Jona

«Pony M. ist die pointierte Seite von mir»

Als «Pony M.» hat Kolumnistin Yonni Meyer (34) auf Facebook rund 55 000 Fans. Vor ihrer Lesung im Joner ZAK spricht sie über die Gesichter hinter den «Likes», Drohungen und Fans, die sich ein Kind von ihr wünschen.

Ihre Kolumnen begeistern tausende Leser: Yonni Meyer aus Zürich ist am Samstag zu Gast im Joner ZAK.

Ihre Kolumnen begeistern tausende Leser: Yonni Meyer aus Zürich ist am Samstag zu Gast im Joner ZAK. Bild: zvg

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Sie waren vor rund einem Jahr das erste Mal zu Gast im ZAK in Jona. Inzwischen sind Sie regelmässig für Lesungen unterwegs. Gehen Sie heute routinierter auf die Bühne?
Yonni Meyer: Ich bin natürlich lockerer geworden, weil ich mehr Übung habe. Zudem haben meine Lesungen mehr Comedy-Anteil bekommen: Ich unterbreche das Lesen meiner Kolumnen immer wieder mal, schildere eine Anekdote, mache zwischendurch einen dummen Spruch und unterhalte mich mit dem Publikum – das geschieht aber alles spontan, das plane ich nicht. Grundsätzlich ist es immer noch eine Lesung – diesmal aus meinem zweiten Buch «Meh Liebi».

Ihre Kolumnen sind pointiert und unterhaltsam geschrieben – funktionieren die Pointen vor Publikum anders?
Ich glaube, es istschon etwas anderes, wenn man einen Text vorgetragen bekommt, mit entsprechender Mimik und Gestik. Dass die Leute an einer bestimmten Stelle mehr oder weniger lachen, als ich es erwartet hätte, habe ich bisher allerdings nicht erlebt. Lesungen gehören übrigens mit Abstand zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich mag das Unmittelbare: Zu sehen, wie die ganze erste Reihe mitlacht oder mit dem Taschentuch da sitzt, das ist etwas extrem Bereicherndes.

Ihre Kolumnen auf Facebook schreiben Sie unter dem Pseudonym Pony M. Wie ist das auf der Bühne – wie viel ist Yonni Meyer, wie viel Pony M.?
Pony M. ist keine Figur, die von mir losgelöst ist. Pony M., das bin eigentlich ich. Ich glaube, es ist Teil meines Erfolges, dass ich ziemlich authentisch bin. Man kann sagen: Alles an Pony M. ist auch Yonni Meyer, aber nicht alles an Yonni ist Pony M., weil Yonni auch ruhigere Seiten hat. Pony M. ist sozusagen die pointierte Seite von mir.

Nebst den Lesungen kann man Sie auch als Comedienne erleben. Stand-Up-Comedy wird nachgesagt, es sei der härteste Bühnenjob der Welt.
Da ist in der Tat etwas dran: Stand-Up-Comedy empfinde ich als die Königsdisziplin von dem, was ich bisher auf der Bühne gemacht habe – also Lesungen und früher auch Gesang in Chören, Ensembles und einer Band. Bei Lesungen ist der rote Faden vorgegeben ­– nicht so bei der Comedy. Du hast dein Mikrofon und dann heisst es «off you go». Hinzu kommt: Bei der Comedy brauchst du von den Zuschauern eine einzige emotionale Reaktion: das Lachen. Wenn ich aus meinen Kolumnen vorlese, habe ich lustige Texte, solche die zum Nachdenken anregen, schöne und traurige – das ganze Gefühlsspektrum. Comedy hingegen ist «laugh or die».

Das klingt nach einer echten Herausforderung.
Das ist es. Ich habe jedoch den Vorteil, dass mich viele Zuschauer bereits von meinen Pony M. -Facebook-Kolumnen kennen. Die Leute, die an meine Auftritte kommen, sind keine kritischen Comedybesucher, die mich als Newcomer taxieren und von der Bühne buhen. Sie wissen, welchen Stil und Humor ich habe und welche Themen ich aufgreife. Viele finden es auch einfach «lässig», mich einmal zu sehen.

Das gilt wohl auch umgekehrt? Ihre rund 55 000 Facebook-Fans kennen Sie sonst ja vorwiegend durch Kommentare und «Likes».
Natürlich, es ist sehr schön, wenn die «Likes» durch das Publikum ein Gesicht bekommen. Ein Teil dieser 55 000 Leser kennt mich auch schon länger, seit meinen allerersten Kolumnen. Dadurch ist eine Bindung entstanden; für manche bin ich wohl so etwas wie eine Kollegin geworden. Das Ganze hat jedoch zwei Seiten.

