausglich und in der 92. Minute nachdoppelte. Bild: Patrick Gutenberg

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«Ja, wir standen noch nie so gut da in der 2. Liga», sagt Hansjörg Gutknecht. Der FC Weesen hat sich in der am letzten Samstag in der Gruppe 1 des OFV beendeten Spielzeit 2017/18 im Vergleich zur Vorsaison wieder gesteigert. Mit 47 Punkten holten die Gaster­länder einen Zähler mehr, und ihr Torverhältnis wurde viel besser (68:30 gegenüber 48:25 in der Saison 2015/16). Sie handelten sich aller­dings mit 65 Strafpunkten deren 19 mehr ein. «Ihre Verteilung ist aber manchmal fragwürdig», gibt Vereinspräsident Gutknecht zu bedenken. Er ist zwar stolz auf die ansehnliche Saisonbilanz des FCW, kann gleichzeitig seine Enttäuschung jedoch nicht verbergen.

Denn die Krönung blieb dem Klub vom Walensee zum zweiten Mal in Folge verwehrt. Erneut fehlten den Weesnern vier ­Punkte für den Sprung in die 2. Liga interregional. «Wir sind mit grossen Aufstiegshoffnungen in die Meisterschaft gestiegen, erreichten unser Ziel aber nicht», seufzt Gutknecht.

Verhaltener Saisonstart

Die 1:2-Niederlage in Montlingen sechs Runden vor Schluss war letztlich ausschlaggebend. «Nach dem Hinspiel verloren wir auch auswärts völlig unnötig», blickt das Vereinsoberhaupt auf jenen schwarzen Sonntag zurück. ­Zudem sei die Mannschaft auch zu Saisonbeginn nicht optimal aufgetreten. Auf das 1:1 bei Buchs, welches letztlich das Aufstiegsrennen gewann, und dem3:1-Heimsieg über Widnau hatte eine bittere Pleite in Jona gegen die FCRJ-Reserven (das 1:2 war tief in der Nachspielzeit gefallen) gefolgt. Und danach war der FCW daheim nicht über ein 2:2 gegen Mels hinaus gekommen.

«Die Mannschaft zeigte zwar auch hervorragende Spiele, doch zwischendurch war sie plötzlich komplett von der Rolle.» Für ­Gutknecht sind diese Hochs und Tiefs unverständlich. «Nach der Niederlage in Montlingen habe ich gewusst, dass wir nicht aufsteigen», ergänzt er verbittert.

Neue Impulse nach vier Jahren

Eine Klasse höher anzutreten, das wäre für den FCW eine Sensation. «Andere Klubs sind grösser als unser Dorfverein, haben nicht so ein bescheidenes Budget und einen derart dünn gesäten Nachwuchs wie wir», fügt der Präsident an. Auf die kommende ­Saison hin werden zwei eigene Junioren ins Fanion­team inte­griert. «Ansonsten bleibt die 1. Mannschaft wohl zusammen», verrät Gutknecht. Definitiv verlässt die Gasterländer einzig Mittelfeldakteur Petr Slajs, zusammen mit Trainer Vaclav Pechoucek. «Weil beide in Bonstetten wohnen und jeweils gemeinsam zu uns gefahren sind.»

Anfang April entschied der FCW-Vorstand, den Vertrag mit Coach Pechoucek nach vier erfolgreichen Saisons nicht mehr zu verlängern. «Wären wir mit ihm aufgestiegen, hätte dies seiner künftigen Laufbahn sicher noch zusätzlich Schub verliehen. Und nun drängt sich ein Trainerwechsel für neue Impulse sowieso auf», erklärt Gutknecht.

«Optimale Voraussetzungen»

Letztes Wochenende wurde Pechoucek auf dem Weesner Moos ehrenvoll verabschiedet und als Dank für sein langjähriges Engagement zum Essen eingeladen. Der 38-jährige Tscheche hat den Frust über den verpassten Aufstieg verdaut. «So ist Fussball halt», sagt er und blickt mit Stolz auf seine Errun­genschaften zurück. «Wir weisen eine super Bilanz aus und waren stets konstant.» Vielleicht gönnt sich Pechoucek eine Fussball-Pause. Die Geburt seiner Tochter – sie kommt heute Mittwoch mittels Kaiserschnitt zur Welt – hat für ihn zurzeit Vorrang.

Hansjörg Gutknecht ist überzeugt, dass die Voraussetzungen mit Philipp Egli als neuem Trainer optimal sind, um in der nächsten Saison wieder ganz vorne mitzuspielen. «Er hat viel Erfahrung, kennt als langjähriges Vereinsmitglied die Region bestens und ist ein guter Kommunikator.» In der vergangenen Saison trai­nierte Egli im FCW die 2. Mannschaft. «Offensiv haben wir eine starke Truppe, müssen jetzt aber noch die Verteidigung stärken – und dann greifen wir erneut an», gibt sich der Präsident kämpferisch. Am 3. Juli beginnt die Vorbereitung für die Saison 2017/18.

FCRJ 2 durchs Band besser

Beim lokalen Gruppenkonkur­renten, der 2. Mannschaft des FC Rapperswil-Jona, erfolgt ebenfalls eine Trainerrochade. André «Bigi» Meier löst Mefail Emini ab. Letzterer verlässt den Klub nach einem Jahr. «Als Leiter Finanzen & Controlling im Justizamt des Kantons Zürich muss ich den Fussball vorerst zurückstellen», begründet der 32-Jährige.

Er schaffte mit den FCRJ-Reserven den Ligaerhalt und erfüllte somit die Saisonvorgabe. Die Rosenstädter erkämpften sich zwei Zähler mehr als in der vorhergehenden Spielzeit (25 Pkt.), verbesserten ihr Torverhältnis von 32:47 auf 37:39 und senkten ihre Strafpunkte massiv (67 gegenüber 101). Sie beendeten die Meisterschaft im Vorjahr als Neunte und diesmal auf Rang 8. «So habe ich das in etwa erwartet», sagt Emini.

Aufstieg bald auch ein Thema

Ganz zufrieden ist der schei­dende Coach dennoch nicht. «Von der Rückrunde hatte ich mir mehr erhofft», sagt er. Doch sein Team beklagte viele Langzeitverletzte, und etliche Spieler leisteten Doppeleinsätze, da sie auch für die A-Junioren aufliefen. «Die Jungen haben sich aber erfreulich entwickelt», betont Emini. «Und wir hatten nie etwas mit dem Abstiegskampf zu tun.»

Auch für den neuen Trainer hat die Talentförderung oberste Priorität. Die 2. Mannschaft wird laut FCRJ-Sportchef Arben Gojani neu zusammengestellt. Und mittelfristig werde der Aufstieg in die 2. Liga interregional angestrebt, um das Gefälle zum Fanionteam zu verringern. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.06.2017, 10:00 Uhr

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