Männedorf

Boldern plant Traumazentrum für Flüchtlinge

Wer als Flüchtling psychologische Hilfe braucht, muss monatelang auf einen Termin warten. Der Trägerverein Boldern will mit einem neuen Angebot in Männedorf Abhilfe schaffen. Er hofft auf eine Zusammenarbeit mit dem Unispital.

Der Trägerverein Boldern will Opfern von Krieg, Folter oder Hunger Hilfe leisten.

Der Trägerverein Boldern will Opfern von Krieg, Folter oder Hunger Hilfe leisten. Bild: Archiv / Kurt Heuberger

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Hortus heisst Garten auf Lateinisch. Und wie ein Garten, wo neue Hoffnung keimt, soll das Projekt Hortus auf Boldern für traumatisierte Flüchtlinge sein. In der ehemaligen reformierten Heimstätte hoch über Männedorf ist ein weitherum einzigartiges Angebot geplant: eine Tagesklinik für Opfer von Krieg, Folter oder Hunger, die schwere psychische Belastungen erlitten haben.

Das Zentrum soll eine Art Ableger werden des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer (AFK), das in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Zürcher Unispitals angesiedelt ist. So jedenfalls wünscht es sich der Vorstand des Trägervereins Boldern, der die Idee kürzlich der Mitgliederversammlung präsentiert hat. Fragt man Ulrich Schnyder, den für das AFK verantwortlichen Klinikdirektor, klingt es etwas vorsichtiger: Grundsätzlich gehe das Universitätsspital zwar gerne Kooperationen in der Gesundheitsversorgung ein, sagt Schnyder. Bis jetzt lägen aber weder konkrete Pläne noch eine offizielle Anfrage des Trägervereins Boldern vor.

Patienten neben Hotel

Schnyder selbst nahm Ende März an einem Workshop mit den Hortus-Verantwortlichen teil. Persönlich sei er am Projekt «sehr interessiert», sagt der Psychiater, der demnächst in den Ruhestand tritt. «Ein ergänzendes Angebot wäre wunderbar.» Denn aus seiner Erfahrung weiss Schnyder, wie gross die Not bei traumatisierten Flüchtlingen ist. Am Ambulatorium in Zürich bestünden seit Jahren Wartezeiten von 6 bis 18 Monaten. «Meine Mitarbeiter empfinden es als unmenschlich, wenn sie den Leuten sagen müssen: ‹Vielleicht können wir in einem Jahr mit euch reden.›»

Auch die Männedörfler Sozialvorsteherin Heidi Burkhardt (GLP) begrüsst die geplante Tagesklinik. Das Problem mit den langen Wartefristen für die Betroffenen würde entschärft, und die Lokalität auf Boldern sei gut geeignet. Zu berücksichtigen sei indes, wie die Versorgung der Flüchtlinge mit dem Betrieb des neu lancierten Seminarhotels einhergehen könne.

Heidi Burkhardt gibt weiter zu bedenken, dass das ambulante Angebot nicht zu einem stationären werden dürfe. Dies würde in Konflikt geraten mit der regulären Flüchtlingsquote, die Männedorf erfüllt. «Wir haben 78 Asylsuchende gut untergebracht», sagt Heidi Burkhardt. Mehr dürften es nicht werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.06.2017, 15:17 Uhr

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