Zürichsee-Zeitung Obersee
Montag, 14. Juni 2010
Schwyzer Regierungsratswahlen Ergebnis des ersten Wahlgangs bestätigt
Die neue Männer-Zauberformel
Die CVP verliert einen Sitz an die FDP, und der Kanton Schwyz hat weiterhin als einziger Schweizer Kanton keine Frau in der Regierung.
Elvira Jäger
Erstes Gespräch unter den neugewählten Regierungsräten Othmar Reichmuth (links) und Kaspar Michel. (Regula Kaspar-Fisler)

Die Freude des neugewählten CVP-Regierungsrats Othmar Reichmuth war gestern ein wenig getrübt. «Wenn schon nur ein CVP-Kandidat gewählt wird, dann wäre es mir lieber gewesen, es hätte für Bernadette Kündig gereicht.» Diesen für einen Sieger erstaunlichen Satz diktierte Reichmuth kurz vor zwei Uhr in zahlreiche Mikrofone und Schreibblöcke. Er wirkte echt.

Echt war auch die Enttäuschung der beiden Frauen. Bernadette Kündig hatte ein knapperes Resultat erwartet. Sie verlor gegenüber dem ersten Wahlgang über 1000 Stimmen, wohingegen die beiden Gewählten, Reichmuth und Kaspar Michel, noch einmal deutlich zulegen konnten (siehe Artikel unten). Judith Uebersax hatte das Wahllokal im Kollegi Schwyz als Erste von allen Kandidierenden betreten, ging aber nach einem kurzen Blick auf die Resultatwand gleich wieder. Als sie zurückkehrte, hatte sie zwar ihr Lachen nicht verloren, stand aber zu ihrer Enttäuschung. Im zweiten Wahlgang sei die Unterstützung durch ihre Partei, die SVP, eher abgebröckelt, sagte sie. Eine Feststellung, die durch ihr Resultat in SVP-starken Gemeinden wie Lachen oder Vorderthal untermauert wird. Dort schnitt Uebersax im zweiten Wahlgang deutlich schlechter ab. Besonders von den Mandatsträgern in Schwyz und Bern hätte sie sich mehr Unterstützung erhofft, sagte die amtierende Parteipräsidentin.

Weniger Proteststimmen

Auch Dauerkandidat Bruno Suter konnte mit dem gestrigen Resultat nicht zufrieden sein: rund 1500 Stimmen weniger als Ende April. Es scheint, als hätten im zweiten Wahlgang, als es wirklich um die Wurst ging, weniger Wähler das Bedürfnis nach einer Proteststimme gehabt. Einig war man sich gestern im Wahllokal, dass Kaspar Michel (FDP) und Othmar Reichmuth (CVP) stark von einer Aktion profitieren konnten, welche die beiden Führenden aus dem ersten Wahlgang auf eine Liste setzte. Solche Wahlzettel und Flugblätter waren schon kurz nach dem ersten Wahlgang aufgetaucht; als Erstunterzeichner figurierte alt FDP-Nationalrat Karl Weber. Michel konnte zudem davon profitieren, dass er in Ausser- und Innerschwyz bekannt ist. FDP-Präsident Vincenzo Pedrazzini freute sich über den Regierungsratssitz, den seine Partei der CVP hatte abnehmen können, betonte aber gleichzeitig, die Wahl habe Michel gewonnen, nicht die FDP.

Und jetzt: was macht Reuteler?

Die neue parteipolitische Zusammensetzung der Schwyzer Regierung lautet: 2 CVP, 2 FDP, 2 SVP und 1 SP. Damit hat die CVP innerhalb von sechs Jahren die Hälfte ihrer Regierungsratssitze verloren. Die FDP konnte ihren Sitz, den sie 2008 an die SVP verlor, gestern wieder erobern, allerdings auf Kosten der CVP.

Wie lange die neue Schwyzer Zauberformel hält, ist ungewiss. Dass es in der FDP rumort, war gestern nicht zu überhören. Es ist ein schon beinahe offenes Geheimnis, dass Parteipräsident Pedrazzini den amtierenden Peter Reuteler in den Erneuerungswahlen 2012 durch eine jüngere Frau ersetzen möchte. Pedrazzini hatte schon für die diesjährigen Ersatzwahlen die Küssnachter FDP-Kantonsrätin Petra Gössi ins Spiel gebracht. Diese sagte dann aber aus beruflichen Gründen ab. Auf der anderen Seite verspürt Reuteler offensichtlich Lust, 2012 nochmals anzutreten, zumal er vom zurücktretenden Lorenz Bösch diesen Sommer das Statthalter- und in zwei Jahren das Landammannamt erben könnte. Er fühle sich fit und würde gerne mit Kaspar Michel zusammen noch einige Zeit in der Regierung sitzen, erklärte Reuteler gestern. Pedrazzini redete derweil von «offenen Gesprächen», welche die Partei jetzt mit dem Wollerauer Regierungsrat führen müsse.

In der Frage nach dem Lieblingsdepartement hielten sich die Gewählten erwartungsgemäss noch zurück. Reichmuth gab an, sich das Baudepartement vorstellen zu können. Vor dem Finanzdepartement hätte er als Einsteiger grossen Respekt. Das Baudepartement könnte allerdings auch den bisherigen Bildungsdirektor Walter Stählin (SVP) reizen. Michel interessieren vor allem drei Departemente: Sicherheit, Finanzen, Volkswirtschaft, eventuell auch die Bildung.

 
Zürichsee-Zeitung Obersee
14.06 2010
Die neue Männer-Zauberformel
Zürichsee-Zeitung Obersee
14.06 2010
Klares Nein zum Fällmistunnel
Zürichsee-Zeitung Obersee
21.04 2010
Löcher ritzen am Wahlgeheimnis
Zürichsee-Zeitung Obersee
12.03 2010
Der Wahlkampf ist eröffnet - wo es überhaupt einen gibt
Zürichsee-Zeitung Obersee
26.02 2010
Ueli Metzger nominiert
Zürichsee-Zeitung Obersee
28.12 2009
«Ich bin dünnhäutiger geworden»
Zürichsee-Zeitung Obersee
12.12 2009
Drei Rücktritte und viele offene Fragen
Zürichsee-Zeitung Obersee
10.12 2009
Markus Hauenstein tritt zurück