Wädenswil

Ist die Grubenmannkirche bereit für weitere 250 Jahre?

250 Jahre alt wird die Grubenmannkirche im Jahr 2017. Die vergangenen 250 Jahre werden im Jubiläumsjahr mit diversen Veranstaltungen gefeiert. Der Blick in die Zukunft wird dabei nicht vergessen.

250-Jahre-Jubiläum feiert die Wädenswiler Grubenmannkirche im Jahr 2017.

250-Jahre-Jubiläum feiert die Wädenswiler Grubenmannkirche im Jahr 2017. Bild: Moritz Hager

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Vor 250 Jahren bildete die Grubenmannkirche das Zentrum Wädenswils. Die Kirche war Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Wer die Uhrzeit wissen wollte, musste dem Läuten der Kirchenglocken lauschen. Politische Mitteilungen wurden in der Kirche verlesen. Der Gottesdienst war stets gut besucht. Wer wissen wollte, was im Dorf gerade lief, ging in die Kirche. Männer und Frauen sassen strikt getrennt; Frauen links, Männer rechts. Die Sitzordnung erleichterte den vierstimmigen Gesang, der damals die Kirche mit vollen Klängen erfüllte.

Die Predigt gab den Leuten die Kraft, den harten Alltag zu überstehen. Die Kirche war nicht nur ein Ort der Besinnung, sie war ein Versammlungsort für die ganze Gemeinschaft. Der Kirche kam ausserdem die Rolle der Sittenkontrolle zuteil. Wer durch unmoralisches Verhalten aufgefallen war, wurde öffentlich abgekanzelt. Die Rüge des Pfarrers von der Kanzel herab sollte den Sünder wieder auf den rechten Weg bringen.

Seither hat sich viel geändert. Die Bedeutung der Kirche und des Pfarrers hat massiv abgenommen. Viele Bänke bleiben heute während des Gottesdienstes leer. «Die herkömmliche Art, seinen Glauben in einem Gottesdienst zu leben und zu feiern, ist für viele Menschen nicht mehr passend», sagt Ernst Hörler, Pfarrer in der Grubenmannkirche und Projektleiter der Jubiläumsveranstaltungen, die im neuen Jahr zur Feier des zweihundertfünfzigsten Geburtstags stattfinden werden. «Obwohl der Tradition in der Kirche eine wichtige Bedeutung innewohnt, kann Vergangenes nicht auf ewig gleich weitergeführt werden», sagt er.

Zukunft als Herausforderung

Längst werden in der Grubenmannkriche, die vom Baumeister Hans Ulrich Grubenmann erbaut worden ist, nicht mehr nur traditionelle Gottesdienste gefeiert. Die Kirche bietet Platz für Veranstaltungen wie der Rockgottesdienst oder Konzerte. «Um die Herausforderungen zu meistern, mit denen die reformierte Kirche in der heutigen Zeit konfrontiert ist, müssen neue Formen gefunden werden, um die Botschaften der Bibel zu vermitteln», sagt Ernst Hörler.

Das Jubiläumsjahr biete die perfekte Gelegenheit, neue Veranstaltungsformen auszuprobieren, die zu einer Modernisierung der Kirche beitragen könnten. Ob Spielnachmittage, Lesungen oder Tanzabende: Das Jubiläumsprogramm biete für jeden etwas. «Auf der einen Seite geht es sicher darum, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben», sagt Hörler.

Andererseits wolle man aber auch zeigen, wie sehr sich die reformierte Kirche bereits verändert habe. In der Grubenmannkirche findet längst nicht mehr jeden Sonntag ein traditioneller Gottesdienst statt. Dies passt nicht allen. «Klar gibt es auch Leute, die sagen, es gäbe zu viel Modernes in der Grubenmannkirche», sagt Hörler. Die Herausforderung sei es, beiden Seiten gerecht zu werden.

