Ufenau wird zur Geisterstation

Die Insel Ufenau wird im August für fast zwei Jahre für Besucher gesperrt. Dennoch bleibt sie im Fahrplan der ZSG. Den Passagieren wird empfohlen, nicht von Bord zu gehen.

Paradox: Eigentlich dürfen die Passagiere der ZSG auf der Ufenau aussteigen. Betreten dürfen sie die Insel aber nicht.

Paradox: Eigentlich dürfen die Passagiere der ZSG auf der Ufenau aussteigen. Betreten dürfen sie die Insel aber nicht. Bild: Karikatur Marian Kamensky

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Ein Kloster kann Fahrpläne beeinflussen. Zumindest trifft das auf eine Entscheidung der Gemeinschaft der Mönche des Klosters Einsiedeln zu. Deren Konvent gab grünes Licht für die Restaurierung und Sanierung der Gastwirtschaft Haus zu den zwei Raben auf der Insel, die seit 1050 Jahren dem Kloster gehört.

Der Baubeschluss der Mönche hat Folgen. Die Insel wird ab dem 29. August bis Mai 2018 für jeglichen Besuch gesperrt. «Es wird keine Infrastruktur mehr geben», sagt Markus Ruoss von der Projektgruppe Ufenau, einer Sektion des Vereins «Freunde der Insel Ufnau». Weder eine Möglichkeit zur Verpflegung noch Toiletten stehen zur Verfügung. «Darum haben wir beschlossen, die Insel während der Bauzeit zu sperren, alles andere wäre sinnlos.»

«Achtung: Nicht aussteigen!»

Für die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) kommt diese Entscheidung «nicht überraschend, aber doch sehr plötzlich», sagt Conny Hürlimann, Mediensprecherin der ZSG. Prinzipiell wäre ein Aussteigen am Schiffssteg möglich. Am Ufer würden aber schon die Verbotstafeln zum Umkehren mahnen.

Die Besucher müssten dann mindestens eine Stunde auf das nächste Schiff warten. «Wir werden die Fahrgäste informieren», sagt Hürlimann. Leider seien die Fahrpläne für 2016 schon gemacht, «aber für 2017 nehmen wir die Insel Ufenau aus dem Fahrplan raus». Was wirklich zwischen 29. August und Saisonschluss am 23. Oktober passiert, ist offen. Vielleicht fahren dann die Schiffe einfach an der Insel vorbei, ohne anzuhalten.

Nichts an Land vergessen

Den Beginn der Bauarbeiten an das Ende des Sommerfahrplans der ZSG zu koppeln, ist laut Markus Ruoss nicht zur Diskussion gestanden. «Die Bauzeit ist vorgegeben, wenn wir in diesem Jahr später anfangen, dauert es 2018 länger bis zur Fertigstellung.» Die Baustelle benötigt eine eigene Infrastruktur. Alles Material und Werkzeug wird mit einem Ledikahn von einem Lagerplatz in Pfäffikon auf die Insel überführt. «Wir bauen einen provisorischen Anlegesteg, weil der vorhandene Bootssteg nicht geeignet ist für schwere Geräte und das Abladen des Baumaterials», sagt Ruoss. Alle Bauleute würden vor eine logistische Herausforderung gestellt. «Die Arbeitsvorbereitung entscheidet. Wer etwas vergisst, muss zurück ans Ufer und verliert viel Zeit.» Ob für gewisse Transporte auch ein Helikopter eingesetzt werde, sei noch ungewiss.

Die Restaurierung und Sanierung der Gastwirtschaft Haus zu den zwei Raben kostet rund 7 Millionen Franken. Davon hat der Verein «Freunde der Insel Ufnau» schon 4 Millionen gesammelt. Darunter sind Beiträge der Gemeinde Freienbach, des Bezirks Höfe und des Kantons Schwyz enthalten. «Die restlichen drei Millionen werden wir noch sammeln», ist Markus Ruoss zuversichtlich. Auch das Kloster werde sich an den Baukosten beteiligen.

Auch für Kleinboote gesperrt

Von der Schliessung der Insel sind auch alle betroffen, die mit privaten Motor- und Segelbooten auf die Ufenau kommen. Ob sogar das Festmachen am Bootssteg verboten werden muss, um nicht den Baustellenverkehr zu behindern, ist noch nicht entschieden.

Eine Ausnahme vom Inselverbot gibt es dennoch. Das Vieh, das die Weidesaison traditionell auf der Ufenau verbringt und mit Weidlingen überführt wird, darf dort weiterhin grasen. Ruoss hat für diese tierische Sonderbehandlung eine bestechende Erklärung: «Das Vieh hat bisher keine Toiletten benutzt und wird es auch in Zukunft nicht tun.» ()

(Erstellt: 26.01.2016, 17:54 Uhr)

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