Küsnacht

Der rote Stromflitzer hat es den Gymischülern angetan

Im Rahmen einer Projektwoche der ­ Kantonsschule Küsnacht befassten sich Schüler mit der ­ Energie- und Klimaproblematik. Die Jugendlichen durften ­ diverse Elektromobile testen.

In der Projektwoche der Kantonsschule Küsnacht war der Tesla (links) vor dem Twike der Favorit der Jugendlichen.

In der Projektwoche der Kantonsschule Küsnacht war der Tesla (links) vor dem Twike der Favorit der Jugendlichen. Bild: Lisa Füllemann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nur das Knirschen der Kiesel­steine ist zu hören. Beinahe geräusch­los schwebt der feuer­rote Tesla über den Pausenplatz der Kan­tons­schule Küsnacht. Gebannt bestaunen die Jugend­lichen das edle Elektro­mobil. ­«Ich will auch mitfahren!», sagt ein Schü­ler. Die Fünftklässler durften am Donnerstag im Rahmen einer Projektwoche der Kanti verschiedene Elektromobile testen. Einer der Kurse, welche die Schüler je nach Interesse auswählen konnten, behandelte unter der Leitung der Physiklehrer die Energie- und Klimaproblematik.

«Wir wollen den Schülern ­ diese Woche zeigen, was für rie­sige Energiemengen heute verbraucht werden», sagt Rainer Mer­tens, Physiklehrer an der Kan­tons­schule Küsnacht. Es sei aus­ser­dem wichtig, mit den Schülern die Vor- und Nach­teile dieser Entwicklung zu besprechen.

König der Elektroautos

Die Gruppe von 18 Schülern und Schülerinnen besuchte in der Projektwoche unter ande­rem das ­mit dem Solarpreis ausgezeich­nete Minergie-P-Haus der Familie Truf­fer in Küs­nacht, die Windenergieanlage Calandawind in Hal­den­stein und die schul­eige­nen Solarzellen auf dem Dach. Neben theoretischen Vorträgen von Exper­ten wurde aber auch Praktisches angewendet. Die Schüler mussten die ganze Woche hindurch ihren eigenen Energie­verbrauch messen – sogar beim Duschen.

Am Donnerstag behandelte ­ die Gruppe die Mobilität im Zu­sammen­hang mit der Energie- und Klima­problematik. Der ge­ringe Energiebedarf und das ­Aufladen über Nacht sind nur ­einige Vorteile eines Elektro­mobils. Elektroautos bringen ­jedoch auch Nachteile mit sich. Sie gelten bis heute nicht als Statussymbole, sind relativ teuer und haben eine geringe Reichweite.

Nicht nur das Elektroauto ­Tesla kann am Donnerstag getestet werden. Rainer Mertens hat sein elektrisches Motorrad mit­gebracht, das sogenannte Zero Motor­cycle. Weitere Lehrer haben ein ­Twike, also ein dreirädriges Leichtelek­tromobil für zwei Personen, ein ­E-Bike, einen E-Scoo­ter und den Tesla zur Verfügung gestellt.

Schüler berechnen Effizienz

Christian Grütter, Rektor und Physiklehrer der Kanti Küs­nacht, möchte den Schülern zeigen, dass Verbrennungsmotoren höchst ineffi­zient sind. Mittels einer Physikaufgabe sollen sie den Unterschied im Energieverbrauch zwischen einem ­Twike und einem Benzinfahrzeug berechnen. «Danach habt ihr euch das Testen ­ der Elektromobile verdient», sagt Grüt­ter. «Im ­Twike oder im ­Tesla?», fragt ein Schüler und bringt die Gruppe zum Lachen.

«Wir wollen ­den Schülern zeigen,
was für riesige ­Energiemengen
heute verbraucht werden.»
Rainer Mertens, ­Physiklehrer

Es wird relativ schnell klar, ­ dass der elegante ­Tesla S der absolute Favorit der Schüler ist. Der Wagen hat eine 85-Kilowattstunden-Batterie und stolze 385 PS. Den Tesla aufzuladen, dauert ­circa eine Stunde. «Einen Benzin­motor kann man schneller auftanken», sagt Grütter, «doch den ­Tesla ­ kann man dafür viel billiger und ­zum Beispiel über Nacht auf­laden.» Es sei ein zukunftswei­sendes Auto, das Elektro­mobile populär machen könnte.

Im ­Twike auf die Strasse

Dank der Aussicht, in einem ­Tesla mitfahren zu dürfen, lösen die Schü­ler motiviert die Physikaufgaben. «Ein Elektroauto ist viel effizi­enter als ein Benzinfahrzeug», sagt eine Schülerin verblüfft zu ihrer Kollegin. Nach dem Lösen der Aufgaben dürfen sich die Fünftklässler endlich auf den Pausenhof begeben und sich zum Beispiel bei Rainer Mertens auf sein Elektromotorrad schwingen und eine Runde drehen. Angst, sich am Auspuff zu verbrennen, muss man bei diesem Motorrad ausnahmsweise keine haben. Chris­tian Grütter nimmt Schüler im 20 Jahre alten ­Twike mit. Die ande­ren Autos auf der Strasse scheinen im 120 Zentimeter ­hohen Fahrzeug gefährlich gross, dazu spürt man jede Unebenheit.

Die Schüler, die im ­Tesla mit­gefahren sind, wirken begeis­tert. «Wenn ich mal ein Auto kaufe, dann definitiv einen ­Tesla», sagt eine Schülerin, als sie von der Spritztour zurückkehrt. Ein anderer Schüler schwärmt vom Innenleben des Elektromobils. Gebremst werde nicht mit der ­Bremse, sondern, wenn man vom Gaspedal gehe.

Als das ­Twike neben dem ­roten ­Tesla angerollt kommt, lachen ­ die Schüler. Tatsächlich sieht ­ der Zweisitzer neben dem modernen ­Tesla etwas unbeholfen aus. «Dass Elektroautos so leise sind, ist schon ein wenig unheimlich», sagt eine Schülerin, «aber von ­ der Kraft, die diese Fahrzeuge besit­zen, bin ich echt beeindruckt.» Eine andere Schülerin nickt und sagt: «Ich bin ja nicht ­ so autobegeistert, aber das war wirk­lich ­cool.» ()

Erstellt: 13.02.2016, 10:50 Uhr

Technikwoche am Gymi

Unterstützt wurde das Projekt Technik­woche von der Vereinigung IngCH. Seit 1992 führt diese an verschiedenen Schulen Technikwochen durch. ­Das Projekt wird mittlerweile rund 40-mal pro Jahr an Schweizer Gymnasien angeboten. In ­Küsnacht war IngCH bereits zum zwölften Mal dabei. (lif)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!