Langnau

Ein Waschküchenstreit unter Männern

Freispruch für eine tätliche Auseinandersetzung in der Kampfzone Waschküche gabs für einen Langnauer. Damit revidierte das Obergericht ein Urteil des Bezirksgerichts Horgen, das ihn zu einer Geldstrafe verurteilt hatte. Sein Kontrahent muss eine Busse und Gerichtskosten zahlen.

Kampf zwischen Leintuch und Tumbler: In Langnau gerieten sich zwei Männer in der Waschküche in die Haare.

Kampf zwischen Leintuch und Tumbler: In Langnau gerieten sich zwei Männer in der Waschküche in die Haare. Bild: Symbolbild/Keystone

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Es sei doch bemerkenswert, dass die Emanzipation der Männer nun auch in den Waschküchenauseinandersetzungen Einzug gehalten habe, so kommentiert der Gerichtsvorsitzende leicht ironisch den Prozess vom Donnerstag am Obergericht.

Schauplatz sind zwei Waschküchen in einer Genossenschaftssiedlung in Langnau. Ein Samstagnachmittag im Juni 2015. Zwei Junggesellen, beide heute noch ohne Partnerin, sind mit ihrer Schmutzwäsche beschäftigt. Der eine, ein 45-jähriger Handwerker, nennen wir ihn Nachbar Z, ist in derjenigen Waschküche zugange, die gemäss ungeschriebenem Gesetz dieser Siedlung dann frei ist, wenn gerade niemand wäscht. Nachbar A, zehn Jahre jünger und sehr auf die Einhaltung des Waschplans bedacht, ist daneben mit Fein- und Kochwäsche beschäftigt.

Eine weitere Bewohnerin samt ihrem Freund tritt in die Waschküche von Nachbar Z. Er hat ihr versprochen, dass sie nach ihm waschen könne. A bekommt nebenan mit, dass über ihn gelästert wird, und stellt Z zur Rede. Eine lautstarke Auseinandersetzung beginnt. Der eher schmächtige A greift zum Pfefferspray, weil er sich angegriffen fühlt. Z wehrt sich und stösst ihn gemäss Anklage die Treppe hinunter, wodurch A am Kopf und den Armen verletzt wird. Beide rufen die Polizei und erstatten Anzeige.

Der Vorfall wird am Bezirksgericht Horgen verhandelt und der wegen eines Verkehrsdelikts bereits vorbestrafte Z wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe mit einer Probezeit von drei Jahren verurteilt, ausserdem zu Gerichts­gebühren und einer Prozessentschädigung von 3050 Franken für seinen Kontrahenten. Dieser erhält wegen seines Pfeffersprayeinsatzes eine Busse von 1000 Franken.

Beide erwarteten Freispruch

Damit ist der Waschküchenstreit noch nicht zu Ende, beide ziehen das Verfahren ans Obergericht weiter. Zu Beginn des gestrigen Prozesses gibt ihnen der Vorsitzende eine Möglichkeit, das Verfahren zu beenden. «Sie können Ihre Strafanträge zurückziehen, das würde Ihnen beiden eine Menge Kosten sparen.» Dieses Angebot stösst auf taube Ohren.

«Ich erwarte einen Freispruch», heisst es von beiden Seiten. Das Obergericht hatte nun zu beurteilen, welcher der beiden Waschküchenkampfhähne in Notwehr gehandelt hatte. Der Verteidiger von Nachbar A führt ins Feld, seine Klient könne gar nicht mehrmals den Pfefferspray eingesetzt haben, da der nur einmal sprühe. Ausserdem sei bei der Untersuchung nicht berücksichtigt worden, dass der IV-Rentner kognitive Einschränkungen habe. Der Anwalt von Z argumentiert, es sei gar nicht erwiesen, dass die Verletzungen von A von der Waschküchenauseinandersetzung stammen würden. Den Freispruch für Nachbar Z erläutert der Vorsitzende, dass das Gericht zu klären hatte, wer zuerst tätlich geworden sei. Gemäss Gericht ist es A. Der verurteilte Nachbar A kann seine Busse von 1000 Franken in gemeinnütziger Arbeit erbringen. Ausserdem muss er noch 50 Prozent der Kosten der Berufungsverhandlung tragen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 10:16 Uhr

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