Bayern

Tief durchatmen in der Bergwelt

Steil gehts rauf und ebenso steil wieder runter. Wer sich in Garmisch-Partenkirchen von anstrengenden Wanderungen erholen will, findet im und um den Ort aber auch Ruhe und Musse – es sei denn, beim Yoga auf der Alm fällt gerade ein Baum um.

Höher gehts in Deutschland nicht hinaus: Die Zugspitze, höchster Gipfel des Landes, ist das Markenzeichen von Garmisch-Partenkirchen.

Höher gehts in Deutschland nicht hinaus: Die Zugspitze, höchster Gipfel des Landes, ist das Markenzeichen von Garmisch-Partenkirchen. Bild: Michel Wenzler

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Die Ruhe findet ein jähes Ende. Zuerst ertönt ein ausgedehntes Knirschen, es klingt wie zerberstendes Holz. Dann macht es laut «wusch», und fast alle auf den Matten strecken verwundert ihren Kopf in die Höhe. «Das war ein Baum», sagt Christian, der Yogalehrer, seelenruhig. Als wäre es normal, dass beim Yoga ein morscher Stamm nachgibt und mit Getöse zu Boden geht. Aber wir befinden uns eben nicht in einem geschlossenen Raum in einem städtischen Yoga-Center, sondern mitten in der Natur. Es ist frühmorgens auf der Kochelbergalm.

Das Gras ist feucht. Die Sonne taucht Wiesen und Wälder in ein gelbliches Licht, am Himmel verblasst langsam der Mond, ein paar Vögel zwitschern. Im Dorf unten sind die Sirenen einer Ambulanz zu hören. Ansonsten ist es ruhig. Daran hat selbst der Baum, dessen Wurzeln nachgegeben haben, nur kurz etwas geändert. Er ist weit unter uns niedergegangen, zu sehen ist er nicht, und es ist wieder still.

Anweisungen mit sanfter Stimme

Also geht es weiter mit Yoga. Christian gibt mit sanfter Stimme Anweisungen – so leise, dass er fast nicht zu hören ist und man nicht versteht, was man tun soll. Aber es ist auch entspannend, nur auf der Matte zu liegen und in die Natur hinauszuhorchen.

Als wir uns für die nächsten Übungen aufrichten, ist Christians Stimme deutLinklicher zu hören. Jetzt kommen die müden Knochen nicht darum herum, mitzumachen. Einatmen, ausatmen – ja, die kurze Lektion auf dem Berg hat auch für jene etwas Beruhigendes, die mit Yoga bislang nicht viel am Hut hatten.

Vorsicht, Fettnäpfchen!

Christian arbeitet für das Hotel Staudacherhof, ein Familienunternehmen, das auf der Kochelbergalm ein kleines Heustadl besitzt und auf der Alm Yoga-Stunden anbietet. Yoga auf dem Berg – auch Wanderyoga genannt – soll in Garmisch-Partenkirchen gesundheitsbewusste Gäste abholen. Auch die Zugspitzbahn führt es im Angebot, auf der Bergstation des Wank.

Dieser ist einer der vielen Hausberge des Doppelorts mit knapp 29 000 Einwohnern. Eigentlich gehört er ja in erster Linie zu Partenkirchen. Man muss hier vorsichtig sein: Garmischer und Partenkirchner, heisst es, verstünden sich nicht so recht. Seit jeher. Die beiden Orte wurden mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 1936 zwangsverheiratet.

Angeblich hat Hitler den beiden Bürgermeistern mit dem damaligen Häftlings- und späterem Konzentrationslager Dachau gedroht, wenn sie sich nicht endlich zusammenraufen würden. Das beschleunigte die Fusion erheblich.

Rivalität ist nicht verschwunden

Die Rivalität zwischen den beiden Ortsteilen ist aber nicht verschwunden. Es gibt dazu viele Anekdoten. Eine, die tatsächlich stimmen soll, ist Folgende: Ein Partenkirchner hat mit seinem Velo einen Platten. Ein Garmischer bietet ihm seine Luftpumpe an. Da sagt der Partenkirchner: «Du glaubst doch nicht, dass ich Garmischer Luft in meinen Reifen pumpe?» – Tief durchatmen wie beim Yoga auf der Kochelbergalm wäre wahrscheinlich besser als viel heisse Luft um eine Velopumpe zu machen.

