Meilen

«Ich bin kein Gesetzlimacher»

Gesundheits- und Bildungspolitik liegen SP-Kantonsrat Hanspeter Göldi aus Meilen besonders am Herzen. Im Parlament sieht er seine Aufgabe als Brückenbauer und Aufsichtsperson.

Hanspeter Göldi, Kantonsrat der SP, im Meilemer Café Glück.

Hanspeter Göldi, Kantonsrat der SP, im Meilemer Café Glück. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Nachmittagssonne scheint durch die Fenster des Kafi Glück in Meilen. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass es bereits Frühling ist. Kantonsrat Hanspeter Göldi (SP) bestellt eine Apfelschorle. Zu wenig Zeit bleibe ihm zum «Käfele», bedauert der Meilemer. Für einen vollen Terminkalender sorgen seine zahlreichen Ämter. Neben seinem Amt im Kantonsrat, wo er in der Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit sitzt, ist Göldi unter anderem Präsident des Berufsverbandes der Köche (Hotel und Gastro Union der Region Zürich) und Vizepräsident der Sozialbehörde Meilen.

Unter seinen Ratskollegen ist der 56-Jährige in zweierlei Hinsicht ein Exot. Als gelernter Koch bringt er eine andere Perspektive in das weitgehend aus Akademikern bestehende Parlament. Als linker Politiker hat er im bürgerlich dominierten Kantonsrat eine weitere Minderheitsposition inne.

Mit der Rolle des Underdogs wisse er im Vergleich zu seinen Stadtzürcher Parteikollegen besser umzugehen, sagt Göldi. «Weil das Stadtparlament eine linke Mehrheit hat, erleben sie die rechte Übermacht im Kantonsrat viel extremer.» Als Meilemer kenne er nichts anderes: Diese Gemeinde werde schon seit Jahren von den Bürgerlichen dominiert.

Einstieg über Berufsverband

Dass die Linken dennoch etwas bewirken könnten, zeigt das vom Kantonsrat kürzlich beschlossene Verkaufsverbot der Gebäude des Unispitals. Pharmafirmen, Hotelketten und Privatkliniken werden auch in Zukunft nicht in die Räumlichkeiten des Unispitals einziehen. «Solche überraschenden Mehrheiten sorgen für Freude im Ratsbetrieb», sagt Göldi. Für den Sozialdemokraten ist der Kampf gegen die Privatisierung der Spitäler ein wichtiges Thema. Auch den Sparmassnahmen des Kantons steht er kritisch gegenüber. «Das Beispiel Meilens zeigt, dass es sinnvoller wäre, die Steuern zu erhöhen statt Kleinstbeträge wie zum Beispiel beim Altersausflug zu streichen», sagt er.

Auch die Berufsbildung liegt Göldi am Herzen. Den Einstieg in die Politik fand er vor 35 Jahren über den Berufsverband. Aktuell setzt er sich dafür ein, dass offene Lehrstellen und Jugendliche ohne Ausbildungsplatz zusammenfinden. Für die Vermittlung sei Fachpersonal notwendig. «Für die benötigten Ressourcen werden wir vom Forum Berufsbildung einen Antrag beim Berufsbildungsfonds stellen», sagt Göldi. «Auch im Kantonsrat wird das sicherlich noch zum Thema.»

«Ich mache Realpolitik»

Im Rat selber hat Göldi eher wenig Vorstösse eingereicht. «Ich bin kein Gesetzlimacher», sagt der SP-Politiker. «Untätig sitze ich aber nicht herum, meine Aufgaben in der Aufsichtskommission stehen unter dem Amtgeheimnis.» Deshalb arbeite er viel abseits der Öffentlichkeit. Bei offiziellen Anfragen müsse er Wochen auf eine Antwort warten. Persönliche Gespräche seien der schnellere Weg, Dinge voran zu bringen. Von einer Politik hinter verschlossenen Türen will er dennoch nichts wissen: «Der inoffizielle Weg der Informationsbeschaffung ist oft der effizientere.»

Die montäglichen Sitzungen des Kantonsrates erachtet Göldi denn auch als optimale Gelegenheiten, um Kontakte zu knüpfen. Dies gelte insbesondere auch über die Parteigrenzen hinweg. Persönliche Erfolge seien ihm nicht so wichtig wie gelungene Kompromisse, sagt der Sozialdemokrat, der sich als Brückenbauer versteht. Ihm liege das, wovor sich viele Karrierepolitiker drücken würden: «Ich mache Realpolitik.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.02.2017, 16:47 Uhr

Ratsgipfeli (Serie): Kantonsräte im Portrait.

Hineingehorcht

Ist Macht käuflich?
Hanspeter Göldi: Macht als solche ist nicht käuflich, dagegen kann mit Geld Publizität gekauft werden und damit können die Meinungen beeinflusst werden.

Wann verlieren Sie die Beherrschung?
Zum Glück relativ selten, da muss mich etwas schon sehr stark emotional treffen.

Mögen Sie Überraschungen?
Positive, wie zum Beispiel den klaren Sieg bei der Unternehmenssteuerreform III Abstimmung mag ich sehr. Grundsätzlich habe ich das Leben aber gerne selber im Griff.

Haben Sie schon mal ans Auswandern gedacht?
In jungen Jahren wollte ich einmal eine Stelle in Berlin antreten, leider hatte dies damals nicht geklappt. Sonst entdecke ich die Welt gerne auf Reisen , zum Auswandern gefällt mir die Schweiz aber viel zu gut.

Was war als Kind Ihr Traumberuf?
Zuerst Polizist und dann bereits schon sehr früh Koch. Den Beruf den ich dann ja auch gelernt hatte und den ich in meinem Berufsleben in vielfältigster Form ausleben konnte und auch heute noch mit Freude ausführe. (lko)

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