Dass die SVP Meilen am Wahlsonntag den Sitz des abtretenden SVP-Gemeindepräsidenten Hans Isler verlieren würde, überrascht nicht. Denn die beiden Kandidaten, die von der Volkspartei zur Verteidigung des Sitzes aufgestellt worden waren, sorgten bei den Stimmberechtigten zunehmend für Kopfschütteln. SVP-Kandidat Yves Gadient, der sich innert kürzester Zeit einen Namen als hartnäckiger Agitator gemacht hatte, vergraulte mit seinen aggressiven Wahlkampf-Voten mit Sicherheit sogar den einen oder anderen treuen SVP-Wähler. Die Quittung: Mit 907 Stimmen erzielte er das schlechteste Wahlergebnis aller Kandidaten.
Das Gleiche gilt, wenn auch in geringerem Ausmass, für Parteikollegin Judith Haggenmacher. Indem sie sich im Wahlkampf für die Verschärfung des Strafrechts und für die Ausschaffung krimineller Ausländer stark machte, wirkte sie weltfremd. Sind diese Probleme in Meilen doch kaum drängend.
Ironie des Schicksals, dass die SVP ihren zweiten Sitz nun ausgerechnet an einen Parteilosen verloren hat. Denn Yves Gadient hatte wiederholt Breitseiten auf Kandidaten geschossen, die sich keiner Partei anschliessen wollten. Theo Gesers klare Wahl zeigt, dass die geschürten Vorurteile gegenüber den Parteilosen bei den Stimmberechtigten keinen Widerhall finden.
Wichtiger als die Parteizugehörigkeit bleibt auf kommunaler Ebene der Leistungsausweis. Geser, der sich in der Vergangenheit als Exponent der Wachtvereinigung Dorfmeilen und der IG Dorfkern profilierte, hat in den Augen der Stimmberechtigten bewiesen, dass er Meilen als Gemeinderat bereichern kann. Wortreiche Angriffe auf deutsche Einwanderer und den «arroganten FDP-Filz» wecken bei den Wählern diesbezüglich verständlicherweise weniger Vertrauen. Und bestätigten eine alte Weisheit: Kommunale Wettkämpfe führt man nicht gegen etwas, sondern für etwas.
Die Ohrfeige für die SVP war nicht nur vorhersehbar, sondern verdient.