Meilen

Meilen arbeitet an der Linienführung für Zürichseeweg

Der Zürichseeweg hat nicht nur Freunde. Die Vollendung dieses kantonalen Vorhabens ist noch in weiter Ferne. Meilen konzipiert nun für sein Gemeindegebiet eine Linienführung – nicht immer direkt dem Seeufer entlang.

Bestehende Anlagen wie diese hier im Horn will Meilen in den Zürichseeweg integrieren.

Bestehende Anlagen wie diese hier im Horn will Meilen in den Zürichseeweg integrieren. Bild: Sabine Rock

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Der neue Name sagt viel. Was einst mit der Bezeichnung «Seeuferweg» lanciert wurde, heisst heute im kantonalen Richtplan «Zürichseeweg». Das Ufer ist nämlich politisch und planerisch eine heikle Zone. «Wird bald jedermann durch Tina Turners Anwesen am Küsnachter Seeufer spazieren können?», fragte der Tages-Anzeiger vor drei Jahren. Rhetorisch, denn der Pop-Ikone, die in Nutbush (Tennessee) aufgewachsenen ist, mögen es alle gönnen, dass sie im reiferen Alter nun die Aussicht auf den Zürichsee geniessen kann, ohne dass ihr Aludosen in den Garten geschmissen werden.Aber längst nicht jeder reiche Seeanstösser geniesst solche Popularität.

Um der Öffentlichkeit generellen Zugang zum See zu verschaffen, lancierten SP und und EVP des Kantons Zürich die Volksinitiativen «Zürisee für alli» und «Uferwege für alle». Beide hatten einen seeumspannenden Uferweg zum Ziel, beide wurden im Verlauf eines langwierigen politischen Prozesses zurückgezogen.

«Erlebbarkeit des Sees»

Der heutige Stand lässt sich so umschreiben: Einzelne Abschnitte des Weges am See sind realisiert. Das Bundesgericht hat erklärt, dass ein absolutes Verbot für Enteignungen zugunsten des Projekts, wie es Mitte-Rechts im Zürcher Kantonsrat durchgebracht hatte, nicht zulässig sei. Der Kanton hat Geld für den Zürichseeweg budgetiert (und den Gemeinden 20 Prozent der Kosten aufgebrummt), aber es sind derzeit kaum konkrete Projekte vorhanden. Die Planungsgruppe Pfannenstiel hat noch keine Linienführung festgelegt, wie ihr Regionalplaner Reto Nebel erklärt. Die gesetzlichen Grundlagen fehlten. Das Seeufer ist in der bevorstehenden Revision des regionalen Richtplans ausgeklammert.

Inhaltlich, sagt der Planer, soll der Zürichseeweg «die Erlebbarkeit des Sees gewährleisten». Er muss demnach nicht zwingend direkt am See erstellt werden und auch nicht «minimal zwei bis drei Meter breit», wie der Verein «Rives Publiques» forderte, der schweizweit für Zugang zu den Gewässern kämpft. Tina Turner beziehungsweise der Eigentümer ihrer Liegenschaft müssen nach dieser Lesart nicht befüchten, dass der Kanton um jeden Preis einen Weg durch ihre Gartenanlage erstellt.

Die Gemeinde Meilen, die derzeit ihre Richtpläne zur Siedlung, zur Landschaft und zum Verkehr überarbeitet, hat bereits an eine pragmatischere Linienführung für den Zürichseeweg auf ihrem Gemeindegebiet konzipiert. An den Planungs-Informationsabenden in den vier Wachten präsentierten der Gemeinderat und der Ortsplaner den Stand des Vorhabens.

Der Zürichseeweg nützt in diesem Entwurf Grundstücke aus, die bereits im Gemeindebesitz und öffentlich zugänglich sind, wie etwa die Anlage im Horn. «Der Weg zeichnet sich aus durch eine Linienführung mit Abschnitten entlang des Sees, entlang von Aussichtslagen sowie kulturell oder historisch spannenden Orten», erklärt Gemeinderat Heini Bossert (FDP), der Vorsteher des Ressorts Hochbau und Planung. «Das heisst, auf eine konsequente Linienführung entlang des Ufers sowie der Seestrasse wird verzichtet.» Am weitesten gediehen ist der Konzeptplan im Abschnitt Schifflände Meilen bis Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen.

Durch das Rauchgässli

Gemäss dieser Skizze würde der Weg zum Beispiel im Zentrum von Dorfmeilen durch das Rauchgässli führen. Vom Chorherrenweg, entlang der ersten Geländekante, hätte man einen schönen Blick auf den See samt Fähre. In Feldmeilen würde die General-Wille-Strasse genutzt. Einige Abschnitte verlaufen hingegen auf dem Trottoir der Seestrasse, wo statt Seeromantik vor allem Mobilitätsrealität zu erleben ist. An mehreren Orten sind noch Varianten eingezeichnet.

Die Linienführung sei noch nicht parzellenscharf, betont Bossert. Bis morgen Mittwoch läuft eine informelle Vernehmlassung – die Bevölkerung kann sich per Mail äussern zu dem, was sie an den Informationsabenden gehört hat. Das Konzept für den Zürichseeweg durchlaufe auch eine verwaltungs- und kommissionsinterne Vernehmlassung, sagt Bossert.

«Ziel ist», ergänzt der Vorsteher des Planungsressorts, «dass mit der öffentlichen Auflage der Planungsrevision im Mai ein definitiver Vorschlag kommt.» Allerdings sei der Zürichseeweg als Ganzes ein Projekt des Kantons, «und wir wissen nicht, was der Kanton dann zu unserem Konzept sagt.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.02.2017, 16:48 Uhr

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