Denn nur schon um des Tourismus Willen muss man zusammenarbeiten. Gemeinsam überlegen sich die Einheimischen denn auch immer wieder etwas Neues für die Besucher.

Kulisse für alles Mögliche

Die Zeiten, als den Feriengästen die Berge zum Wandern genügen mussten, sind vorbei. Heute dient die Bergwelt als Kulisse für alles Mögliche, beispielsweise eben für Yoga – in Garmisch-Partenkirchen ist das nicht anders als irgendwo in der Schweiz.

So gibt es auf dem Wank seit Kurzem ein Bergfestival. Das hat sich insbesondere bei jungen Leuten herumgesprochen. Im August, wenn es stattfindet, strömen Hunderte auf den Berg. Einige meistern die über 1000 Höhenmeter zu Fuss – bald gehts mit hochrotem Kopf durch Nadelwälder und über Wiesen mit Silberdisteln und Kuhfladen. Tief einatmen und ausatmen, heisst es dann oben, denn man gerät beim Aufstieg ausser Puste. Musik auf dem Berg

Viele mögen es bequemer und nehmen die Seilbahn auf den 1780 Meter hohen Wank. Dort werden sie dann mit bayrisch-alpenländischer Musik beschallt, sobald sie aus der Kabine aussteigen.

Junge Bands verbinden traditionelle Klänge und Rhythmen mit moderner, lüpfiger Musik, die auch ganz gut in die Skihütte passen würde und hier oben vor der richtigen Kulisse ertönt. Unten im Tal möchte man sie dann vielleicht lieber nicht mehr hören.

Höchster deutscher Biergarten

Der Wank ist vor allem unter Einheimischen ein beliebter Ausflugsberg. Für Besucher, die von weiter herkommen, gibt es aber im wahrsten Sinne des Wortes Höheres: die Zugspitze, mit knapp 3000 Metern der höchste Berg Deutschlands und die wichtigste Sehenswürdigkeit des Ferienorts. Der Gipfel gehört übrigens, um auch das noch klargestellt zu haben, zu Partenkirchen, auch wenn er sich näher bei Garmisch befindet.

Die hochalpine Zugspitze unterscheidet sich markant vom grünen Wank und der von Wäldern umgebenen Kochelbergalm. Bis in den Herbst prägen blanker Fels und Stein das Panorama, dazwischen liegen ein paar spärliche Schneereste sowie schwindende Gletscherfelder.

Acht Stunden würden der Aufstieg dauern

Während der Wandersaison kann man zu Fuss hoch, doch das tun die wenigsten. Acht Stunden dauert der Aufstieg, einige Passagen führen über Klettersteige. Die meisten Besucher kommen mit der Zahnradbahn aus Garmisch hierher oder mit einer der beiden Seilbahnen vom benachbarten Grainau und dem österreichischen Ehrwald. Von der Bahn gelangen sie direkt in den höchsten Biergarten Deutschlands. Auch der höchstgelegene Souvenirshop sowie der höchste Briefkasten der Deutschen Post sind hier zu finden – und die derzeit höchste Baustelle des Landes.

Denn die Zugspitzbahn ersetzt die über 50-jährige Seilbahn, die zum Eibsee in Grainau hinunterführt. Steil geht es runter, den erstel Teil der Strecke fast senkrecht. Das ist nichts für Leute mit Höhenangst. Erst recht nicht mehr, wenn die neue Bahn Ende 2017 in Betrieb geht – mit einer, abgesehen vom Boden, rundumverglasten Seilbahnkabine. Dann heisst es vor der Fahrt: Einatmen. Und langsam ausatmen.


