Uetikon Urs Mettler schlägt Christian Schucan im Rennen um das Gemeindepräsidium
Das «Schnupftruckli» ist am Ziel
Der neue Uetiker Gemeindepräsident heisst Urs Mettler. Klar besiegte der Parteilose seinen freisinnigen Konkurrenten Christian Schucan. Auf das Dorf kommen vier lebhafte Jahre zu. Daniel Fritzsche
Wird Uetikon die nächsten vier Jahre regieren: Urs Mettler. (Reto Schneider)
Das «Schnupftruckli» konnte im Uetiker Wahlkampf viel Munition für seine Schnitzelbank-Verse sammeln. Die Kunstfigur, die an der Fasnacht jeweils von Beiz zu Beiz zieht, ist Urs Mettlers Alter Ego - und dem neuen Gemeindepräsidenten nicht unähnlich. Beide sagen sie «frisch von der Leber», was sie denken, und klopfen auch schon mal auf den Tisch, wenn ihnen etwas nicht passt.
Die direkte, «hemdsärmelige» Art des bisherigen Finanzvorstandes ist bei den Uetiker Stimmbürgern offensichtlich angekommen: Nachdem Mettler bereits den ersten Wahlgang vom 25. April klar für sich entschieden hatte, das absolute Mehr aber verpasste, glänzte er gestern erneut. Mit 943 Stimmen lag der Parteilose deutlich vor seinem Konkurrenten Christian Schucan von der FDP, der lediglich 552 Stimmen erhielt.
Vergangenheit ruhen lassen
Überrascht vom deutlichen Resultat zeigte sich Urs Mettler an seiner Wahlfeier im Haus Wäckerling nicht: «Ich habe damit gerechnet», sagte er unbescheiden. Der FDP sei es auch mit grossem PR-Aufwand nicht gelungen, «einen perfekten Kandidaten zu konstruieren». «In Uetikon funktioniert das nicht», meinte er. Er hingegen sei im Dorf verankert und bekannt für seine klare Meinung.
Als Vorsteher des Gemeinderats, dem neben Christian Schucan zwei weitere Freisinnige angehören, wird Mettler darauf pochen, dass das Gremium «im Interesse des Dorfes» entscheidet. «Parteisoldaten brauchen wir keine», sagte er. Die drei FDP-ler hatten Mettler im Wahlkampf mehrfach angegriffen. Der frischgebackene Gemeindepräsident war nach einem Zerwürfnis mit dem Parteivorstand aus der FDP ausgetreten. Nun erwartet er, dass die Vergangenheit ruhen gelassen wird. «Es gibt nämlich viel zu tun», sagte er. Er setzt sich dafür ein, dass in Zukunft wieder «sachlicher» politisiert werde.
Christian Schucan war gestern nicht schwer enttäuscht über sein schwaches Abschneiden: «Alles andere wäre eine Überraschung gewesen», sagte der Unternehmer. Immerhin habe er beinahe 40 Prozent der Stimmen erreicht: «Kein schlechtes Resultat für einen Neuzuzüger», sagte Schucan, der noch nicht lange im Dorf wohnt. Jetzt freue er sich auf ein «spannendes Ressort» im Gemeinderat. Präferenzen habe er keine. «Ich bin vielseitig einsetzbar», sagte er. Am 1. Juli wird sich der neue Gemeinderat konstituieren - dann zum ersten Mal unter der Leitung des «Schnupftruckli».