Rapperswil-Jona

Das Schloss war ein habsburgischer Militärstützpunkt

Bollwerk der Habsburger: Der Winterthurer Historiker Peter ­Niederhäuser präsentiert neue Erkenntnisse zur­ Geschichte des Schlosses Rapperswil.

Die Bauforschung liefert neue Erkenntnisse: Das Schloss Rapperswil entstand in der heutigen Form erst im späten 14. Jahrhundert  und war ein Habsburger Bollwerk.

Die Bauforschung liefert neue Erkenntnisse: Das Schloss Rapperswil entstand in der heutigen Form erst im späten 14. Jahrhundert und war ein Habsburger Bollwerk. Bild: Archiv Kurt Heuberger

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1350 ist das Jahr null der Rap­pers­­wiler Stadtgeschichte. In der soge­nannten Mordnacht von ­Zü­rich versucht der Rapperswiler Graf Johann von Habsburg-Laufenburg mit seinen Verbündeten, den Zürcher Bürgermeister Rudolf Brun zu ermorden. Das Vorhaben scheitert und Bruns Rache ist fürchterlich. Er brennt Rap­pers­wil nieder.

Die neueste Bauforschung habe Brandspuren zutage gefördert, berichtete der Historiker Peter Niederhäuser an einem Vortrag vor der kulturhistorischen Gesellschaft March­ring in Lachen. Das Geld für den Wiederaufbau fehlt, und so wird die Stadt an Albrecht von Habsburg verkauft.Eigentlich beginnt die Geschichte von Stadt und Schloss erst da, sagt Niederhäuser, der im Auftrag der Ortsgemeinde die Schlossgeschichte erforscht. Seine Erkenntnisse sollen dereinst ins neue Nutzungskonzept von Otto Steiner einfliessen. Erst ab 1360 finden sich schriftliche Zeugnisse. Die Zeit vor der Brandschatzung hingegen liegt im Dunkeln. Zwar weiss man, dass es eine Grafenfamilie von Rap­pers­wil gab; ihr Name taucht 1233 erstmals auf. 1258 wird auch eine Burg Rapperswil erwähnt, 1284 eine Burg Neu-Rapperswil. Aber die Lücken in den Quel­len sind laut Niederhäuser viel zu gross, als dass sich beispielsweise eine Familienabfolge oder ein Verzeichnis der Besitztümer rekonstruieren liessen.

Zehn Jahre keine Steuern

Die Habsburger wollen Rapperswil zum Blühen bringen und investieren viel Geld in den Wiederaufbau der Stadt. Als Erstes befreien sie die Bürger für zehn Jahre von den Steuern. Um 1360 beginnen sie mit dem Bau einer Brücke über den See nach Hurden – ein Vorhaben, das laut Niederhäuser damals in ganz Europa seinesgleichen sucht. Ab etwa 1365 wird an der Burganlage gebaut. Die Grund- und Stützmauern stammen noch aus der Zeit der Grafen; alles andere bauen die Habsburger neu. Die jüngs­ten bau­geschichtlichen Er­kennt­nisse zeigen, dass der Pulverturm der älteste Teil des heutigen Schlosses ist; er stammt aus dem Jahre 1368. Das belegen dendrochronologische Daten (Altersbestimmung des Holzes), aber auch erhaltene Abrechnungen. Die beiden anderen Türme sind jünger. Sie stammen aus den Jahren 1394 und 1396. «Das heutige Schloss Rapperswil wurde zwischen 1360 und 1400 gebaut», resümiert Historiker ­Peter Niederhäuser.

Machtsymbol gegen die Schwyzer

Bis jetzt ­habe man die Anlage immer wesent­lich älter geschätzt. Der Aus­bau erfolgt in einer für die Habsburger turbulenten Zeit: Einerseits dehnen sie ihr Gebiet bis ins Tirol und nach Frankreich aus; andererseits verlieren sie in Sempach (1385) und ­Näfels (1388) wichtige Schlachten gegen die Eidgenossen. Die Burg Rapperswil ist für die Habsburger ein Macht­symbol. Deshalb zeigt ihre Schaufassade auch Richtung Schwyz. Sie dient als wichtiger Eckpfeiler der habsburgischen Landesherrschaft und als militärischer Stütz­punkt. 1415 bricht die habsburgische Herrschaft zusammen, Rapperswil wird Reichsstadt, und die Herrschaft ver­lagert sich vom Schloss ins Rathaus hin­unter. Doch schon knapp 30 Jahre später kehren die Habsburger zurück. Im ­Alten Zürichkrieg wird die Stadt wiederum zum habsburgischen Bollwerk, belagert, aber nicht ein­ge­nommen. Nach der Niederlage der Zürcher und der mit ­ihnen verbündeten Habsburger gerät Rapperswil unter die Herrschaft der Eidgenossen.

Seine Forschung zeige, dass für die Geschichte Rapperswils und seines Schlosses die Habsburger viel wichtiger seien als die etwas nebulösen Grafen von Rapperswil, sagt Peter Niederhäuser. Er hofft jetzt, dass die Habsburger im neuen Schlosskonzept ihren gebührenden Platz erhalten werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.04.2016, 09:00 Uhr

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