Uznach/Schmerikon

Der Fusionszug ist abgefahren

Mit dem deutlichen Nein aus Schmerikon sei eine «Heirat» zwischen Uznach und Schmerikon für lange Zeit vom Tisch – so der Tenor in den beiden Gemeinden. Trotzdem will Schmerikon jetzt erst recht auf Uznach zugehen.

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Die Hoffnung starb bei Erwin ­Camenisch zuletzt: Ein Nein aus Schmerikon sei zwar leider zu erwarten gewesen, sagte der Uzner Gemeindepräsident (SP) am gestrigen Abstimmungssonntag zur gescheiterten Fusion von Uznach und Schmerikon. «Mit der Nein-Empfehlung des Schmerkner Gemeinderates wurde es fast unmöglich, eine Fusion herbeizuführen», erklärt er. Dennoch habe er bis zuletzt gehofft: Gehofft, dass sich die Bürger in Schmerikon für eine Fusion mit Uznach aussprechen und die Gemeinden künftig gemeinsam in die Zukunft gehen. Er bedaure den Ausgang der Abstimmung, sagte Camenisch. «Wir haben eine grosse Chance verpasst.» Dennoch weiss er dem Resultat auch Positives abzugewinnen: Dass knapp 20 Prozent aller Schmerkner Stimmberechtigten – und somit fast jeder fünfte Schmerkner – sich entgegen dem Antrag des Gemeinderates eine Fusion mit Uznach hätten vorstellen können, sei als gutes Resultat zu werten. Auch über die 67 Prozent Ja-Stimmen aus Uznach ist Camenisch sehr erfreut.

Eine breite Palette an Gegenargumenten

Erfreut zeigte sich gestern der Schmerkner Gemeindepräsident Félix Brunschwiler (parteilos). Er sei allerdings überrascht, dass das Nein derart deutlich ausgefallen sei. «Wenn man sich zuvor im Dorf umgehört hat, musste man fast davon ausgehen, dass 90 Prozent der Bürger ein Nein in die Urne legen würden», sagt er. Doch was diejenigen stimmen würden, die sich nicht öffentlich zum ­Projekt äusserten, das sei stets schwierig einzuschätzen gewesen. Aus seiner Sicht ist es die breite Palette an Gegenargumenten, welche die Schmerkner dazu bewog, die Fusion abzulehnen. Nein-Argumente gebe es fast so viele wie Stimmbürger, fasst Brunschwiler zusammen: Die einen fürchteten einen Identitätsverlust oder sorgten sich um die Selbstbestimmung von Schmerikon. Andere fanden grundsätzlich, dass Uznach nicht zu Schmerikon passe, und wieder andere wollten das renovierte Oberstufenschulhaus in Schmerikon nicht verlieren. Auch der ­geringe Betrag des Kantons von 10,5 Millionen Franken habe sicher für manche eine Rolle gespielt.

Trotz des klaren Neins möchte sich Schmerikon jetzt nicht von der Nachbargemeinde Uznach abwenden, betont Brunschwiler: «Wir wollen mit Uznach zusammenarbeiten.» Dies allerdings nicht in einer integrativen, dafür vielmehr einer kooperativen Art und Weise. Man müsse nun die Zusammenarbeit im Interesse der beiden Gemeinden vertiefen. Ein Beispiel dafür ist die Oberstufe: Es brauche keine Fusion, um Schüler der Oberstufe im Nachbardorf beschulen zu lassen – dies sei auch mittels Kooperation möglich. Möglichkeiten, Synergie­n zu nutzen, böten sich auch im Bereich Sportanlagen oder dem Uzner Schulschwimmbecken.

«Keine Liebeserklärung» an Uznach

Auch Uznach ist grundsätzlich gewillt, zusammenzuarbeiten: Dort wo es möglich sei, möchte die Gemeinde weiterhin mit Schmerikon zusammenarbeiten, sagt Camenisch. Doch die Möglichkeiten dazu würden nach dem deutlichen Nein der Nachbargemeinde sicher nicht steigen. Gerade beim Thema Schule habe die Vergangenheit gezeigt, dass eine Kooperation sehr schwierig sei.

