Meilen

Diese Winzer keltern ihren Wein in der WG

Vier Weinproduzenten am Zürichsee, deren Rebflächen sich von Küsnacht bis Feldbach erstrecken, keltern im gleichen Keller. Als Keller-WG stellen sie sich an ihrer ersten Weindegustation vor.

Die Keller-WG mit ihren Bewohnern (von links): Alain Schwarzenbach und Marilen Muff, Patrizia und Diederik Michel, Rico Lüthi und Martin Schnorf.

Die Keller-WG mit ihren Bewohnern (von links): Alain Schwarzenbach und Marilen Muff, Patrizia und Diederik Michel, Rico Lüthi und Martin Schnorf. Bild: Michael Trost

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Rico Lüthis Ausgangslage, um Winzer zu werden, hätte unterschiedlicher nicht sein können als diejenige seines jüngeren Kollegen Alain Schwarzenbach. Der 49-Jährige aus Männedorf absolvierte als Erster in seiner Familie die dreijährige Winzerlehre und setzt nach einigen Lehr- und Wanderjahren seit 1998 als selbständiger Winzer seine Weinphilosophie um. Mit dem 32-jährigen Meilemer hingegen ist seit Anfang Jahr die fünfte Generation eines über 100-jährigen Familienunternehmens am Ruder.

Zudem zählen Schwarzenbachs, die eine Rebfläche von acht Hektaren bewirtschaften, zu den grössten Weinproduzenten am Zürichsee. 2007 haben sie ihren gesamten Produktionsbetrieb mitsamt Lagerräumen ausgebaut und modernisiert. Rico Lüthi mit seinen zwei Hektaren Rebland, dessen Kinder nicht in die Fussstapfen des Vaters zu treten gedenken, hätte für die Kelterung seiner Weine zusätzliche Gebäude pachten sowie den ganzen Maschinenpark mit Presse und Abfüllanlage anschaffen müssen. «Das wäre zu kostenintensiv gewesen», beurteilt Lüthi im Rückblick die Lage. Zumal er ohne Nachfolger nach rund 30 Jahren alles wieder hätte veräussern müssen.

Vom Tank in die Flasche

Die Weinbauern am Zürichsee sind bekannt dafür, dass sie einander nicht konkurrenzieren, sondern sich regelmässig austauschen und an diversen Anlässe gemeinsam auftreten. So kam es, dass der Männedörfler im vergrösserten Meilemer Betrieb nicht nur einen Raum mit eigenen Stahltanks und Holzfässern mieten konnte, sondern auch alle Vorrichtungen für die Weinbereitung mitbenützen kann.

An diesem Dienstagnachmittag steht er mit seinem Team vor der Abfüllanlage im Schwarzenbach’schen Keller. Seit dem frühen Morgen fliessen seine jungen Weissweine aus den Tanks direkt in die entsprechenden Flaschen. Im gleichen Arbeitsprozess werden sie mit einem Drehverschluss versehen und anschliessend etikettiert, bevor sie das Fliessband freigibt. Hier steht Lüthis Frau Susi bereit und bettet die Flaschen vorsichtig in Sechser-Kartons. «Wenn wir fast unseren ganzen Lohn eines Jahres in die Flasche füllen, muss alles stimmen», meint er. Die Anspannung sei gross, kein Fehler dürfe passieren. Bis am Abend wird er 8000 Flaschen abgefüllt haben.

Mit Rico Lüthi nutzen auch der Uetiker Martin Schnorf sowie der in Freienbach aufgewachsene und in Herrliberg lebende Diederik Michel die moderne Infrastruktur der Familie Schwarzenbach. Schnorfs Rebfläche beträgt lediglich 1,7 und diejenige von Michel drei Hektaren. Ihnen ergeht es wie Lüthi: Beide könnten sich keinen eigenen Keller mit allem Drum und Dran leisten, um als Eigenkelterer überleben zu können. Und eine Fremdkelterung kommt für beide nicht in Frage. Dieses Miteinander unter einem Dach nennen die Winzer, angelehnt an eine Wohngemeinschaft, kurz Keller-WG. Sie sprechen von einer wirtschaftlichen Win-Win-Situation, die sich aus der Kostenteilung für alle vier ergibt. Schon die Bestellung von Flaschen falle bei der grossen Menge günstiger aus. Und zudem würden sie sich gegenseitig aushelfen.

Kein Einheitstrank

«Untereinander können wir zudem von unserem geballten Fachwissen profitieren», meint Diederik Michel vom Weingut Diederik. Nach einem Oenologiestudium und 14 Jahren Erfahrung konnte der Sohn eingewanderter Holländer 2014 die Pacht des gesamten Rebbergs der Küsnachter Familie Welti übernehmen. So erstrecken sich die Reben der vier Weingüter von Küsnacht über Meilen, Uetikon und Stäfa bis nach Feldbach. «Bei uns entsteht aber keinesfalls ein Einheitstrank», sagt Martin Schnorf. Die Weine der vier WG-Bewohner seien so unterschiedlich wie ihre Charaktere. Jeder habe seine eigenen Tanks und Eichenfässer, alles sei angeschrieben.

Ihren ersten gemeinsamen Anlass hält die Keller-WG bewusst auf «neutralem Boden» in Zürich ab. Im neu eröffneten Café Kornsilo in der Mühle Tiefenbrunnen, in dem abends kulinarische Events stattfinden, wollen die Winzer neue Kunden ansprechen und ihnen ihre Weine aus dem Jahrhundertsommer 2015 näherbringen.

Gratis-Weindegustation am Donnerstag, 14. April von 17 bis 22 Uhr im Kornsilo, Seefeldstrasse 231 in Zürich. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.04.2016, 16:35 Uhr

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