Religiöser Kern beibehalten

Die Vorbereitungen auf das Jubiläumsjahr, das am 2. Januar mit dem Neujahrskonzert eingeläutet wird, begannen bereits vor eineinhalb Jahren. Anlässlich des 250-Jahr-Jubiläums hat die Denkmalpflege erlaubt, die Kirchenbänke im Kirchenschiff seeseits für ein Jahr zu entfernen. Dies soll Platz bieten für die Veranstaltungsreihe im neuen Jahr. In Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen wurde ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. Auf den ersten Blick scheinen einige der Veranstaltungen nicht viel mit Religion zu tun zu haben. Für Ernst Hörler beinhalten aber zum Beispiel eine Tanzveranstaltungen durchaus einen religiösen Kern. «Die Freude an der Beweglichkeit und am Leben, die Tanzen vermittelt, schafft in meinen Augen durchaus eine Verbindung zu Gott», sagt er.

Ob es die Grubenmannkirche in dieser Form auch in 250 Jahren noch geben wird, kann Ernst Hörler nicht sagen. «Die Kirche als Institution wird sich verändern müssen, wenn sie überleben will», sagt der Pfarrer. In Zukunft müsse sich die Kirch vermehrt auf die inneren Werte der Menschheit konzentrieren. Äusserlichkeiten und Materialismus allein würden die Leute nicht glücklich machen. Ernst Hörler ist sich sicher, dass der Glaube auch in in kommenden Jahren überleben wird. Sein Ziel ist nicht, die Gottesdienste komplett zu füllen. Viel eher soll die Kirche ein Ort des Rückzugs bieten, ein Ort der Wertschätzung und der Gemeinschaft. Für Ernst Hörler steht fest: «Sollt die Grubenmannkirche aus dem Dorf verschwinden, würde der Gemeinschaft bestimmt sehr viel fehlen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.12.2016, 16:00 Uhr

Jahresprogramm

Vom Zwingli-Musical bis zur Ballnacht

Neujahrskonzert: Montag, 2. Januar, 17 Uhr
«Wie vor 250 Jahren» — Jubiläums-Gottesdienst: Sonntag, 5. Februar, 10 Uhr
Kunsthistorische Führungen: Sonntag, 26. Februar, 11.30 Uhr/ Sonntag, 2. April, 16 Uhr/ Donnerstag, 29. Juni, 18 Uhr/ Sonntag, 22. Oktober, 11.30 Uhr
Chiletalk mit Anita Richner: Sonntag, 12. März und 29. Oktober, 10 Uhr
Zwingli-Musical: Samstag, 8. April, 17 Uhr
Klang’17 - Das Festival zum Jubiläum: Samstag, 10. Juni, 13 bis 23 Uhr
Tagesausflug nach Teufen: Sonntag, 11. Juni
Kinderwagen-Wallfahrt: Sonntag, 18. Juni, 14 bis 16 Uhr
Gottesdienst im Rosenmattpark: Sonntag, 9. Juli, 10.30 Uhr, Rosenmattpark
30 Jahre Wättischwiler Chilbimusig: Freitag, 25. August, 19 Uhr
Auf dem Kirchturm: Samstag, 26. August/ Sonntag, 27. August, 14 bis 17 Uhr
Das grosse Gastmal: Sontag, 3. September, 10 Uhr
Spielen in der Kirche: Mittwoch, 6. September, 14 und 19 Uhr
Shall we dance?: Freitag, 8. September, 18.30 Uhr (Crashkurs), 20 Uhr (Ballnacht)
Tables Blanches: Samstag, 9. Septmeber, 19 Uhr
Nikolaus Habajan & Freitagsakademie Bern: Freitag, 10. November, 10 Uhrnwe

Das vollständige Jahresprogramm und weitere Informationen zu den Veranstaltungen des 250-Jahr-Jubiläums gibt es auf: www.kirche-waedenswil.ch/jubilaeum.

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