Diese Reise wurde ermöglich durch Tourismus Garmisch-Partenkirchen (www.gapa.de). (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 02.02.2017, 18:15 Uhr

Garmisch-Partenkirchen

Hommage an Michael Ende

Der Ferienort Garmisch-Partenkirchen wirbt nicht nur mit einer eindrücklichen Bergkulisse, sondern auch mit seinem berühmtesten Sohn – und neuerdings mit bayrischem Handwerk.

Die Berge und insbesondere die Zugspitze sind das Hauptkapital von Garmisch-Partenkirchen. Doch der Ferienort versucht auch mit anderen Attraktionen, Feriengäste anzulocken, etwa mit Anlässen wie dem Kultursommer mit Musik, Cabaret und Theater. Fester Bestandteil davon war in den vergangenen Jahren jeweils die Michael-Ende-Woche – eine Hommage an den wohl berühmtesten Sohn von Garmisch-Partenkirchen.

Der Autor von «Momo», «Die unendliche Geschichte», «Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer» und zahlreicher weiterer Kinderbücher kam 1929 in Garmisch zur Welt. Seine Figuren haben manchen, der heute erwachsen ist, beim Grosswerden begleitet. Der Autor kritisierte in seinen Büchern spielerisch die moderne Gesellschaft, in «Momo» etwa das hektische Leben der Erwachsenen, die unter ständigem Druck stehen, Zeit zu sparen.

Rückbesinnung in der Not

Der Ferienort pflegt aber nicht nur das Andenken an den Schriftsteller, sondern auch das Handwerk – altes wie neues. Das geschah zum Teil aus der Not heraus. Insbesondere das historische Zentrum von Partenkirchen verwaiste in den vergangenen Jahren. Viele Geschäfte in der Ludwigstrasse standen leer, das kommerzielle Zentrum konzentrierte sich auf Garmisch.

Gewerbetreibende haben nun eine Initiative gestartet, um neue Geschäfte und Werkstätten in die Ludwigstrasse zu holen, die bisherigen zu stärken und mehr Kundschaft anzulocken. Rund 40 Geschäfte haben sich zu den «Lebendigen Werkstätten» zusammengeschlossen.

Sie geben zu bestimmten Einblick in ihre Produktion: Der Chocolatier «Amelie» etwa, der sogar Schokoladeseminare veranstaltet, oder die Skimanufaktur «Build2Ride», in der Kunden unter fachkundiger Betreuung ihre eigenen Skis oder ihr eigenes Bike bauen können. Auch Besuche beim Seifenhersteller, Geigenbauer, Bäcker und in zahlreichen anderen Läden sind möglich. Mit dieser Initiative versuchen die Initianten, das Handwerk im Ort zu erhalten und der Zeit zu trotzen – ähnlich wie das Mädchen Momo in Michael Endes Roman. Michel Wenzler

Garmisch-Partenkirchen

Tipps und Informationen

Anreise: Garmisch-Partenkirchen liegt im Süden von Bayern, rund 90 Kilometer südlich von München und 55 Kilometer nördlich des österreichischen Innsbruck. Anreise ab Zürich mit dem Zug via Innsbruck in ca. 5 ½ Stunden, mit dem Auto via Bregenz und Kempten oder via Feldkirch und Landeck in ca. 3 ½ Stunden.

Allgemeine Informationen:
Tourismus Garmisch-Parten-kirchen: www.gapa.de
Bayrische Zugspitzbahn: www.zugspitze.de
Tiroler Zugspitzbahn: www.zugspitze.at

Kultur
Kultursommer: www.kultursommer-gapa.de
Bergfestival am Wank: wird jeweils auf www.zugspitze.de angekündigt.

Lebendige Werkstätten
www.partenkirchen-erleben.de/lebendige-werkstatt.php
Chocolaterie Amelie: www.chocolaterie-gap.de
Bäckerei Krätz: www.baeckerei-kraetz.de
Ski- und Bikemanufaktur Build2Ride: www.build2ride.de
Seifensieder: www.dieseifensieder.de
Geigenbauer: www.geigenbau-grill.de

Yoga am Berg
Hotel Staudacherhof: www.staudacherhof.de
Bayrische Zugspitzbahn: www.zugspitze.demiw

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