Bezirksgericht Horgen

«Migrolino-Räuberin» kommt mit glimpflicher Strafe davon

Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, hat eine 31-Jährige einen Lebensmittelladen überfallen — mit vorgehaltener Waffe. Ins Gefängnis muss die hochschwangere Schweizerin dennoch nicht.

Das Bezirksgericht Horgen verurteilt die «Migrolino-Räuberin» lediglich zu einer Geldstrafe.

Das Bezirksgericht Horgen verurteilt die «Migrolino-Räuberin» lediglich zu einer Geldstrafe. Bild: Symbolbild/Keystone

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Gerade mal 2560 Franken hatte sie gestohlen. Letzten Februar hatte eine 31-Jährige aus Horgen den Migrolino am Bahnhof Horgen Oberdorf überfallen, in der Hand die Pistole des Ex-Partners. Zwei Monate später wurde die Schweizerin geschnappt, dank einer Internetfahndung und Hinweisen aus der Bevölkerung.

Nun entgeht die mehrfache Mutter dem Gang hinter Gitter. In einem abgekürzten Verfahren haben sich ihre Verteidigerin und die Staatsanwältin auf eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten geeinigt. Wegen mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz kommt eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken dazu. Beide Strafen werden während zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Zahlen muss die Frau die Gerichtskosten. Auch die Zivilansprüche der Migrolino hat sie dem Grundsatz nach anerkannt.

Die Einzelrichterin am Bezirksgericht Horgen bestätigte den Urteilsvorschlag gestern. Die Höhe der Strafe sei angemessen. Wäre der Antrag höher gewesen, hätte das die Kompetenz der Einzelrichterin überschritten und hätte von einem Dreiergremium beurteilt werden müssen.

Tatort nahe am Wohnort

Abgelaufen war die Tat damals blitzschnell. Vermummt, die ungeladene Waffe in der Hand, war die 31-Jährige gegen 21 Uhr in das Geschäft eingetreten. Sie forderte den Verkäufer auf: «Mach d’Kasse uf». Als er nicht reagierte, insistierte sie: «Chum jetzt mach. Gimmers Gäld und mach schnäll.» Der Verkäufer öffnete die Kasse, worauf die Beschuldigte in die Schublade griff und das Geld behändigte. Zu Fuss flüchtete sie an ihren Wohnort — in nur wenigen Hundert Metern Entfernung.

Im April wurde sie dort verhaftet. Dabei beschlagnahmte die Polizei neben der Pistole, die illegal im Besitz der Beschuldigten war, diverses «Kifferzubehör». Darunter mehrere Säckchen mit Marihuana und Hanfmühlen, die zur Zerkleinerung von Hanf dienen.

Mit diesem Bild, das von der Überwachungskamera im Horgner Migrolino stammt, fahndete die Polizei nach der Täterin. Bild: Kantonspolizei Zürich

Nicht gut für das Kind

Zu den Gründen für die Tat wurde die Beschuldigte gestern nicht befragt. Sie gestand aber, einen «blöden Seich» getan zu haben. Sie sei froh, wenn sie das Ganze hinter sich lassen und abschliessen könne. Offensichtlich hatte die Arbeitslose damals Geldsorgen. Die Richterin riet ihr, beim nächsten Mal gewisse Institutionen zu konsultieren, wenn sie Geld brauche. «Ein Raub ist das Dümmste, was Sie in einer solchen Situation machen können», hielt die Richterin fest.

Es handle sich bei der Tat um ein schweres Delikt, so die Richterin weiter. Das zeige sich auch daran, dass die 31-Jährige eine Waffe, wenn auch ungeladen, mitgenommen habe. «Sie wollen doch nicht die Zukunft ihrer Familie aufs Spiel setzen?» Unter diesen Umständen, jetzt wo sie Mutter werde, könne sie ja nicht ins Gefängnis gehen, meinte die Richterin zur hochschwangeren Beschuldigten. Dass sie bereits Mutter ist, hat die 31-Jährige allerdings nicht vom Überfall abgehalten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.01.2017, 15:16 Uhr

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