Adliswil

Helfer auf vier Rädern

Seit mehr als 30 Jahren betreibt Tixi Zürich einen ­Fahrdienst für Menschen mit Behinderung. Aus dem Bezirk ­Horgen engagieren sich 34 Fahrer und Fahrerinnen freiwillig. Der Adliswiler Jürg Bommer ist einer von ihnen.

«Ich behalte nicht nur meine Fahrpraxis und kann anderen helfen, ich ­habe auch immer wieder sehr schöne Begegnungen»: Jürg Bommer hilft einer Frau im Rollstuhl beim Einstieg ins Tixi-Taxi.

«Ich behalte nicht nur meine Fahrpraxis und kann anderen helfen, ich ­habe auch immer wieder sehr schöne Begegnungen»: Jürg Bommer hilft einer Frau im Rollstuhl beim Einstieg ins Tixi-Taxi. Bild: Moritz Hager

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Es ist kurz nach 7 Uhr. Jürg Bommer sitzt in der Hauptzentrale von Tixi in Zürich. Er trinkt einen Kaffee und unterhält sich mit einem anderen Fahrer. Der Adliswiler engagiert sich seit vergangenem Mai freiwillig für Tixi ­Zürich und fährt Menschen mit Behinderung. Neben ihm tun das noch 33 andere Frauen und Männer aus dem Bezirk Horgen. Rund 250 betagte und behinderte Fahrgäste aus dem Bezirk sind mit Tixi unterwegs. Um 8.30 Uhr muss Bommer in Richterswil sein und seinen ersten Fahrgast abholen.

Mit seinem Fahrtenrapport geht er zum Disponenten, um ­seine nochmals mit dessen An­gaben abzugleichen. «Ein Doppelcheck», sagt Jürg Bommer. Und prompt ist noch eine Fahrt hinzugekommen. Insgesamt vier Frauen und Männer wird er heute Morgen chauffieren.

Pünktlich angekommen

Kurz vor 8 Uhr will er los. Er schnappt sich den Autoschlüssel und läuft in die Garage. Dort parkiert sogleich ein anderer junger Tixi-Fahrer aus. Als Jürg Bommer sein Navigationsgerät im Auto anstellen will, bleibt der Bildschirm schwarz. Um zurück in die Zentrale zu gehen, hat er keine Zeit. Zum Glück hat es noch ein anderes kleines, mobiles ­Navi. Dort gibt er die Adresse ­seines ersten Fahrgasts ein, und los geht die Fahrt. Selten hat es an einem Dienstagmorgen so wenig Verkehr in der Stadt. Viele haben wohl zwischen Weihnachten und Neujahr freigenommen.

Genau zwei Minuten vor 8.30 Uhr kommt er in Richterswil an. Sein Fahrgast und dessen Frau ­erwarten ihn schon. Flink öffnet Jürg Bommer den Kofferraum des VW Caddy, klappt die Rampe runter und rollt seinen Fahrgast, einen älteren Herrn im Rollstuhl, ins Auto. Vorsichtig legt er ihm den Sicherheitsgurt an, positioniert die mobile Nackenstütze am richtigen Ort und befestigt den Rollstuhl jeweils mit einer Gurte hinten und vorne.

Als freiwilliger Tixi-Fahrer kommt Bommer weit herum. Er fährt im ganzen Kanton Zürich und in zwei Aargauer Gemeinden. In Richterswil sei er allerdings zum allerersten Mal mit dem Tixi unterwegs, sagt der 65-Jährige.

«Etwas sinnvolles machen»

Nach seiner Pensionierung als Lokomotivführer bei der SBB Cargo und Teamleiter des Lokpersonals wollte er trotzdem noch etwas zu tun haben – und vor allem etwas Sinnvolles machen. So kam er zum Tixi. Jeden Montagnachmittag und Dienstagmorgen fährt er für den Verein. Und es tut ihm gut. «Ich behalte nicht nur meine Fahrpraxis und kann anderen helfen, ich ­habe auch immer wieder sehr schöne Begegnungen», erzählt er als er von Richterswil nach Horgen fährt. Er ist nicht nur Fahrer, sondern hilft auch mal einem Fahrgast die Schuhe anzuziehen oder Geschenke zu finden.

Pünktlich nach Fahrten­rapport kommt Jürg Bommer mit seinem Fahrgast in Horgen an. Er öffnet den Kofferraum, schnallt den älteren Mann los und rollt ihn rückwärts aus dem Auto. Dann bringt der Adliswiler ihn mit dem Lift einen Stock höher, wo er schon von einer Betreuerin erwartet und in Empfang genommen wird.

Nun stehen noch vier weitere Fahrten nach Zürich, Thalwil, Horgen und schliesslich nach Kilchberg auf seinem Programm. Etwa um 12.30 Uhr hat er das Auto in der Zürcher Zentrale wieder abgegeben und seine Schicht beendet. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.01.2017, 15:28 Uhr

Tixi Zürich

Seit über 30 Jahren betreibt Tixi Zürich einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung. Fahrberechtigt sind dauerhaft mobilitätseingeschränkte Personen im Kanton Zürich, die den öffentlichen Verkehr nicht ohne Hilfe nutzen können. Die persönliche Begleitung startet und endet an der Haustür. Personen mit körperlicher Beeinträchtigung, Menschen mit geistiger Behinderung und viele Betagte sind auf den Tixi-Fahrdienst ­angewiesen. Knapp 400 Frauen und Männer fahren freiwillig für den Verein. In diesem Jahr haben sie über 100 000 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet. 2016 führte Tixi mehr als 66 000 Fahrten aus und beförderte rund 75 000 Personen. (bol)

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