Kirche

Die Kirche soll auch mit dem Reformprojekt im Dorf bleiben

Im Juni entscheiden die Reformierten in Uetikon, Männedorf, Stäfa und Hombrechtikon, ob sie beim Projekt Kirchgemeinden 4 plus mitmachen. Während längerfristige strukturelle Zusammenlegungen denkbar sind, gelten Seelsorge und Gottesdienst als unantastbar.

Die reformierten Kirchgemeinden sind gefordert, sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Damit die Kirche im Dorf weiterhin eine Rolle spielt.

Die reformierten Kirchgemeinden sind gefordert, sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Damit die Kirche im Dorf weiterhin eine Rolle spielt. Bild: Archiv / Michael Trost

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Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Zählte die reformierte Kirche Ende 2015 im Bezirk Meilen 36 423 Mitglieder, waren es ein Jahr später noch 35 964. Weil dieser Abwärtstrend kantonsweit seit Jahren anhält, hat die Zürcher Kirchenleitung 2013 das ­Reformprojekt Kirchgemeinde plus gestartet, das dieser Entwicklung entgegenwirken soll. Längerfristiges Ziel ist es, die Anzahl Kirchgemeinden von gut 170 auf 40 zu senken. Das setzt insbesondere die kleineren Kirchgemeinden unter Druck. Dazu gehören auch jene im Bezirk Meilen, wo Stäfa mit 5336 am meisten Reformierte zählt.

Durch Zuzüger kompensiert

Die Kirchgemeinde Uetikon blieb bislang vom grossen Mitgliederschwund verschont. Anders als in anderen Gemeindenist die Mitgliederzahl mehr oder weniger konstant geblieben. Uetikon verzeichnet ungefähr zehn Kirchenaustritte jährlich, die aber durch Zuzüger kompensiert werden. Trotzdem wollen sich die Uetiker Reformierten mit Männedorf, Stäfa und Hombrechtikon am Reformprojekt Kirchgemeinden 4 plus beteiligen. «Wir spüren von oben den Druck und von der Basis den Wunsch nach Erneuerung», begründet Daniel Mettler die Teilnahme. Der Uetiker war bis Ende 2016 Kirchenpflegepräsident und ist heute in beratender Funktion für das Reformprojekt tätig.

Im Juni befinden die Stimmberechtigten in den vier Kirchgemeinden über das Mandat, das den Kirchenpflegen erlaubt, eine künftige vertragliche Zusammenarbeit zu prüfen. «Wir sind der Ansicht, dass es an der Zeit ist für Reformen», sagt Mettler und will damit nicht nur Einsparnisse verstanden haben. «Gerade im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum ist es wichtig, dass wir uns dazu auch inhaltliche Gedanken machen.»

«Wir spüren von oben den Druck und von der Basis den Wunsch nach Erneuerung.»Daniel Mettler, Uetikon

Ein Zusammenschluss sei durchaus denkbar, sagt Mettler, auf struktureller Ebene etwa in den Bereichen Verwaltung oder Liegenschaften. Tabu sind aber für die Uetiker und die anderen Gemeinden die Seelsorge und die Gottesdienste. Die Kirche soll im Dorf bleiben. «Für uns ist es undenkbar, die Beziehungsarbeit auszulagern», sagt die Männedörfler Kirchenpflegepräsidentin Madeleine Strub. Die Identität der Kirchgemeinde müsse gewahrt werden. Dennoch sei Männedorf offen für das Projekt und dessen Ausgang. «In der 12-köpfigen Steuerungsgruppe, die sich mit den Reformen befasst, ist sehr viel Energie zu spüren.»

Zwei wollen nicht

Meilen und Oetwil haben sich gegen die Teilnahme am Reformprojekt entschieden. Damit sind sie die einzigen Bezirksgemeinden, die sich nicht aktiv an einem Reformprozess beteiligen wollen. Beide nämlich können sich den Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde nicht vorstellen. Deshalb wollen sie auch keine Verhandlungen über eine vertraglich verbindliche Form der Zusammenarbeit führen.

«Unsere Ausgangsfrage lautete, ob wir die Zielsetzung von Kirchgemeinde plus auch ohne Zusammenschluss erfüllen können», sagt Ruedi Schwarzenbach, Meilemer Kirchenpflegepräsident. «Das können wir», sei die Antwort gewesen. Innovation und das Ansprechen von zusätz­lichen Milieus benötige keine strukturelle Vergrösserung der Gemeinde. Meilen stecke die Energie lieber in die inhaltliche Arbeit als in den Aufbau einer komplexen neuen Struktur. Dennoch betont Schwarzenbach, dass es in seiner Gemeinde inzwischen einen stärkeren Willen zur Zusammenarbeit mit anderen gebe – dank den angestossenen Diskussionen.

Zwei Gemeinden sehen

Oetwil begründet den Verzicht an der Teilnahme anders als Meilen. «Wir haben im Laufe der Diskussionen festgestellt, dass wir ganz andere Bedürfnisse haben», sagt Marianne Rohrer, Vizepräsidentin der Oetwiler Kirchenpflege. Sie seien aus geografischen Gründen nicht seeorientiert und würden auch über keine vergleichbare Steuerkraft verfügen.

«Wir haben im Laufe der Diskussionen festgestellt, dass wir ganz andere Bedürfnisse haben.»Marianne Rohrer, Oetwil

Die Skepsis gegenüber einem Zusammenschluss hat auch einen konkreten Grund. Man sehe dies am Beispiel der katholischen Kirche Egg, die für die Katholiken Oetwils zuständig sei. «In den vergangenen Jahren ist für sie das Angebot immer kleiner geworden.» Dasselbe Schicksal soll die Reformierten nicht ereilen. «Uns ist ein enger Kontakt mit den Kirchenmitgliedern sehr wichtig», betont Rohrer. Mit den Nachbargemeinden will die ­Oetwiler Kirchenpflege wie im bisherigen oder in einem erweiterten Rahmen zusammenarbeiten: punktuell und ohne vertraglichen Anschluss.

Projektstart im September

In Uetikon, Männedorf, Stäfa und Hombrechtikon entscheidet sich im Juni, wie es weitergeht. Wenn die Stimmberechtigten den Kirchenpflegen das Mandat übertragen, startet das Projekt im kommenden September. Sollte in einer der Gemeinden der Auftrag nicht erteilt werden, hätte dies auf den Projektstart keine Auswirkungen. Nur der Name des Projekts müsste dann auf Kirchgemeinden 3 plus geändert werden. Dies ist aber auch in die andere Richtung denkbar: dass es sich nämlich Meilen oder Oetwil noch einmal anders überlegen. Bis zum Abschluss des Projektes in fünf oder sechs Jahren kann noch viel geschehen.

Kirchgemeindeversammlungen zur Mandatserteilung: Uetikon, Dienstag, 6. Juni; Männedorf, Montag, 12. Juni; Hombrechtikon, Montag, 19. Juni; Stäfa, Sonntag, 25. Juni. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 09:34 Uhr

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