Stäfa

Gut trainierte Hunde wetteiferten im Wasser

14 Führerinnen haben sich mit ihren Hunden am Stäfner Seeplatz einer Wasserarbeitsprüfung in verschiedenen Kategorien unterzogen. Die siebenjährige Nala hat gar den internationalen Test zum Rettungshund bestanden.

Einsatzfreudig springt ein wasserliebender Hund ins Wasser beim Stäfner Seeplatz.

Einsatzfreudig springt ein wasserliebender Hund ins Wasser beim Stäfner Seeplatz. Bild: Patrick Gutenberg

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Frühmorgens vor sieben Uhr ist der Zürichsee noch spiegelglatt, kein Lüftchen weht. Das sind ideale Bedingungen für das Distanzschwimmen von einem Kilometer, das der siebenjährigen ­Nala bevorsteht. Der Australian Cattle Dog der Zürcherin Jean­nine Roy bewältigt die Strecke 850 Meter vom Ufer entfernt mit Bravour. In einem Gummiboot wird die zierliche Hündin, die keine 20 Kilogramm wiegt, vom Prüfungsexperten Libero Taddei und einem Tierarzt begleitet. Es ist die erste von insgesamt sieben Übungen, die Nala in der Stufe IV, der schwierigsten innerhalb der Wasserarbeitsprüfung für Rettungshunde, am Samstag absolviert. Wer sie besteht, hat die internationale Bezeichnung als einsatzfähiger Rettungshund erworben. In den anderen drei Stufen spricht man vom Wasserarbeitshund.

Arbeit an Land und im Wasser

Christina Pfenninger aus Stäfa arbeitet seit über 30 Jahren mit Hunden. Mit ihrer Gruppe Züriseehund bietet die Hundelieb­haberin zudem Wasserarbeit mit Hunden in Stäfa an. Als Fachfrau hat sie darum die Prüfungen am Seeplatz organisiert. Diese setzen sich aus der Arbeit zu Land wie auch zu Wasser zusammen. An Land wird die Folgsamkeit des Hundes geprüft, im Wasser kommen verschiedene Rettungs­aktio­nen hinzu.

An diesen Prüfungen, die als Qualifikation zu den Schweizer Meisterschaften zählen, treten Führer und Hunde aus der ganzen Schweiz in vier Stufen an. So sind am Samstag mit Irene Wyss und Beatrice Jordi zwei Bernerinnen an den Zürichsee gereist, die junge Stella Agazzi aus dem Tessin ist mit ihrem zweieinhalbjährigen Labrador-Retriever Django bereits am Vortag an­gekommen. Alle drei bestreiten die Stufe I und werden sie auch bestehen.

Schutz vor Hundekrallen

Nala liebt das nasse Element wie kaum ein anderer Hund an diesem Tag. Und sie lässt sich weder von den Schwänen noch von den Figurantinnen in ihrem Gummiboot ablenken. In ihrem Taucheranzug simulieren diese eine ­ertrinkende oder im Wasser bewusstlos liegende Person, der die Hunde entweder den Rettungsring oder ein Seil bringen, um sie dann an Land oder zu einem Boot zu ziehen. Die Neoprenanzüge sind Vorschrift und bieten Schutz vor den Zähnen und Krallen der Vierbeiner.

Für Nala folgen die weiteren Übungen jedoch erst einige Stunden später, weil zunächst die Anwärterinnen der Stufen I bis III ihre Einsätze haben. Zum Vergleich: Hunde der ersten Stufe müssen als Distanz nur 200 ­Meter zurücklegen können. Und ­anstatt mit Personen arbeiten sie bei den Hol-und-bring-Übungen lediglich mit dem sogenannten Apportiergegenstand.

Als Jeannine Roy nun mit ihrer Hündin kurz vor 13 Uhr zum zweiten Prüfungsteil antritt, nieselt es. Der aufgekommene Wind hat Wellen verursacht. Nala springt aus dem Gummiboot, das sich rund 50 Meter vom Ufer befindet und wo die Hundeführerin mitsamt dem Experten sitzt. Das dem Hund zugeworfene Seil packt dieser zwischen den Zähnen und bringt es schwimmend der Person im zweiten Gummiboot, dessen Motor ausgefallen ist. Nur einmal scheint Nala orientierungslos, da sie wegen der Wellen nicht erkennt, in welcher Richtung sie die sich an den Rettungsring klammernde Person ziehen muss, ans Land oder zu ihrer Herrin ins Gummiboot. Die Hundepsychologin Monika Oehler, die das Geschehen vom Ufer aus beobachtet, lobt die hohe kognitive Leistung von Nala: «Hunde reagieren in der Regel eher auf Zeichen als auf Worte, und Nala hat trotz des unruhigen Wassers das verbale Signal von Jeannine erfasst.»

Nach dem Einsatz ein Spiel

Trotz einiger «Doppelkommandos», wie der Prüfungsrichter später bei der Rangverkündigung festhält, habe Nala sämtliche Arbeiten erfüllt und damit die Rettungsklasse bestanden. An­gesichts der Tatsache, dass in den letzten 30 Jahren erst 20 Hunde diese Stufe IV in der Schweiz erreicht haben, darf Jeannine Roy stolz auf das Erreichte sein. Die 30-Jährige strahlt denn auch, und Nala, die bis am Schluss folgsam an ihrer Seite sitzt und immer wieder zu ihr hochschaut, darf endlich aufspringen. Der quirlige Vierbeiner, der nun offiziell als Rettungshund gilt, sucht auch nach dem kräftezehrenden Einsatz das Spiel mit seiner Herrin, die es ihm gerne gewährt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.08.2016, 15:23 Uhr

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