Diese Meinung ist auch unter den Ortsparteien in Uznach vertreten: «Die Zusammenarbeit mit Schmerikon könnte jetzt komplizierter werden», sagt Marcel Ming, Präsident der Uzner FDP. In Schmerikon wären verschiedenste künftige Projekte mit einem Fusionspartner einfacher zu bewältigen gewesen. Als Beispiel nennt er die Dorfgestaltung oder die Finanzierung des Hallenbades. Auch sein Parteikollege Markus Blarer, FDP Schmerikon, sagt: «Das war sicher keine Liebeserklärung an Uznach.»

Befragt man die Ortsparteien der beiden Gemeinden, ist der Tenor klar: Dass die Fusion scheitert, haben die allermeisten erwartet. Dennoch: Dass es zum Schluss entgegen aller Erwartungen zu einer Überraschung kommt, habe man nicht ganz ausschliessen wollen, sagt etwa Sandro Lendi, Präsident der CVP Uznach. Die CVP war die einzige Partei, die jeweils dem Entscheid ihres Gemeinderates folgte. Für eine Fusion waren die SP und FDP beider Gemeinden, dagegen die SVP.

Die Schule war das Zünglein an der Waage

Was letztlich ausschlaggebend war für das deutliche Nein aus Schmerikon, dar­über lässt sich spekulieren. Für die SVP Schmerikon war der drohende Verlust der Oberstufenschule in Schmerikon das Zünglein an der Waage: «Das war die Kehrtwende für viele Unentschlossene», sagt SVP-Ortspräsident Anton Bischof. Er wisse auch von vielen Lehrern, die ihren Arbeitsplatz gefährdet sahen und deshalb gegen die Fusion stimmten. Auch CVP-Ortspräsident und Gemeinderat Urs-Peter Kälin sieht diesen Punkt als zentrales Argument: Gerade für Familien sei die Schulsi­tua­tion in ihrer Wohngemeinde bedeutend. Müssen die Kinder in der Nachbargemeinde zum Unterricht, sei dies nicht optimal – und das nicht nur wegen des längeren Schulweges für die Kinder. «Die Eltern befürchten, in wichtige Schulangelegenheiten zu wenig involviert zu sein», erklärt er.

Die SP Schmerikon vermutet, dass Uznach für Schmerikon wohl zu wenig attraktiv war. «Ich glaube, dass der Gemeinderat Schmerikon das Gefühl hat, Schmerikon würde von der Fusion zu wenig profitieren», sagt SP-Ortspräsident Reto Thomann. Rapperswil-Jona, so sagt er, wäre «eine viel bessere Partie für Schmerikon». Diese Haltung der Schmerkner Behörden sei für ihn jedoch nicht zukunftsorientiert. Die beiden Gemeinden würden in den nächsten Jahren ohnehin je länger, je mehr zusammenwachsen. Rapperswil-Jona hatte entsprechende Avancen von Schmerikon vor Jahren abgelehnt.

Auf Facebook lebhaft diskutiert

Die Fusion war in den letzten Wochen offenbar auch ein Diskussionsthema unter den jüngeren Einwohnern von Schmerikon und Uznach: Urs-Peter Kälin weiss dank eines Gesprächs mit der Mutter eines Oberstufenschülers, dass die Schüler sich sehr wohl Gedanken zu einer möglichen Fusion machten – «auch jene, die noch nicht abstimmen konnten». Und Marcel Ming von der FDP Schmerikon ergänzt: «Ich war selber überrascht, wie lebhaft die Fusion auf Plattformen wie Facebook diskutiert wurde.»

Wie die Gemeinden künftig zusammenarbeiten, wird sich wohl erst noch zeigen. Für den Uzner Gemeindepräsidenten Erwin Camenisch jedenfalls ist die gescheiterte Fusion kein Grund, jetzt frühzeitig als Gemeindepräsident zurückzutreten. Er wolle den Zeitpunkt seines Rücktritts nicht vom Fusionsentscheid allein abhängig machen. Seine Amtszeit endet ordentlich am 31. Dezember 2016. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.09.2015, 06:55 Uhr

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