Uetikon

Initiative fordert Aufarbeitung der Uetiker Fabrikgeschichte

Ende letzten Jahres nahm ein Redaktionsteam die Arbeit an der neuen Uetiker Ortsgeschichte auf. Jetzt verlangt eine Initiative eine inhaltliche Ergänzung.

Mit der Initiative von Rolf Käpppeli soll auch die Wechselwirkung zwischen der Chemie Uetikon und dem Dorf aufgearbeitet werden.

Mit der Initiative von Rolf Käpppeli soll auch die Wechselwirkung zwischen der Chemie Uetikon und dem Dorf aufgearbeitet werden. Bild: Archiv ZSZ / Michael Trost

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Uetikon erhält eine neue Dorfgeschichte. Vor gut einem Jahr informierte der Gemeinderat über das geplante Projekt. Im letzten Herbst nahm das sechsköpfige Redaktionsteam, unter der Leitung von Hans Ulmer, seine Arbeit auf. Vor ein paar Wochen fand ein Workshop statt, an dem sich Interessierte einbringen konnten. Man könnte also meinen, die neue Ortsgeschichte sei auf gutem Weg. Doch weit gefehlt.

Vor einigen Tagen hat der Uetiker Rolf Käppeli beim Gemeinderat zusammen mit zwei weiteren Unterzeichnern eine Initiative mit dem Titel «Neue Ortsgeschichte Uetikon» eingereicht. Sie fordert vom Gemeinderat einen Vorschlag, wie die 200-jährige Industriegeschichte Uetikons historisch aufgearbeitet werden soll. Im Zentrum stehen dabei die Chemische Fabrik und die Firma Kipper Wirz. Ein separates Teilprojekt soll die Dorfchronik ergänzen und die Wechselwirkung zwischen Dorf und Unternehmen beschreiben.

Initiative als Ausweg

Für Rolf Käppeli ist die Initiative die letzte Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. «Ich habe es bereits mehrere Male versucht», sagt er. Die Initiative sei die Folge seiner erfolglosen Versuche. Käppeli hat seine Kritik am Vorge-hen des Gemeinderats in einem Leserbrief kundgetan, Mails geschrieben, mit den Verantwortlichen gesprochen, sich am Workshop eingebracht – aus seiner Sicht vergeblich. «2018 geht die 200-jährige Industriegeschichte Uetikons mit der Schliessung der Chemischen Fabrik definitiv zu Ende», sagt er. Es sei falsch, die Fabrik in der neuen Ortschronik auszublenden.

Käppeli begründet sein An­liegen mit dem Vorläufer dernun aufgegleisten Ortsgeschichte. Schon das 300-seitige Buch von Peter Ziegler aus dem Jahr 1980 streife die Fabrikgeschichte nur am Rand – auf knapp drei Seiten. Mit seiner Forderung soll diese Lücke geschlossen werden.

Der pensionierte Mittelschullehrer bringt ausserdem die neu zugänglichen Quellen zur Fabrikgeschichte im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv Basel ins Spiel. «Ihre Aufarbeitung kann nur von erfahrenen Lokalhistorikern bewältigt werden», sagt er.

Kein Eigeninteresse

Selber will Käppeli sich aber nicht einbringen. «Das würde ich mir nicht zutrauen. Ich habe Geschichte nur im Nebenfach studiert.» Ihm gehe es um die un­abhängige Aufarbeitung durch einen Experten. Es sei nichtmehr zeitgemäss, jemanden ohne einen solchen Hintergrund eine Dorfgeschichte schreiben zu lassen.

Was der Initiant letztlich fordert, ist eine öffentliche Diskussion. «Der Gemeinderat hat die neue Ortsgeschichte im kleinen Rahmen beschlossen.» Käppeli findet, dass sich die Gemeindeversammlung mit dem Thema beschäftigen sollte. In seiner In­itiativbegründung erwähnt er den Projektbeschrieb des Gemeinderats. Das Vorhaben beziffere Kosten von minimal 133 000 und maximal 255 000 Franken. Käppeli verweist auf die Kompetenz des Gemeinderats, die bei 200 000 Franken liege.

Austritt aus Redaktionsteam

Dass seine Forderung Mehrkosten generiert, ist ihm bewusst. Er erwähnt die Gemeinde Windisch als Beispiel, wo eine vergleichbare Aufarbeitung einer Fabrikgeschichte 120 000 Franken gekostet hat. Aber Offerten müsse die Gemeinde selber einholen, betont er.

Käppeli ist nicht der Einzige, der die in Auftrag gegebene ­Ortsgeschichte kritisiert. Vor Kurzem ist Armin Pfenninger, Präsident des Ortsmuseums, aus dem Redaktionsteam ausgetreten. Grund seien unterschiedliche Auffassungen in Zusammenhang mit dem Aufbau und dem Konzept. «Mehr möchte ich dazu nicht sagen.» Mit der Initiative hat Pfenninger nichts zu tun. Zu dieser äussert sich Gemeindepräsident Urs Mettler erst, nachdem sie im Gemeinderat behandelt worden ist. Für eine inhaltliche Diskussion muss sie aber zuerst noch für gültig erklärt werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2017, 17:21 Uhr

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