Am gestrigen Wahlsonntag ist noch kein neuer Herrliberger Gemeindepräsident gewählt worden. Keiner der drei Kandidaten hat das absolute Mehr von 819 Stimmen erreicht. Walter Wittmer vom Gemeindeverein (632 Stimmen) liess seine beiden Kontrahenten Ernst Frei (SVP, 512) und Felix Besser (FDP, 455) klar hinter sich. Wittmer vermutet verschiedene Gründe für seinen Wahlerfolg: Einerseits sei er im Dorf gut vernetzt, anderseits habe er den Wählern vermitteln können, dass ihm Herrlibergs Image am Herzen liege. Für Wittmer war gestern schon klar, dass er am 11. Juli für einen zweiten Wahlgang antreten wird.
Ernst Frei (SVP) ortet den gestrigen Erfolg des Gemeindevereins anderswo: nämlich, dass er sich als unabhängig positioniere und politisch nicht fassbar sei. Dies habe dem Gemeindeverein Stimmen beschert, vermutet Frei. Als Zweitplatzierter will er - sofern seine Partei damit einverstanden ist - für einen zweiten Wahlgang antreten. «Trotzdem ein Freudentag»
Offen ist derzeit noch, ob es am 11. Juli zu einem Dreikampf oder einem Duell kommen wird. Felix Besser, der gestern am wenigsten Stimmen erhielt, liess noch offen, ob er erneut antritt: «Das muss ich zuerst mit meiner Partei besprechen», sagte er gestern. Wenn es nach ihm ginge, würde er nochmals antreten.
Seine gestrige Niederlage erklärt Besser unter anderem damit, dass sich der Gemeindeverein als «Opfer» inszeniert habe. Die unabhängige Gruppierung wurde unter anderem von einem Podium von SVP und FDP ausgeschlossen, was den beiden Parteien Kritik einbrachte. «Vielleicht hat sich der ?Mitleidsbonus? auf das Resultat ausgewirkt», sagt Besser.
Trotz seiner Schlappe im Rennen ums Präsidium bezeichnet Besser den gestrigen Sonntag als «Freudentag»: Dies, weil er mit 1253 Stimmen für eine weitere Amtszeit klar in den Gemeinderat gewählt wurde und weil «seine» Vorlage für ein Glasfasernetz angenommen wurde (siehe Artikel unten).
Nebst Besser ergatterten auch Walter Wittmer (Gemeindeverein, bisher, 1378 Stimmen), Reto Furrer (FDP, bisher, 1279), Ernst Frei (SVP, bisher, 1185), Gaudenz Schwitter (FDP, neu, 1141) und Werner Staub (Gemeindeverein, neu, 1081) einen Sitz im Gemeinderat. Mit der Wahl von Werner Staub hat sich der Gemeindeverein einen zweiten Sitz erobert - dies auf Kosten der SVP, deren Kandidat Reto Tobler als Überzähliger ausgeschieden ist. SVP sucht neuen Präsidenten
Der SVP-Ortsparteipräsident, der als «Neuer» nur 787 Stimmen holte, ist enttäuscht: «Ich habe geahnt, dass es knapp werden könnte.» Mit 787 Stimmen liegt er aber deutlich hinter den anderen Kandidaten. Gründe dafür wollte er gestern noch keine nennen.
Klar ist für Tobler aber, dass er als Parteipräsident zurücktreten wird: «Das habe ich vor der Wahl angekündigt.» Dann sei es Zeit für frischen Wind in der SVP. Aber auch wenn er gewählt worden wäre, hätte er nicht mehr weiter als Präsident amtiert: «Damit ich mich dem Behördenamt voll hätte widmen können, wäre ich auch in diesem Fall zurückgetreten.» |