Bootsplätze

Tausende warten auf einen Bootsplatz

Bootsbesitzer am Zürichsee warten oft jahrzehntelang auf einen Bootsplatz. Über 100 Interessenten stehen auf der Liste fast jeder Gemeinde am linken Ufer. Eine Warteliste knackt gar die 300er-Marke.

Bootsplätze wie hier in Thalwil sind begehrt.

Bootsplätze wie hier in Thalwil sind begehrt. Bild: Archiv

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Kaum weichen die Wolken und steigen die Temperaturen, zieht es die Böötler der Region auf den Zürichsee. Doch wohin mit dem Gefährt, wenn die Fahrt zu Ende ist? Ein Dilemma. Die Nachfrage nach Abstellplätzen ist gross. Sie übersteigt die Zahl der effektiv vorhandenen Bootsplätze bei Weitem. Am Zürichsee stehen zwar über 9100 Bootsplätze zur Verfügung. Sie sind vorwiegend im Besitz von Gemeinden, Hafen-Genossenschaften und Werften. Doch: Böötler warten oft eine halbe Ewigkeit auf einen Abstellplatz.

Im Februar erfolgt das alljährliche Ritual vom Erneuern der Bewerbung für einen Bootsplatz, um den Listenplatz zu behalten. Ein wiederkehrender administrativer Prozess, den einige Interessenten wohl schon über zwanzig Mal durchgeführt haben.

Bis zu 30 Jahre Wartezeit

Die Wartezeit auf einen gemeindeeigenen Bootsplatz kann in Extremfällen sogar über 30 Jahre lang dauern. Oftmals werden Bootsplätze nämlich innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. In Wädenswil ist dies nur einmalig möglich.

Wird doch einmal ein Platz frei, kommt die Person zum Zuge, die auf der Warteliste zuoberst steht. «Durchschnittlich gehen wir von 3 bis 4 Wechseln pro Jahr aus», schildert der Horgner Gemeindeschreiber Felix Oberhänsli die geringe Fluktuation.

An der Goldküste kann einen die lange Wartezeit teuer zu stehen kommen: Hier verlangen gewisse Gemeinden wie etwa Erlenbach einen jährlichen Beitrag für den Verbleib auf der Warteliste.

Am linken Zürichseeufer gibt es diese jährliche Gebühr noch nicht, es wird aber darüber seit einiger Zeit über eine Einführung diskutiert — aktuell in Oberrieden.

370 Bewerber in Wädenswil

Ein neues Gebührenreglement sei in Bearbeitung, hält Isabelle Raimann von der Liegenschaftsverwaltung in Oberrieden fest.

Bisher müssen Bewerber in den übrigen Seegemeinden im Bezirk Horgen erst eine einmalige Anmeldungsgebühr zahlen. Diese bewegt sich zwischen 80 Franken — wie etwa in Richterswil oder Wädenswil — und Höchstbeträgen von 200 Franken in Thalwil oder Kilchberg.

Am meisten Bewerber verzeichnet die Gemeinde Wädenswil mit 370 Bewerbungen. Im Jahr 2013, als die Umfrage von der ZSZ zuletzt durchgeführt wurde, waren auf derselben Liste 312 Böötler gelistet. Die Anzahl Bewerbungen nehme zu oder bleibe auf einem hohen Niveau bestehen, bilanzieren die Gemeinden im Bezirk.

Kleine Boote im Vorteil

Horgen ist hinter Wädenswil die Gemeinde mit der zweitlängsten Warteliste: Hier warten zurzeit 266 Interessenten auf einen der 222 gemeindeeigenen Bootsplätze. Horgen dicht auf den Versen ist Thalwil. 227 Böötler haben sich bei der Gemeinde für einen Abstellplatz beworben. Die übrigen drei Gemeinden mit Seeanstoss verzeichnen zwischen 80 bis 150 Interessenten.

Eine Tendenz spüren alle Gemeinden: Insbesondere breite Stellplätze sind gesucht, aber rar. Für schmale Boote lässt sich rascher einer finden. So sind in Rüschlikon — obwohl in dieser Gemeinde derzeit 136 Bewerber auf einen Platz warten — noch drei schmale Plätze zu haben. Die Tendenz der heiss umworbenen breiten Stammplätze wird sich voraussichtlich verschärfen, da die Boote immer grösser werden. Wer ein kleines Fischerboot mit einer Breite unter zwei Metern unterbringen muss, kann mit einer Wartezeit von unter fünf Jahren rechnen.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.03.2017, 18:41 Uhr

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