Küsnacht

Ursache des Schiffsunglücks bleibt weiter mysteriös

Warum es zum schweren Schiffsunglück in Küsnacht gekommen ist, bleibt mysteriös. Die Untersuchungen laufen auch ein Jahr danach noch immer, die Behörden schweigen. Das lässt Spekulationen aufkommen.

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Genau vor einem Jahr ist das Motorschiff Albis in den Schiffssteg Küsnacht gekracht – ungebremst. Drei Personen wurden dabei erheblich verletzt, zwei Angestellte der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) und eine Passagierin. Der Schaden an Schiff und Steg betrug rund 230000 Franken. Der Steg ist repariert, die «Albis» schon lange wieder auf dem See unterwegs. Der verletzte Koch arbeitet wieder an seiner angestammten Stelle, der Kapitän wird weiterhin nicht als Kapitän eingesetzt, wie eine Anfrage bei der ZSG ergibt. Der Mann arbeitet aber schon lange wieder für die ZSG, als Kassierer und Deckchef.

Sonst ist am Jahrestag des schweren Unglücks vieles unklar. Sowohl die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) wie auch die Staatsanwaltschaft See/Oberland sind weiterhin mit ihren Untersuchungen beschäftigt. Viel erfahren kann man nicht. Der zuständige Staatsanwalt Donat Welti gibt zurzeit keine Auskunft zur Untersuchung. Nur so viel: «Das Verfahren wird erfahrungsgemäss noch einige Zeit in Anspruch nehmen.» Dass er einst gesagt haben soll, die Untersuchungen würden Ende 2016 vorbei sein, weist der Staatsanwalt vehement zurück. Er lässt somit offen, ob gegen den Kapitän oder andere Personen ermittelt wird.

Klar ist, dass er die Untersuchung der Sust abwarten muss. Erst diese wird belegen, ob es eine technische Ursache für das Unglück gab. Dass die Sust so lange braucht, ist nicht ungewöhnlich. So dauerte es rund ein Jahr bis der Bericht zur Havarie der «Stadt Rapperswil» bei Hurden abgeschlossen war. Die Kollision eines Schiffes mit einem Schwimmer im Thunersee wurde gar 13 Monate lang untersucht.

Keine Probleme mehr

Das MS Albis war nach ersten Untersuchungen und der Reparatur in der Werft in Wollishofen schon nach wenigen Wochen wieder auf dem Zürichsee zu sehen. Wie ZSG-Sprecherin Conny Hürlimann bestätigt, gab es seit dem Unfall vom 20. April keine Probleme mehr bei der «Albis».

Für Laien scheinen damit technische Probleme zumindest unwahrscheinlich zu sein. Auch bei den Schwesterschiffen «Pfannenstiel» und «Uetliberg» sind bisher keine Probleme aufgetreten. Die Schiffe der Albis-Klasse sind – abgesehen von der «Panta Rhei» – die modernsten Schiffe der ZSG-Flotte.

Doch es bleibt dabei: Momentan wird ein technisches Problem nicht ausgeschlossen. Experten können sich am ehesten einen Fehler beim Wechsel vom Haupt- in den Aussenführerstand vorstellen. Möglich wäre etwa, dass der Kapitän das Schiff nicht mehr hatte bremsen können, weil der Rückwärtsgang klemmte. Dass dem erfahrenen Mann bei perfekter Sicht ein grober Fehler unterlaufen ist, gilt bei Experten als sehr unwahrscheinlich.

Nicht zuletzt, weil die Untersuchung nun schon ein Jahr lang dauert, spriessen am See aber mittlerweile die wildesten Gerüchte ins Kraut. Etwa, dass unter den Tisch gekehrt werden soll, dass der Kapitän einen Fehler begangen hat. Doch diese Spekulation bleibt genau das: ein Gerücht. Solange die Sust, mit Sitz in Bern, ihre Untersuchung nicht abgeschlossen hat, bleibt unerklärbar, warum die «Albis» vor einem Jahr in den Küsnachter Schiffssteg gekracht ist. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.04.2017, 16:49 Uhr

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