Der 25. April wird den beiden grossen Stäfner Ortsparteien SVP und SP in schlechter Erinnerung bleiben: Die Neuwahlen für die neun Sitze im Gemeinderat endeten für beide Parteien mit einer Schlappe, für die SP gar mit einem Debakel. Die SVP schaffte es nach 2007 erneut nicht, einen zweiten Vertreter in den Rat zu hieven. Ihr «Neuer» Peter Frey landete mit 1470 Stimmen gar auf dem letzten Platz aller zwölf Kandidaten. Dies, obwohl sich Frey als ehemaliger FC-Präsident und «gemässigter» SVPler gute Chancen hatte ausrechnen können. Entsprechend gross war gestern seine Enttäuschung: «Offenbar war ich als SVPler für viele Leute grundsätzlich nicht wählbar», sagte er, «auch für Bürgerliche.» Für Freys Parteikollege Beat Salvisberg galt das offenbar nicht: Der Landwirt mit Berner Wurzeln, der kaum als Hardliner bekannt ist, wurde mit 2098 Stimmen souverän wiedergewählt. SP bleibt mit einem Bein drin
Noch schlimmer als die SVP traf es die SP. Sie konnte ihre beiden Sitze von Raoul Rosenberg und Hans Ulrich Scheller nicht verteidigen, weil deren designierte Nachfolger Christoph Portmann (1670 Stimmen) und Peter Frikart (1646) die Wahl verpassten. Von einer «Kanterniederlage» wollte Letzterer aber nicht sprechen: Es sei ja knapp gewesen. Tatsächlich fehlten Portmann und Frikart 60 respektive 90 Stimmen für den rettenden neunten Platz.
Über die Gründe, warum sie zum ersten Mal seit 1978 nicht mehr im Rat vertreten sind, konnten die Sozialdemokraten gestern nur mutmassen. «Stäfa wird wohlhabender», meinte Peter Frikart, «das kommt uns kaum zugute.» Zudem habe der Abstimmungskampf um die Familienwohnungs-Initiative der SP wohl geschadet. Ein Trostpflaster bleibt der Partei: Sie bleibt mit einem Bein im Gemeinderat, weil der von ihr portierte Klaus Geser die Wiederwahl problemlos geschafft hat. Freisinnige Krise ist woanders
Massgeblich zur Schlappe der SP beigetragen haben dürften zwei Aussenseiter, die für die Überraschung des Tages sorgten: Der parteilose Winzer Stefan Reichling und der Grünliberale Andreas Utz. Reichling überflügelte die beiden SP-Kandidaten nur knapp - und zeigte sich selber überrascht von seinem Erfolg. «Ich scheine davon profitiert zu haben, dass ich nichts mit Parteistreitigkeiten zu tun habe», sagte der Weinbauer, der sich mit seinen Vorstössen zur «Villa Sunneschy» einen Namen gemacht hat. Während Reichling vermutet, dass er als «Lückenfüller» von links bis rechts Stimmen geholt hat, scheint der Grünliberale Andreas Utz vor allem im linken Kuchen abgesahnt zu haben. «Dort habe ich wohl am meisten Stimmen geholt», sagte der wenig bekannte Finanzanalytiker, dessen Partei in Stäfa bereits bei den Kantonsratswahlen für Furore gesorgt hatte. Klar ist, dass der grünliberale Erfolg - anders als auf kantonaler Ebene - nicht zu Lasten der Freisinnigen ging. Denn diese schafften es problemlos, ihre drei Sitze zu verteidigen. Enttäuschende Stimmbeteiligung
Der 40-jährige FDPler Simon Hämmerli erzielte mit 1930 Stimmen gar das beste Resultat aller «Neuen». Dass von freisinniger Sinnkrise in Stäfa nichts zu spüren ist, erklärte der Neo-Gemeinderat so: «Die Lebensqualität hier ist eben auch eine freisinnige Errungenschaft.» Die «ältere Garde» der FDP, die zu diesen «Errungenschaften» beigetragen hat, schnitt dagegen unterschiedlich ab: Während Gemeindepräsident Karl Rahm mit dem besten Ergebnis aller Kandidierenden für eine dritte Amtszeit gewählt wurde (in der Wahl für das Präsidium erzielte er als einziger Kandidat 2060 von 2741 Stimmen), holte sich Finanzvorstand Fredi Rechsteiner ein blaues Auge: Er erzielte das schlechteste Resultat aller Bisherigen und landete auf dem achten Platz. Rechsteiner wurde wohl dafür bestraft, dass er den Stimmbürgern kürzlich tiefrote Gemeindefinanzen präsentieren musste.
Obwohl man im Wahlkampf wenig von ihnen gehört hatte, mussten sich die beiden CVP-Vertreter Paul Scheck und Ursula Traber keine Sorge um die Wiederwahl machen. Traber wurde gar mit dem zweitbesten Resultat gewählt, wobei ihr der «Frauenbonus» geholfen haben könnte: Ohne Traber würden nicht nur keine Sozialdemokraten, sondern auch keine Frauen mehr im Gemeinderat sitzen. - Die Stimmbeteiligung betrug trotz spannender Ausgangslage nur mittelprächtige 37,7 Prozent. Resultate der übrigen Behörden
Während die SP ihre Kandidaten in den übrigen Behörden durchbrachte, musste die SVP auch hier einige Niederlagen einstecken: Je einer ihrer Kandidaten scheiterte bei der Wahl in die Werk- und in die Schulbehörde (vgl. Kasten links); Parteipräsident Andreas Duss verpasste sein Ziel deutlich, das Präsidium der Rechnungsprüfungs-kommission (RPK) zu übernehmen.
Gewählt: Michael Meyer (FDP, bisher), 2648 Stimmen. Robert Brusa (FDP, bisher), 2633. Robert Desax (FDP, neu), 2629. Hans Jürg Hägeli (parteilos/SP, bisher), 2613. Verena Niedermann (parteilos, neu), 2473. Andreas Duss (SVP, neu), 2016. Stephan Gafner (SVP, neu), 1993. Präsident (abs. Mehr 1229): Michael Meyer (FDP, neu), 1370 (Andreas Duss: 593).
Gewählt sind: Urs Dettling (FDP, bisher) 3110. David Dubach (FDP, bisher) 3072. Leonhard Lyss (SP, bisher) 2778. Annika Duindam (SP, neu) 2724. Max Müller (SVP, bisher) 2580. Elias Riedi (SVP, bisher) 2566.
Gewählt sind: Ulrich Bürgi (parteilos, bisher) 2449. Margret Wyss (parteilos, bisher) 2167. Roland Gebhardt (FDP, bisher) 2147. Christian Carigiet (CVP, bisher) 2106. Roman Hermann (FDP, neu) 1972. Michael Schäppi (FDP, neu) 1970. Alfred Wüthrich (GLP, neu) 1811. Roger Gorlero (SVP, bisher) 1801. Überzählig: Victor Leimgruber (SVP, neu) 1341. |