Küsnacht

Shilpa spielt Klavier wie eine Grosse

Die siebenjährige Shilpa Hall hat am Zürcher Musikwettbewerb den ersten Preis gewonnen und im Dezember in der Royal Albert Hall in London auftreten können. Doch auch Experimente mit Chemie faszinieren die Kleine.

Da Shilpas Beine den Boden noch nicht erreichen, hat man ihr einen Kinderpedalschemel hingestellt.

Da Shilpas Beine den Boden noch nicht erreichen, hat man ihr einen Kinderpedalschemel hingestellt. Bild: Moritz Hager

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Der Donnerstag ist derzeit Shilpas Lieblingstag. Dann steht nicht etwa, wie man beim jungen Klaviertalent meinen könnte, der wöchentliche Unterricht an der Musikschule Konservatorium bei Ingrid Karlen in Zürich an. Auch nicht die Jazzlektionen bei Floriano Inacio Junior, für die sie die Musikschule in Küsnacht aufsucht. Die Zweitklässlerin schüttelt mit einem verlegenen Lächeln den Kopf: «Dann experimentieren wir», klärt sie einen auf. Mutter Asha Hall ergänzt: «Chemie ist ihr liebstes Fach an der Talenta.»

Die Zürcher Privatschule für kognitiv hochbegabte Kinder besucht Shilpa seit letztem Sommer. Denn nicht nur konnte sie mit vier Jahren schon lesen. Seit sie drei ist, lernt die mit Deutsch und Englisch Aufgewachsene Chinesisch, «einfach so», wie sie achselzuckend erklärt. Zudem versteht die Siebenjährige die Muttersprache ihrer indischstämmigen Mutter, die mit einem ehemaligen NLF American Football Spieler verheiratet ist.

Dass die Menschen vor allem Freude an ihrem Klavierspiel haben, weiss Shilpa inzwischen. 2015 belegte sie als jüngste Teilnehmerin den dritten Platz beim Zürcher Musikwettbewerb, letztes Jahr reichte es gar für den ersten Preis in ihrer Alterskategorie bis zehn Jahren, wobei sie in der Sparte Kammermusik zusammen mit einer zehnjährigen Cellistin brillierte.

Auf Elton Johns Piano gespielt

Darauf meldete sie die Mutter an einen internationalen Musikwettbewerb für hochkarätige Nachwuchsspieler in London an und reichte zugleich ein Video mit Shilpas Klavierspiel ein. Worauf die Kleine Mitte Dezember prompt eingeladen und in der Royal Albert hall vorspielen durfte. Es reichte zwar «nur» für den zweiten Platz. Dennoch durfte die junge Küsnachterin am Schluss im vornehmen Elgar Room am legendären roten Flügel von Elton John «Le petit nègre» von Claude Debussy vortragen. Darauf ist der kleine Wirbelwind, der nicht lange untätig am Tisch sitzen mag, besonders stolz.

Die Geige, auf der die Mutter ab und zu spielte, hat Shilpa nie interessiert.

Ein Highlight für die junge Preisträgerin ist das erhaltene iPad sowie ein Digitalpiano, auf dem sie jetzt schon erste Erfahrungen mit komponieren macht. Durch diese Geschenke, sagt die Mutter, habe sie begriffen, dass sie neben der immateriellen Wertschätzung nicht nur von den eigenen Eltern für ihre Leistung mit Dingen belohnt würde, die ihr Freude bereiteten.

Ein Kinderspiel

Shilpa hat genug geplaudert, denn plötzlich hievt sie sich mit einem Satz auf den Klavierhocker, um auf dem Steinway-Flügel vorzuspielen. Da ihre Beine den Boden noch nicht erreichen, hat man ihr einen Kinderpedalschemel hingestellt. Kaum hat sie die kleinen Hände auf die Tasten gelegt, ändert sich ihr Gesichtsausdruck. Ernst und konzentriert spielt sie auswendig das Bach-Preludium in D-Moll, als wäre dies das Selbstverständlichste auf der Welt.

Auch das Jazzstück «Waltz for Autumn» von Terry Seabrook scheint für sie buchstäblich ein Kinderspiel zu sein. Am Schluss spreizt sie die rechte Hand auf den Tasten und demonstriert, dass sie demnächst eine Oktave fassen kann.

Mit vier Jahren kam Shilpa, damals noch im Kindergarten, erstmals in Berührung mit einem Klavier und war augenblicklich vom Klang der Tasten fasziniert. «Es tönt so schön», begründet sie denn auch, warum sie unbedingt Klavierspielen lernen wollte. Geige, auf der die Mutter ab und zu spielte , hat Shilpa hingegen nie interessiert. Maria Wildhaber war ihre erste Musiklehrerin, die es mit kindergerechtem Lehrmaterial verstanden hat, die Neugierde des Mädchens zu stillen und sie spielerisch in die Welt der Tasten einzuführen. Das gelang so gut, dass die Talentierte schon ein Jahr später am Konsi aufgenommen wurde.

Am liebsten spielt Shilpa ohne Noten, dafür umso mehr mit Hingabe. Das ist auch der Grund, warum man den Blick nicht von ihr lassen kann. Obwohl sie nach wenigen Wochen ein Stück auswendig kann, muss sie dennoch dafür üben, obwohl sie nicht täglich am Klavier sitzt. Von den Eltern gibt es keinerlei Druck. Auch wenn Shilpa, die nach ihrem Berufswunsch gefragt wie aus der Kanone geschossen «Wissenschaftlerin» angibt, einst keine gefeierte Pianistin wird: Ihre Mutter ist überzeugt, dass sie dank der Musik lernt, sich mit Ausdauer einer Sache zu widmen, wenn sie darin Erfolge erzielen will. «Zudem stärken die Auftritte vor Publikum ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen», sagt Asha Hall, – Soft Skills, die auch einer Wissenschaftlerin zugute kämen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.02.2017, 15:03 Uhr

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