Wädenswil

Soziale Vorzeigeprojekte haben sich in Wädenswil etabliert

«Wädi rollt» und der Schreibdienst der Stadt feiern gemeinsam ihr zehnjähriges Bestehen. Mittlerweile sind beide fest in der Gemeinde verankert.

«Wädi rollt» bietet der Bevölkerung verschiedenste Angebote an, die Ausleihe ihrer roten Flitzer wird rund 2800-mal im Jahr genutzt.

«Wädi rollt» bietet der Bevölkerung verschiedenste Angebote an, die Ausleihe ihrer roten Flitzer wird rund 2800-mal im Jahr genutzt. Bild: Moritz Hager

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Die beiden Sozialprojekte «Wädi rollt» und der Schreibdienst der Stadt Wädenswil haben am Donnerstag ihr zehnjähriges Bestehen mit 50 Gästen gefeiert. «Wädi rollt» ist ursprünglich ein Ausleihdienst von Fahrrädern. Er gibt Erwerbslosen eine Beschäftigungsmöglichkeit. Der Schreibdienst hilft Personen bei der Bewältigung von Papierkram.

Dass diese Projekte schon so lange bestehen, sei keine Selbstverständlichkeit sagt Astrid Furrer (FDP), Stadträtin Soziales in Wädenswil, an der Feier. Sie erklärt sich das so: «Es braucht Offenheit bei den Gemeinden für neue Ideen und die Bereitschaft, über den eigenen ‹Gartenhag› zu schauen. Andererseits muss man das Ziel vor Augen behalten: die Eingliederung der Personen in den Arbeitsmarkt.» Die Projekte werden gut in Anspruch genommen. Insgesamt 128 Personen hatten Konsultationen beim Schreibdienst. Die meisten haben ihren Wohnsitz in Wädenswil. «Wädi rollt» hat in der vergangenen Dekade 320 Personen beschäftigt.

Beide Projektleiter freut, dass zunehmend Frauen Beschäftigung suchten oder den Schreibdienst in Anspruch nahmen. Anfangs kamen vor allem junge Männer, die sich für die Dienste interessierten. In den letzten vier Jahren nahm das Interesse der Frauen jedoch stetig zu.

Hilfe bei Papierkram

Obschon sie gemeinsam feiern, sind es zwei voneinander unabhängige Organisationen. «Wädi rollt» ist ein Velosozialprojekt des Hilfswerks der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) im Auftrag der Stadt Wädenswil. Der Schreibdienst der Stadt wird von elf Freiwilligen, oft pensionierten Beamten und Lehrern, unter der Leitung von Gion Brühlmann geführt.

«Es braucht Offenheit bei den Gemeinden für neue Ideen und die Bereitschaft, über den eigenen ‹Gartenhag› zu schauen.»Astrid Furrer (FDP)

Der Schreibdienst mit Büro an der Seestrasse hilft, Bewerbungen zu verfassen, Wohnungsinserate zu beantworten, das Beamtendeutsch verständlich zu machen. «Was uns immer wieder motiviert, sind Nachrichten von ehemaligen Klienten, die nach langer Suche einen Job oder eine Bleibe gefunden haben», sagt Brühlmann.

Hilfe durch Struktur

Edo Tikvesa, der Projektleiter von «Wädi rollt», will besonders durch eine geordnete Tagesstruktur Starthilfe bieten. Momentan sind 25 Asylsuchende und Erwerbslose mit dem Unterhalt der Velostation betraut. Gestartet wurde als Veloverleih vor der Coop-Filiale, in der Zwischenzeit sind unterschiedliche Tätigkeiten dazugekommen. Die Teilnehmer machen Hauslieferungen per Velo, Hilfsarbeiten auf der Eisbahn, Reinigung des Seeufers und des Bahnhofareals.

Bei Lhakpa Kyang hat sich die Vision von Tikvesa erfüllt. Der Tibeter kam 2012 in die Stadt am Zürichsee, nachdem er aus seiner Heimat geflüchtet war. Kurz nach seiner Ankunft begann er bei «Wädi rollt» zu arbeiten. «Hier konnte ich mein Deutsch anwenden, habe mich zum ersten Mal wirklich mit der Schweizer Kultur auseinandergesetzt, habe neue Freunde gefunden und gelernt, wie wichtig den Schweizern Pünktlichkeit ist.» Heute ist der 44-Jährige im zweiten Lehrjahr als Pflegefachmann in einem Altersheim in Zürich beschäftigt.

Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) fasst das Doppeljubiläum folgendermassen zusammen: «Für mich sind ‹Wädi rollt› und der Schreibdienst längst keine Projekte mehr, sondern ein fester Bestandteil der Gemeinde». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.05.2017, 11:18 Uhr

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