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RATGEBER
 
Gemeinsam geht?s leichter
vom 12.07.10
Tabitha Gassner*
 

Ramadis schwarze Augen leuchten, ein verschmitztes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Die kleine energische Frau war nicht immer so selbstbewusst. Wenn sie von ihren ersten Jahren in der Schweiz erzählt, werden ihre Gesichtszüge hart und ihr Blick traurig. «Ich habe mich sehr einsam gefühlt. Es ist schwierig, ein Kind in der Fremde zu erziehen. Wie kann ich mein Kind in der Schule unterstützen? Wie bringe ich Familie und Beruf unter einen Hut? Ich hatte tausend Fragen, keine Freunde oder Verwandte, nur meine Sorgen und Ängste als Mutter.»

Viele Migrantinnen fühlen sich in der hiesigen Gesellschaft unsicher und leben sozial isoliert. In ihren Herkunftsländern hilft die Gemeinschaft oder Grossfamilie beim Erziehen der Kinder mit. Hier sind die Frauen oft auf sich allein gestellt. Sprachbarrieren, fehlende Informationen, Ängste und Hemmungen hindern sie daran, gängige Elternveranstaltungen zu besuchen.

Das Projekt «FemmesTische» ist ein möglicher Weg aus dieser Isolation. Der Samowar bildet Migrantinnen zu Moderatorinnen aus, die private Gesprächsrunden zu Erziehungsthemen organisieren. Thematisiert wird, was interessiert. Fragen aus dem Familienalltag. Fragen, wie sie sich Ramadi stellte. Das Konzept ist einfach und äusserst wirksam.

Die Moderatorin erteilt keine Ratschläge, liefert weder Lösungen noch Rezepte. Sie leitet die Diskussion und verweist bei Bedarf auf Fachstellen. Erfahrungswissen steht vor Expertenmeinung. Die Migrantinnen tauschen Lösungsvorschläge und Tipps aus, denken und fühlen mit. Sie knüpfen an den Treffen Kontakte und gewinnen an Selbstbewusstsein. So auch Ramadi. Motiviert durch die Treffen von «FemmesTische», hat sie damals einen Deutschkurs besucht. Heute, 15 Jahre später, hat sie ihre Ausbildung zur Übersetzerin und Kulturvermittlerin abgeschlossen.

Kinder erziehen ist eine schöne, aber schwierige Aufgabe. Es tut gut, Erziehungsfragen mit anderen Eltern zu besprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Es erleichtert zu erkennen, dass andere mit ähnlichen Problemen kämpfen. Und häufig eröffnen Fragen und Ansichten anderer Eltern neue Perspektiven.

 
* Tabitha Gassner, Samowar, Suchtprävention Bezirk Meilen, Telefon 044 924 40 10, E-Mail: gassner@samowar.ch . Infos: www.samowar.ch . Infos zum Projekt «FemmesTische»: www.femmestische.ch .
 



 
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