Im Abstimmungskampf zur Senkung des Umwandlungssatzes zeigten die Gegner um SP und Gewerkschaften erfolgreich auf Missstände im Pensionskassenwesen: Die lockeren Anlagevorschriften der Lebensversicherer ermöglichen ein riskantes Spiel mit Zwangsersparnissen. Die Verwaltungskosten einiger Versicherer erscheinen hoch. Die Gewinnverteilung der Pensionskassen ist nicht nachvollziehbar. Durch den von links geschürten Zorn über die Abzocker zusätzlich angestachelt, signalisiert das Volk: Solange die Mängel nicht behoben sind, wird ein Sozialabbau auf Vorrat nicht goutiert. Hier muss die Politik ansetzen. Sie muss die Transparenz verbessern, um das Gebaren der Kassen kontrollierbarer zu machen. Wenn das Pensionskassengeschäft nachvollziehbar wird, kann die Notwendigkeit klargemacht werden, dass auch auf Kosten der Versicherten reformiert werden muss. Denn Fakt bleibt: Der demografische Wandel setzt die Sozialwerke immer mehr unter Druck.
Doch dieser Druck ist, wie das Abstimmungsergebnis zeigt, noch nicht spürbar. Dasselbe gilt für die AHV, die derzeit noch solide dasteht. Reformprojekte, um auch via Sozialabbau der Überalterung der Gesellschaft Herr zu werden, scheinen so kaum möglich. Selbst bei der mageren 11. AHV-Revision droht ein Referendum. Damit steht die gesamte Altersvorsorge vor einer ungewissen Zukunft. Offenbar braucht es für einschneidende Reformen zuerst ein finanzielles Debakel. Ist der Leidensdruck gross genug, ist das Volk, wie bei der hoch verschuldeten IV, gar für höhere Steuern zu haben. Auch bei der desolaten ALV sind höhere Lohnabzüge vorgesehen, weil frühere Chancen, das Sozialwerk zu sanieren, verpasst wurden. Ob Sozialabbau oder höhere Abgaben: Bei der Altersvorsorge sind die nötigen Opfer vorerst nur aufgeschoben.
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