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RATGEBER
 
Chlamydiose
vom 23.08.10
Felizian Kuster*
 

Der Taubenzüchter leidet seit einiger Zeit an einer asthmaartigen Bronchitis und möchte abklären, ob er sich bei seinen Brieftauben eine ansteckende Krankheit zugezogen hat. Der Tierarzt erkundigt sich, ob der Halter bei seinen Vögeln vermehrt Gefiedersträuben, Abmagerung, Augen- und Nasenausfluss, Atemgeräusche oder Durchfall beobachtet habe. Doch keines dieser Symptome wurde in letzter Zeit festgestellt; auch gehäufte Todesfälle traten nicht auf. Eine klinisch manifeste Ornithose (Psittakose/Chlamydiose) liegt deshalb nicht vor.

Diese bakterielle Infektionskrankheit, verursacht durch Chlamydophila psittaci, wurde 1892 erstmals in Paris als Zooanthroponose erkannt. Damals kam es nach Importen von Papageien (Psittaciden) aus Südamerika zu vielen menschlichen Krankheits- und Todesfällen. Die Krankheit wurde Psittakose genannt.

Man fand den Erreger nicht nur bei Papageien, sondern auch beim Nutzgeflügel wie Tauben, Puten, Wachteln oder Gänsen. Zudem wurde er bisher bei 460 Wildvogelarten nachgewiesen; so waren 32 Prozent der beprobten Greifvögel und 50 Prozent der Meisen Träger. Hier heisst die Krankheit Ornithose. Die meisten Vögel, die Chlamydophila beherbergen, zeigen keine Symptome, scheiden aber Bakterien über Nasensekret und Kot aus. Atmet der Mensch kontaminierte Aerosoltröpfchen und Staubpartikel ein, besiedelt der Erreger die Lungenschleimhäute und löst grippeähnlich Kopf- schmerzen, Fieber, Atembeschwerden und Herzentzündungen aus.

Beim Taubenzüchter, der an chronischer Bronchitis leidet, wird wegen des täglichen nahen Kontaktes mit seinen Tieren eine aviäre Chlamydiose - die heutige Bezeichnung der Krankheit - vermutet. Der Tierarzt hat deshalb die Aufgabe, bei einigen zufällig ausgewählten Tauben Proben zu entnehmen. Der Züchter ergreift geübt ein Tier. Mit einem trockenen Wattetupfer wird zuerst ein Bindehaut- und ein Rachenabstrich vorgenommen. Nach dem Wenden des Vogels wird der Tupfer noch in die Kloake (gemeinsamer Ausgang der Harn- und Geschlechtswege und des Enddarms bei Vögeln und Reptilien) eingeführt. Diese Dreifachtupfer-Probe wird in ein steriles Röhrchen mit Spezialmedium gegeben und ins Labor gesandt. Da Chlamydophila-Arten im Gegensatz zu anderen Bakterien sich nur in lebenden Zellen vermehren, können sie schlecht angezüchtet und müssen daher durch die PCR (Polymerase Chain Reaction) nachgewiesen werden. Nach einigen Tagen besteht Gewissheit, dass die Tauben von Chlamydophila frei sind. Das Leiden des Halters ist deshalb eher eine asthmatische Erkrankung und keine meldepflichtige Zoonose.

 
*Felizian Kuster ist Tierarzt und führt seit über 25 Jahren eine eigene Tierarztpraxis.
 



 
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