Rapperswil-Jona

Hochschule baut Methangas-Forschung aus

Die Hochschule für Technik will die Forschung im Bereich «Power to Methan» ausbauen. Dafür soll das Forschungszentrum in Rapperswil ausgebaut werden. Die HSR hat ein Baugesuch eingereicht.

Klimaneutrale Treibstoffproduktion: Die HSR hat sich dem Power-to-Methan-Konzept verschrieben und baut das Forschungszentrum beim Lido in Rapperswil aus.

Klimaneutrale Treibstoffproduktion: Die HSR hat sich dem Power-to-Methan-Konzept verschrieben und baut das Forschungszentrum beim Lido in Rapperswil aus. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Erneuerbare Treibstoffe aus Sonnenergie, Luft und Wasser gewinnen. Das ist das Ziel der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR). Was wie aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist bereits Realität. In ausgemusterten Schiffscontainern hat die HSR am Rande des Gaswerkareal vor zwei Jahren die erste solche «Power to Methan»-Demoanlage eröffnet.

Jetzt soll das Forschungsprojekt erweitert werden, wie die Hochschule auf Anfrage bestätigt. Sie hat bei der Stadt ein entsprechendes Baugesuch für noch mehr temporäre Container eingereicht. Das dazu genutzte Grundstück, direkt neben der heutigen Anlage, gehört der Stadt Rapperswil-Jona. Laut Bauchef Thomas Furrer wird der HSR eine Mietfläche von rund 240 Quadratmetern zur Verfügung gestellt. Das Areal entspricht rund acht Parkplätzen. Die Nutzung ist auf drei Jahre, bis Ende 2019, beschränkt.

EU unterstützt Forschung

Wie die erweiterte Anlage genau funktioniert und welche konkreten Ziele die HSR damit verfolgt, will die Hochschule derzeit noch nicht verraten. Man will laut einem Sprecher nun zuerst das Ende der Auflagefrist am 26. April abwarten. Bis dahin wären Einsprachen gegen den Containerbau möglich. Bekannt ist aber die Stossrichtung: «Power to Methan» will Treibstoff vollständig aus erneuerbaren Energien herstellen.

Im Inneren der bestehenden Anlage wird Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Das für die anschliessende Methanisierung benötigte CO2 stammt aus Biogasanlagen. Zusammen mit dem Wasserstoff wird es in einen Reaktor geleitet, in dem die beiden Gase zu Methan reagieren. Das so erzeugte Methan kann zum Betrieb von Erdgas-Fahrzeugen verwendet oder ins Erdgasnetz eingespeist werden. Die Leistung der aktuell betrieben Anlage ist allerdings marginal: Sie benötigt derzeit 20 Stunden, um eine Tankfüllung für ein Erdgasfahrzeug herzustellen. Der geplante Ausbauschritt, soviel ist bereits klar, soll die Leistung steigern.

Das Projekt der HSR findet europaweit Beachtung. «Power to Methan» ist Teil eines Forschungsprojektes, das von der Europäischen Union im Rahmen des Förderprogramms «Horizon 2020» mit Millionenbeträgen gefördert wird. Insgesamt 27 Institutionen sind am Projekt beteiligt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.04.2017, 16:43 Uhr

Power-to-Gas-Technologie

Technisch ist es bereits heute möglich, klimaneutral alle flüssigen und gasförmigen Treib- und Brennstoffe synthetisch herzustellen. Wasser (H2O) wird mittels elektrischem Strom in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) zerlegt (Elektrolyse). Der Wasserstoff wird anschliessend mit Kohlendioxid (CO2) in einem Reaktor zu Methangas (CH4) umgewandelt. Das erzeugte Methangas kann ins öffentliche Gasnetz eingespeist werden. Mit diesem Verfahren wird beim Verbrennen des Methans die Umwelt nicht durch den Ausstoss von zusätzlichem CO2 belastet, da das frei werdende CO2 genau der Menge entspricht, die der Herstellprozess der Umwelt entnimmt. Am Beispiel der Power-to-Gas-Anlage an der HSR erklärt: Wasser stammt aus der lokalen Wasserversorgung. Eine Solaranlage liefert Strom. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Audi und Climeworks wird ein CO2-Kollektor betrieben, der Kohlenstoffdioxid aus der Luft entnimmt. Der CO2-Kollektor entnimmt der Atmosphäre genau gleich viel CO2, wie das von Audi bereitgestellte Erdgasauto während des Fahrens ausstösst. Aus Luft, Wasser und Sonnenenergie wird somit ein vollständig erneuerbarer Treibstoff hergestellt. (zsz)

Artikel zum Thema

HSR forscht mit EU-Partnern an Langzeit-Energiespeichern

Rapperswil EU und Bund investieren 23 Millionen Euro ins klimaneutrale Gasnetz. 27 Forschungspartner aus sechs europäischen Ländern wollen der Power-to-Gas-Technologie aus den Kinderschuhen helfen. Die HSR koordiniert die Aktivitäten. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!

Kommentare

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!