Herrliberg

Herrliberger stoppen Pläne für neues Dorfzentrum

Die Stimmberechtigten haben die Idee des Gemeinderats für ein Zentrum mit Grossverteiler und Wohnungen begraben. Umstritten war, ob der Supermarkt den kleinen Läden genützt oder geschadet hätte.

So hätte das Zentrum aussehen können: Eine Studie der Architektin Tilla Theus sah ein spektakuläres Giebelhaus als Pforte zum Grossverteiler vor.

So hätte das Zentrum aussehen können: Eine Studie der Architektin Tilla Theus sah ein spektakuläres Giebelhaus als Pforte zum Grossverteiler vor. Bild: zvg

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Die Haltung der Herrliberger ist deutlich: Die Stimmberechtigten wollen kein neues Zentrum an der Ecke Forchstrasse und Schulhausstrasse. Am Sonntag sagten sie mit 1595 zu 998 Stimmen Nein zu einem Kredit von 250 000 Franken. Dieser hätte die Planung eines Zentrums mit Grossverteiler sowie die Suche nach einem Investor für das Projekt ermög­lichen sollen.

Die Ablehnung fällt mit 61,5 Prozent hoch aus – und sie ist überdies breit abgestützt: 64 Prozent der Stimmberechtigten hatten sich zur Frage über das Zentrum geäussert. Gemeindepräsident Walter Wittmer (Gemeindeverein) ist enttäuscht über das deutliche Resultat. Er führt dieses zurück auf die starke Nein-Kampagne der Gegner, die mit mehreren Flugblättern die Stimmberechtigten mobilisierten. «Diese Kampagne war sehr intensiv und emotional», sagt Wittmer. Die sachlichen Argumente und die unaufgeregte Kampagne der Pro-Seite seien dabei untergegangen.

Angst vor der Schlafgemeinde

Weiter sagt Wittmer: «Abstimmungen über Zentrumsentwicklungen haben es schwer– das hat sich an diesem Wochenende auch in Küsnacht gezeigt.» Der Gemeindepräsident findet es ein schlechtes Signal, dass nun in Herrliberg kein neues Zentrum entsteht. Dieses hätte auch den Dorfplatz auf der anderen Seite der Forchstrasse beleben sollen, wo sich kleinere Geschäfte befinden. «Das Dorf wird nun zunehmend zu einer Schlafgemeinde.»

Umstritten war in erster Linie, ob es in Herrliberg einen Grossverteiler mit 1000 Quadratmetern Fläche braucht. Ja, fand der Gemeinderat und stützte sich dabei auf Aussagen von Beratern, wonach ein Grossverteiler wichtig sei für kleinere Läden im Dorf. Er hätte als Kundenmagnet für das lokale Gewerbe dienen sollen. Dieser Plan funktioniere nicht, fanden die Gegner der Vorlage. Sie befürchteten das Gegenteil: dass ein Grossverteiler die Existenz kleinerer Läden bedrohe.

Die SVP, die sich als einzige Ortspartei – jedoch mit Unterstützung von Herrliberger Persönlichkeiten – gegen das Projekt wehrte, zeigt sich zufrieden. «Ich bin überrascht über das klare Ergebnis», sagt SVP-Vorstandsmitglied Domenik Ledergerber, der sich stark für ein Nein engagierte. «Es bestätigt aber, dass wir mit unseren Bedenken nicht alleine waren. Auch andere haben die Probleme erkannt, die ein solches Zentrum mit sich gebracht hätte.» Gleichzeitig sagt Ledergerber: «Auch wir wollen das Dorfzentrum stärken.» Er ist dafür, dass dies auf der anderen Seite der Forchstrasse, rund um den Dorfplatz, geschieht.

Areal ist schwierig zu nutzen

Mit dem Nein zum Kredit ist nicht nur die Idee für einen Grossverteiler gescheitert. Auch die Pläne für neue Wohnungen rund um die gemeindeeigene Alterssiedlung sind vorderhand gestoppt. Da der Supermarkt grösstenteils unter dem Boden entstanden wäre, hätte das Gebiet oberirdisch verdichtet werden können. «Es verbleibt nun die Pendenz, für das zentral gelegene, aber schwierig überbaubare und unternutzte Grundstück eine sinnvolle Zukunft zu finden», sagt Gemeindepräsident Wittmer.

Auch private Grundstückbesitzer im Planungsperimeter hatten Interesse am Projekt. Dazu zählen nebst der Pensionskasse der Migros drei weitere Eigentümer, welche insgesamt fünf Mehrfamilienhäuser sanieren beziehungsweise ersetzen wollen. «Sie müssen sich nun für ihre Erneuerungsvorhaben zusammentun oder eigene Lösungen finden», sagt Wittmer. «Das macht es nicht einfacher.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.02.2017, 19:07 Uhr

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Neue Lösungen für Bushaltestellen und Dorfplatz gesucht

Nicht alle Teile der Vorlage, welche die Herrliberger ablehnten, waren umstritten. Dass mehrere unübersichtliche Bushaltestellen in der Dorfmitte neu angeordnet werden sollen, finden auch viele Gegner des Zentrumprojekts. Gemeindepräsident Walter Wittmer glaubt denn auch, dass viele Anliegen des Gemeinderats breite Zustimmung geniessen würden. Insbesondere eine Lösung für die beiden gefährlichen Haltestellen Harzerstrasse und Alterssiedlung bleibe dringlich. Hinzu kämen die Verengung der Forch­strasse, die Verkehrsberuhigung auf der Schulhausstrasse sowie eine freundlichere Gestaltung der Personenunterführung unter der Forch­strasse. Der Gemeinderat müsse nun diskutieren, was er mit welcher Dringlichkeit an die Hand nehmen wolle.

SVP-Vorstandsmitglied Domenik Ledergerber ruft den Gemeinderat dazu auf, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. «Er muss nun seine Energie auf der anderen Seite der Forch­strasse investieren.» Dort befinden sich im Gebiet um den Dorfplatz einige Läden, unter anderem der Volg. Mit dessen Betreiberin, der Landi, müsse man nun Gespräche führen, sagt Ledergerber. Sowohl ihn als auch Gemeindepräsident Wittmer beschäftigt es, was mit jenen Räumen in der Landi-Liegenschaft geschieht, in denen heute der Familienclub Robinson eingemietet ist. Da dieser demnächst ins Kinder­betreuungshaus zieht, braucht es eine neue Lösung.

Dasselbe gilt für das ehemalige Gebäude der ZKB, welches die Gemeinde vor kurzem ­gekauft hat. Eine sinnvolle Nutzung der Liegenschaft könne das Gebiet um den Dorfplatz beleben, sagt Ledergerber. (miw)

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