Inwiefern?
Es ist unglaublich schön, wenn Leute mir schreiben, dass ich ihnen aus der Seele spreche oder sie sich in meinen Texten wiedererkennen. Manchmal bekomme ich aber auch sehr persönliche Zuschriften wo gewissermassen die gesunde Distanz fehlt. Zum Beispiel fragte mich einst eine junge Frau, ob ich für ihre Hochzeit ein Gedicht schreiben und vortragen würde, natürlich gratis. Da musste ich mich distanzieren – mal abgesehen davon, dass ich kaum Zeit für 55 000 Hochzeiten hätte (lacht).

Sie schreiben in Ihren Kolumnen über skurrile Dates, schmerzhafte Trennungen und über Ihre Depressionen. Wie viel Privates geben Sie preis?
Nicht sehr viel – obwohl viele das Gefühl haben, mich zu kennen. Ich gebe nur so viel preis, wie ich möchte. Ich schreibe gern über Themen, die alle beschäftigen, aber Details zu meinem Privatleben kennt eigentlich niemand, und das möchte ich auch nicht. Vielleicht liegt es an der kollegialen Sprache, in der ich schreibe – offenbar erweckt dies den Eindruck, ich breite mein komplettes Privatleben aus. Doch das stimmt so nicht. Über mein Privatleben weiss man höchstens, dass ich Single bin. Und dass ich seit kurzem einen Schrebergarten habe (lacht).

Sie äussern sich auch immer wieder zu politischen Themen. Besonders viele Leser erreichte ihre Kritik an der Durchsetzungsinitiative der SVP. Inwiefern fühlen Sie sich verpflichtet, die Reichweite zu nutzen, die Sie über Facebook erhalten haben?
Bei der Abstimmung zur Durchsetzungsinitiative fand ich einfach: Jetzt ist nicht die Zeit, um still zu sein. Der Beitrag hat etwa eine Million Leute erreicht, was extrem viel ist für meine Verhältnisse. Das Ganze hatte aber auch ein Nachspiel: Ich bekam Drohungen, man möge mich vergewaltigen oder umbringen. Trotzdem habe ich zu keinem Moment in Frage gestellt, das Thema aufzugreifen.

Welches sind andere, schöne Leserreaktionen, an die Sie gern zurückdenken?
Was mich immer sehr freut, ist wenn Leser sagen: Ich bin eigentlich komplett anderer Meinung, aber ich finde, das hast du gut geschrieben. Ich finde Vermitteln etwas sehr Spannendes. Auch wenn ich dabei manchmal von beiden Seiten – häufig Mann-Frau, Rechts-Links – «eins aufs Dach bekomme».

Und zuletzt: Eine besonders schräge Reaktion? Sie sagten mal, «es ist mir schon ein wenig unangenehm, wenn einer aus einem fahrenden Auto schreit, er wolle ein Kind von mir.»
(Lacht). Das ist mir tatsächlich passiert – aber das ist ein Extrembeispiel. Ich glaube, der Gute war nicht mehr ganz Herr seiner Sinne. Ich hätte ihm wohl hinterherrennen und zurufen sollen: «Okay!» Wahrscheinlich wäre er schneller weg gewesen, als das Auto hätte fahren können.

Die Lesung «Meh Liebi» mit Yonni Meyer am Samstag, 20.30 Uhr im Joner ZAK ist ausverkauft. Ihre nächste Lesung ist am 25. Mai in der Barfussbar Zürich (20.30Uhr). Der Eintritt ist gratis, die Lesung dauert rund eine Stunde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.05.2016, 17:32 Uhr

Zur Person

Yonni Meyer

Yonni Meyer (34) wuchs im Zürcher Weinland auf. Als studierte Psychologin war sie lange in der Humorforschung tätig. Im Sommer 2013 begann sie, auf Facebook als Pony M. Kolumnen zu veröffentlichen. Heute hat sie rund 55 000 Anhänger und zwei Bücher mit Kolumnen und Gedichten («Vill Liebi», 2014, «Meh Liebi», 2015) veröffentlicht. Seit 2014 ist Yonni Meyer als selbstständige Schreibende unter anderem beim Newsportal Watson tätig. Seit 2015 ist sie als Stand-Up-Comedienne aktiv. Yonni Meyer lebt in Zürich. (rkr)

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